Blog Michail Schütte

Das Grünholzjahr – Frühling, Teil 2

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Löffel wird mit Schnitzmesser ausgehöhlt, feine Späne im Inneren sichtbar

Ein Pastalöffel aus Kirschholz

Dieses Jahr gab es viel Kirschholz in der Ernte, das ausprobiert werden möchte. Und da wir kürzlich festgestellt haben, dass uns in der Küche ein Spaghetti-Löffel fehlt, ist das ein schönes Projekt für einen langen Abend in der Werkstatt.

Aus einem Aststück mit circa 16 cm Durchmesser und einer passenden Krümmung wird der Rohling auf 30 cm abgelängt. Aufgepasst: Die Krümmung darf nicht in der Mitte des Rohlings liegen. Krummes Holz aufzuspalten ist nicht ganz einfach, aber dieses Stück war kooperativ und ließ sich mit dem Spaltmesser gut halbieren.

Mann spaltet Holz mit Keil und Hammer, umgeben von Baumstämmen und Werkbank

Frisch gespaltene Holzstücke liegen auf einem Baumstumpf, umgeben von Spänen und Laub

Der ausgewählte Rohling wird zunächst mit dem Schnitzbeil auf einen rechteckigen Querschnitt begradigt. Dabei wird der gewachsenen Form gefolgt.

Bei der Arbeit mit Halbhölzern gilt es, eine wichtige Regel zu beachten: Die Markröhre und die ersten drei Jahresringe müssen entfernt werden, insbesondere bei schwierigen Hölzern wie Kirsche. Denn hier sitzen viele Spannungen, die sonst zu Rissen führen können. Nun kann die Löffelform aufgezeichnet und weiter ausgearbeitet werden.Roh geschnitzter Holzlöffel mit aufgezeichneter Form liegt auf einer Werkbank

Beile sind sexy! Und Löffelschnitzen ist zu 75% Beilarbeit, denn kaum ein Werkzeug ist so effektiv und universal einsetzbar wie ein scharfes Schnitzbeil. Obwohl ich schon reichlich Beile besitze, passiert es mir immer wieder, dass ich mich in ein verrostetes Desolatchen verliebe. Dann muss ich es aus seinem Dornröschenschlaf erwecken und mit einem neuen Stiel und Anschliff versehen, wie auch mit diesem Lieblingsbeil einstmals geschehen.

Hände bearbeiten Holzlöffel mit Beil, Späne fallen auf den Baumstumpf

Die Höhlung allerdings muss mit anderen Werkzeugen ausgearbeitet werden. Oft schnitze ich Löffel in der Hand, da es hier aber reichlich Masse zu entfernen gilt, habe ich den Rohling in den kleinen Schmiedeschraubstock mit den Schonbacken aus Leder eingespannt, das erleichtert die Arbeit mit dem Hakenmesser. Nachdem die Höhlung ausgearbeitet ist, wird die äußere Form mit dem geraden Schnitzmesser verputzt.

Löffel wird mit Schnitzmesser ausgehöhlt, feine Späne im Inneren sichtbar

Nun geht es an die Zähne, die der Löffel braucht, um schlüpfrige Spaghetti halten zu können. Den Lochgrund der Bezahnung bohre ich mit der kleinen japanischen Bohrleier und einem 6mm Schlangenbohrer vor – noch so ein Lieblingswerkzeug. Sie war zwar nicht billig, leistet mir aber immer wieder gute Dienste, wenn es um kleine Bohrungen geht, die sauber und präzise sein sollen. Auch in die Mitte der Laffe kommt eine Bohrung, damit das Kochwasser abfließen kann. Dann werden die Zähne ausgeschnitzt und alles wird verputzt.

Detailaufnahme eines Löffels beim Aushöhlen mit Werkzeug, Holzspäne im Inneren

Vorm letzten Sauberschneiden ziehe ich gerne das Messer noch einmal kurz auf einem Lederblock mit Polierpaste ab. Als Mittel der Wahl hat sich die klassische Chrompolitur „Autosol“ bewährt, die ich an der Tankstelle kaufe. Auf dem harten Kirschholz entsteht dann eine glänzend geschnittene Oberfläche – Schleifpapier wird hier nicht verwendet. Nun ist der Löffel fertig, muss aber erst zwei Wochen in einer ruhigen (keine Zugluft!) Ecke der kühlen Werkstatt vortrocknen, bevor er in die warme Küche darf. Diese erste Trockenphase ist die wichtigste, um sich das Holz an seine neue Form gewöhnen zu lassen und Risse zu vermeiden.

Fertiger Holzlöffel mit gezacktem Rand liegt auf einem Holztisch

Danach bekommt der Löffel eine Abreibung mit reinem Leinöl und darf dann robust benutzt und auch heiß abgewaschen werden, nur die Spülmaschine ist Tabu.

Person hebt dampfende Nudeln mit Holzlöffel aus einem Topf bei Kerzenlicht

Fotos: Michail Schütte

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