
Ein Drechselfutter ist in einer Drechselwerkstatt wohl das meistgenutzte Werkzeug. Gleich hinter der Drechselbank versteht sich. Egal ob Schalen, Dosen, Vasen oder filigrane Werkstücke mit komplexen Geometrien – das Drechselfutter sorgt bei all diesen Projekten für einen stabilen, zentrierten und vor allem sicheren Halt auf der Maschine. Ohne ein zuverlässig funktionierendes und leichtgängiges Drechselfutter macht das Drechseln nur halb so viel Spaß. Wie alle Werkzeuge und Maschinen braucht auch dieses von Zeit zu Zeit ein wenig Liebe.
Die Staubbelastung, die auf ein Drechselfutter einwirkt, ist enorm. Gerade beim Drechseln von trockenen Hölzern entsteht ein extrem feiner Holzstaub, der in jede noch so kleine Ritze eindringt. Dieser haftet im Inneren an Zahnrädern, Spannmechanik und Gleitschienen – mit der Zeit wie Klebstoff.
Wie oft sollte ein Drechselfutter gereinigt werden?
Wie oft man ein Drechselfutter reinigen sollte, hängt von mehreren Faktoren ab: der Bauart des Futters, dem Grad der Staubbelastung, der Art des verarbeiteten Holzes und – ganz entscheidend – von der Häufigkeit der Nutzung. Gekapselte Drechselfutter, wie das hier gezeigte Modell, sind durch ihre geschlossene Bauweise zum großen Teil vor direkter Staubeinwirkung geschützt und müssen daher seltener geöffnet und gereinigt werden. Offene Modelle hingegen verschmutzen wesentlich schneller und verlangen nach kürzeren Wartungsintervallen. Wer regelmäßig drechselt, der sollte seinem Drechselfutter mindestens ein Mal pro Jahr ein wenig Aufmerksamkeit schenken.
Übrigens: In der Metallbearbeitung kommt ein ähnliches Spannsystem zum Einsatz – das sogenannte Backenfutter. Alles das gleiche? Nein! Auch wenn es äußerlich ähnlich wirkt, ist es keinesfalls für die Verwendung an einer Drechselbank geeignet. Besonders gefährlich: Die Spannbacken können beim Öffnen über den Futterkörper hinausragen. Wer versehentlich mit der Hand bei laufender Maschine in diesen Bereich gerät, riskiert unschöne Verletzungen. Daher gilt: Backenfutter gehören ausschließlich auf Metall-Drehmaschinen!
Ein guter Indikator für die Notwendigkeit einer Reinigung ist die Schwergängigkeit des Spannmechanismus. Wenn sich der Spannschlüssel nicht mehr gleichmäßig oder nur unter Kraftaufwand drehen lässt, ist das Futter innen verschmutzt oder gar schon leicht festgesetzt, so sagt einem das Drechselfutter „Reinige mich. Sofort!“
Vor der Reinigung wird zerlegt
Dabei gilt: Die konkrete Vorgehensweise variiert je nach Ausführung und Hersteller. Doch einige Arbeitsschritte sind bei den meisten Modellen gleich. Zuerst werden die austauschbaren Spannbacken entfernt. Diese sind in der Regel über kleine Innensechskantschrauben befestigt. Die darunterliegenden Grundbacken bleiben zunächst im Gehäuse. Sie lassen sich – und das ist ausdrücklich gewollt – nicht durch bloßes Weiterdrehen des Spannschlüssels entnehmen. Ab einem gewissen Punkt blockiert der Mechanismus. Das ist ein wichtiges Sicherheitsmerkmal. Denn würde sich eine Grundbacke bei laufendem Betrieb lösen, wäre das äußerst unschön. Man stelle sich vor, ein Metallteil fliegt bei 3600 Umdrehungen pro Minute unkontrolliert durch die Werkstatt – nein lieber nicht.

