Hallo zusammen, mein Name ist Michail Schütte und ich bin Grünholzwerker und Autor bei HolzWerken.
Meine Frau Katy und ich arbeiten mit ungetrocknetem Holz und vorwiegend mit Handwerkzeugen: Wir bauen Stühle, drechseln ohne Strom, schnitzen Löffel und Schalen und unterhalten eine Grünholz-Kurswerkstatt im Wendland.
Grünholzwerken hat einen jahreszeitlichen Rhythmus und in diesem Blog führe ich durch mein Grünholzjahr.
Der Winter ist eine spannende Zeit, denn nun wird das Holz geerntet, das übers Jahr verbaut werden soll.
Dieses Jahr haben wir von einem Förster je einen Stamm Birke und Kirsche zugesprochen bekommen und an einem neblig frostigen Morgen aus dem Wald geholt. Die Birke lag schon am Boden, den Kirschbaum haben wir selbst gefällt, immer wieder eine aufregende Arbeit. Um das Holz händeln zu können, haben wir zunächst die Stämme in einen Meter und 1,5 m lange Rollen abgelängt – das ist lang genug für unsere Projekte und macht es möglich, die Stammrollen ohne schweres Gerät zu bewegen.
Die Birke ist ein schönes Holz für Löffel und Schalen: Hell, weich, homogen und gewöhnlich leicht zu bearbeiten und zu trocknen. Kirsche hingegen ist eine Diva – spektakulär in der Farbe, aber härter zu formen und deutlich rissanfälliger – Schönheit hat ihren Preis.
Glücklicherweise sind Baumstämme von Natur aus rund, was heißt, dass oftmals rollen die einfachste Transportmöglichkeit ist. Als wir die Stämme auf den Anhänger rollten, brachen Sonnenstrahlen durch die Bäume und tauchten den Wald in ein magisches Licht; man hätte sich nicht gewundert, wenn auf einmal ein Einhorn aufgetaucht wäre.
Gute, simple Werkzeuge zum Holztransport sind Packzangen – man braucht sich nicht so verbiegen, um das Holz anzuheben, was Rückenschmerzen vorbeugt.
Ein persönlicher Durchbruch im Holztransport war, eine alte Schubkarre umzubauen: Ich habe die Wanne durch eine simple, hölzerne Leiter ersetzt und die Griffe um 45 cm verlängert. In die Leiterholme können Rungen eingesteckt werden. So aufgerüstet können auch längere Rundhölzer bequem bewegt werden.
Wenn es noch schwerer wird, darf die Rückekarre ans Werk. Solche Karren gab es früher aus Holz, um Pferden die Waldarbeit zu erleichtern. Ich habe unsere vor einigen Jahren aus Eisenrohr vom Schrott zusammengeschweißt und mit stabilen Rädern von einem alten Fahrradanhänger versehen – 100% Upcycling. Sie funktioniert so: Um den Stamm wird mittig eine Kette gelegt. Die Karre wird über den Stamm gefahren, dann wird die lange Deichsel senkrecht gestellt und die Kette wird angehängt.
Zieht man die Deichsel nun wieder in die Waagerechte, hängt der Stamm plötzlich mittig zwischen den Rädern. Mit dem 2 m langen Hebel der Deichsel lassen sich so Stämme von bis zu 3 m Länge und 30 cm Durchmesser problemlos anheben und manövrieren.
Abgesehen von dem Kirsch und Birkenholz haben wir dieses Jahr noch eine Partie Buche und Esche gekauft. Das sind gute, gerade Harthölzer für die Stühle, Hobelpferde und andere Arbeiten, die über das Jahr entstehen sollen. Von einem befreundeten Baumpfleger kamen noch Bergahorn, Apfel und Erle zu uns – alles wunderbare Hölzer, um Schalen zu drechseln.
Und dann gab es noch einen Glücksfall: Nachbarn hatten einen großen Fliederstrauch beschnitten und uns das Holz zukommen lassen.
Flieder ist kein einfaches Holz, besticht aber durch extreme Härte (das Kernholz ist schwerer als Wasser!), ein grauviolettes Kernholz und seinen betörenden Geruch nach Fliederblüten.
Da Flieder stets drehwüchsig ist, ist die Verarbeitung immer eine Herausforderung. Dieser Flieder ist mit 8 bis 9 cm Durchmesser groß genug, um Stuhlbauteile daraus herzustellen, und wir sind schon jetzt gespannt auf den wilden Stickchair, der daraus entstehen wird.
Gelagert wird der Grünholzvorrat draußen im Schatten einer Hecke – das Holz soll ja erst nach der Verarbeitung trocknen. Die mit frischem Holz gefüllten Polter machen Lust darauf, bald mit den ersten Projekten zu beginnen.
Fotos: Michail Schütte
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