Blog Michail Schütte

Das Grünholzjahr – Frühling und erste Arbeiten

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Gestapelte Baumstämme mit sichtbaren Jahresringen und Rinde im Waldgelände.

Wie lange bleibt Grünholz grün?

Ich arbeite vorwiegend mit Handwerkzeugen und mit ungetrocknetem Holz, denn frisches Holz lässt sich viel besser spalten und schneller formen. Natürlich kann ich auch in trockenem Holz schnitzen, und der Übergang zwischen fällfrisch und durchgetrocknet ist ein fließender, aber es macht einfach mehr Spaß, das Holz zu bearbeiten solange es relativ weich ist.

Als Grünholzwerker möchte ich also mein Rohmaterial möglichst lange frisch halten, nach der Verarbeitung dann aber zügig trocknen.

Aber wie lange bleibt Grünholz nun grün?

Zunächst ist das eine Frage der Masse: Während Ziehmesserspäne nach zwei Tagen durchgetrocknet sind – es gibt nichts besseres zum Ofen anzünden! – braucht eine große Stammrolle dafür mehrere Jahre, ein kleiner Ast nur einige Wochen.

Holzbank mit Spänen, Zugmesser und Hobel in einer rustikalen Außenwerkstatt.

 

Auch das Klima spielt eine Rolle. Ein Dürrejahr führt logischerweise zu schnellerer Trocknung als ein verregneter Sommer. Letzterer bringt unweigerlich Bläue- und andere Pilze mit sich, die das Holz entweder attraktiver oder unbrauchbar machen. Schlichte Erle und Birke können gestockt plötzlich spektakulär gemasert sein, während verpilzte Weißbuche und Ahorn einfach nur schmutzig aussehen. Die beiden letzteren Hölzer wollen also möglichst schnell verarbeitet werden.

Und auch Luftbewegung ist ein entscheidender Trockenfaktor. Mein Grünholzvorrat wird draußen an einem schattigen Ort aufbewahrt. Und zwar unbedingt noch in der ganzen Stammrolle, denn das schützt vor zu schnellem Austrocknen.

So gelagert beginnt das Holz von den Schnittstellen her auszutrocknen. Dort entstehen nach kurzer Zeit auch die ersten Trockenrisse – aber die sind nicht schlimm, denn wenn es an die Verarbeitung geht, reicht es aus, 5 bis 10 cm abzuschneiden und die allermeisten Risse sind dann wieder verschwunden.

Wie schnell Stammholz trocknet, ist auch von der Holzart abhängig. Einige Hölzer trocknen schnell – Birke und Ahorn möchten gerne in den ersten drei Monaten nach Fällung verarbeitet werden. Sehr langsam hingegen trocknet Eiche – die kann auch nach zwei Jahren noch frisch sein. Esche, eines meiner Lieblingshölzer im Grünholz-Universum, liegt irgendwo dazwischen.

Wenn ich gutes Nutzholz finde, das schon auf Brennholzlänge geschnitten wurde, wie diese Stücke einer großen Erle, die in der Nachbarschaft gefällt und gleich auf 30cm abgelängt wurde, leime ich Zeitungspapier auf die Hirnenden, um den Trockenprozess zu verlangsamen.

 

Mit Zeitungsseiten umwickelte Holzstücke liegen auf einem Stapel gefällter Baumstämme.

 

Bei Stücken ab einem Meter Länge erspare ich mir diesen Aufwand aber. Diese Eichenrolle sieht nicht mehr vielversprechend aus, aber nachdem 10 cm abgeschnitten sind, taucht schon wieder frisches, rissfreies Holz auf, das nun zu Beinen und Spindeln für einen Stickchair verarbeitet wird.

Gestapelte Baumstämme mit sichtbaren Jahresringen und Rinde im Waldgelände.

Querschnitt eines Baumstamms mit deutlich sichtbaren Jahresringen auf Waldboden.

Die Stuhlteile, allesamt aus Sechzehntel-Spaltlingen gefertigt, sind nach dem Ausarbeiten so schmal dimensioniert (Durchmesser zwischen 35 und 16 mm), dass sie nun sehr schnell trocknen können. Auf den Stuhlbaukursen, wo wir in einem engen Zeitrahmen arbeiten, kommen sie in die mit einer Rotlichtlampe beheizten Trockenkiste und sind nach zwei bis drei Tagen durchgetrocknet.

Stuhlteile lagern in einer mit einer Rotlichtlampe beheizten Trockenkiste

Stuhlbeine liegen in einem beheizten Trockenschrank mit Thermometer.

Der Servierlöffel aus spannungreichem Kirschholz hingegen, dessen Herstellung aus einem Halbholz im nächsten Beitrag beschrieben wird, muss vorsichtiger getrocknet werden. Er bleibt zwei Wochen in der ungeheizten Werkstatt und kommt dann erst in die warme Stube.

Halb fertig geschnitzter Holzlöffel eingespannt in Schraubstock, umgeben von Schnitzwerkzeugen.

Fotos: Michail Schütte

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