Auf der Rückseite des Futters befindet sich in meinem Fall eine Schutzkappe, die mittels eines Wellen-Sicherungsrings (auch Seegerring oder Sprengring genannt) fixiert ist. Dieser Sicherungsring besteht aus gehärtetem Federstahl und muss mit einer passenden Sprengringzange entfernt werden. Es mag verlockend erscheinen, zu improvisieren – aber Achtung: Wer mit Schraubendrehern oder ungeeigneten Zangen „herumfummelt“, riskiert, dass der Ring wegspringt. Dabei kann er sich mit hoher Geschwindigkeit davon fliegen und eine echte Verletzungsgefahr darstellen.
Nachdem der Sicherungsring entfernt wurde, kann die Kappe mit einem Schlitzschraubendreher vorsichtig abgehebelt werden. Darunter kommen die Antriebsritzel zum Vorschein – jene Bauteile, in die der Spannschlüssel eingreift. Diese Ritzel werden im vorliegenden Fall von der Schutzkappe in Position gehalten und gegen das Herausfliegen gesichert. Danach folgt der Ausbau der inneren Komponenten. Die Spiralscheibe wird aus dem Korpus entnommen und gibt die Grundbacken frei, die sich jetzt nach außen herausschieben lassen.
Alle Komponenten gründlich reinigen

Alle Komponenten werden gründlich gereinigt. Besonders effektiv ist hier ein harzlösender Reiniger, wie er auch im Werkzeugbereich verwendet wird. Bremsenreiniger kann hier auch verwendet werden. Einsprühen und einwirken lassen. Einfache Pinsel, Bürsten oder alte Zahnbürsten helfen dabei, Rückstände aus Vertiefungen zu entfernen. Nach der Reinigung müssen alle Teile vollständig trocknen, bevor sie wieder zusammengesetzt werden. An beweglichen Stellen empfiehlt sich die Verwendung eines hochwertigen Maschinenfetts. Idealerweise ein nicht verharzendes Fett. Ich verwende kein Öl. Dies kann zum einen durch die enormen Fliehkräfte herausgeschleudert werden und zum anderen würde der Staub das Öl nach einer kurzen Zeit binden und die Schmierfähigkeit schnell herabsetzen.

Beim Wiederzusammenbau ist besondere Sorgfalt gefragt. Die Grundbacken sind üblicherweise nummeriert (1 bis 4) und müssen exakt in dieser Reihenfolge wieder auf die Spiralscheibe aufgeschoben werden – und zwar im Uhrzeigersinn. Wichtig ist dabei auch die korrekte Ausrichtung der Backen an der Mantelfläche. Nur wenn sie perfekt greifen, schließt das Futter zentrisch und mit gleichmäßigem Druck. Erst wenn alle mechanischen Komponenten korrekt verbaut sind, folgt das finale Zusammensetzen: Spiralscheibe, Ritzel, Schutzkappe und zuletzt der Sicherungsring.

Details für Besserwisser! Die Zähne der Grundbacken greifen in die Spiralscheibe. Die Flächen, wo die Körnungen auf den Grundbacken angebracht sind, sind breiter als die Zahnbreite. Möchte man weiter aufdrehen, passen diese Flächen nicht durch die Spiralscheibe und blockieren das weitere Aufdrehen. Es gibt noch andere Lösungen für die Losdrehsicherung, aber diese ist besonders elegant gelöst. Genial!
Besser als neu
Vor dem ersten Einsatz empfiehlt sich ein kurzer Funktionstest: Lässt sich der Spannmechanismus sauber, gleichmäßig und ohne übermäßigen Kraftaufwand drehen? Treffen sich alle Grundbacken exakt in der Mitte, ohne Versatz? Wenn ja, kann das Futter wieder an die Drechselbank montiert werden. Einige Öffnungs- und Schließbewegungen helfen, das Fett gleichmäßig zu verteilen.
Im Idealfall lässt sich der Spannschlüssel jetzt wieder mit zwei Fingern am Schaft drehen. Kein Knarzen, kein Widerstand – so soll das sein!
Ich beglückwünsche euch zu einem neuwertigen Drechselfutter.
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