erstes größeres Projekt: eine Küche

Nachdem ich hier schon einige Zeit mitlese und auch schon viele gute Anregungen gefunden habe, will ich auch mal zeigen was ich bisher schon so gebaut habe. Warum eine Küche selber bauen? Meine ganze Wohnung hat kaum einen 90° Winkel, wurde halt mal so zwischen uralte Häuser reingeschachtelt. Und alles was nicht im rechten Winkel ist, ist im Möbelhaus richtig teuer. Meiner Formatkreissäge ists egal, ob sie mit 90 oder 110° sägt :-) Also mal 2 Wochen Kataloge gewälzt, was mir so gefallen könnte und erste Skizzen gemacht. Vorgabe ist: Buche, möglichst massiv, Fronten als Rahmen mit Füllung, aber ohne Schnörkel. Und eingepasst bis ins letzte Eck, heißt ja Einbauküche. Nächster Schritt ist das ganze in Autocad zeichnen mit kompletter Bemaßung. Ist zwar einiger Aufwand, aber dafür gehts Zuschneiden deutlich schneller und man produziert viel weniger Schrott. Das "massiv" ist schnell gestrichen: Baumarktleimholz ist mir zu kariert, 3-Schicht 19mm ist unbezahlbar, und selber verleimen ist mir bei der Menge einfach zu viel Arbeit. Also werden die Schränke aus 19mm Spanplatte, Buche furniert, gebaut. Zwecks einfacherem Handling liefert die mir der Holzhändler gleich in 200 * 60cm Streifen geschnitten. Für die Fronten hab mir ein paar 6cm Bretter getrocknete Rotbuche beim Holzhändler gekauft. Die 4m Dinger gehen natürlich nicht ins Auto. Jetzt weiß ich: der Skiträger hält auch 4-fache Überlast aus. Das Korpusbauen geht recht flott, pro Abend entsteht so grob ein Kasten: Teile auf Format sägen, Lamellos fräsen, Holzumleimer aufbügeln, Schlitze für Rückwand einfräsen, Alles verleimen, Feinschliff, 2 Anstriche mit Clou Parkettversiegelung, in der Garage zwischenlagern, ist fast schon wie Fabrikarbeit :-) Aber es wird ja auch wieder kreativer: Das Weinregal ist aus Buchenleisten und 20mm Rundhölzern aufgebaut. In den stehenden Leisten sind Schlitze gefräst und die greifen in 5mm Fachbodenträger ein, so sieht man keine Befestigung und man kanns einfach rausnehmen. Die Schubläden sind ziemlich stabil aus 18mm Leimholz mit 6mm Sperrholzboden. Als Führungen kommt nur das Beste von Hettich in Frage, mit Vollauszug, Softstop und Selbsteinzug. Großer Vorteil ist die Feinjustierung für die Frontblende, auch wenn die Teile nicht ganz billig sind. Seitlich vom Ofen sind je ein Mini-Apothekerschrank und ein Ausziehrahmen für die Bratpfannen. Die haben beide unten einen Kugelvollauszug und oben nur einen Stift in einer Führungsnut. Nachdem das alles so weit fertig ist, gehts ans einbauen, Geräte montieren und anschließen und Küchenplatte einpassen. Die wollte mir natürlich niemand auf 108° fräsen. Also selber machen: Winkel ausmessen und anzeichnen, eine Seite mit der Handkreissäge und Schiene sägen, 2. Seite drunter legen, anzeichnen und auch sägen, mit der Oberfräse nochmal Kanten nachfräsen, Plattenverbinder ausfräsen, 4 Lamellos rein, verleimen, verschrauben, fertig. Hatte schon etwas Bammel davor, aber passt perfekt. In diesem Zustand ohne Fronten geht die Küche in Betrieb und so solls noch fast ein Jahr sein. (nur für Junggesellenküchen zu empfehlen). Irgendwann hab ich dann doch mal Zeit, die Buchenrohlinge zu 20*50mm Latten zu sägen und hobeln. Der Einfachheit halber haben alle Leisten eine 8mm Nut eingefräst, die Querhölzer auch auf den Stirnseiten. Die Vorderseiten sind 4mm abgerundet. Zusammengesetzt werden die Rahmen mit 8mm Federn. Das lässt sich präziser machen als Zapfen anzufräsen, weil alles mit einer Fräseinstellung geht. Die Füllungen sind aus Birkensperrholz und mit Buche beidseitig furniert. Mein erster Versuch, aber es hat gut geklappt mit improvisierter Presse aus 2 Küchenplatten und etlichen Schraubzwingen. Bei den Glastüren hab ich die Scheiben auch gleich mit eingesetzt und den Spalt in der zu großen Nut mit einer 4mm Leiste gefüllt. Kann ich nicht empfehlen, da sich das geriffelte Glas nur schlecht abkleben lässt beim Lackieren. Ein Falz im Rahmen und die Scheiben später mit Leisten einnageln wäre einfacher. Für die Scharniere und Griffe hab ich mir Schablonen gemacht, so geht das Bohren recht fix und präzise. Die Scharniere mit dem Clip sind echt praktisch, man hängt beim Installieren doch recht oft rein und raus. Ja und dann ist die Küche tatsächlich fertig. Hab dabei eine Menge gelernt und eigentlich wenig Schrott produziert. ...aber irgendwas fehlt noch? da steht immer noch ein uralter Tisch, der eigentlich mehr Werkbank ist. Also noch eine Wochendprojekt: 38mm Arbeitsplatte gibts grad im Angebot. Ich freu mich noch, so gleichmäßiges Leimholz zu bekommen, aber nach dem Ölen schauts dann doch ganz schön scheckig aus. Macht auch nix, is ja eh meistens alles vollgestellt. Als Beine werden zwei u-förmige Teile aus je 6 Brettern 38*80 gebaut. Entsprechend abgelängt und verleimt ergibt sich gleich eine Überblattung ohne was zu fräsen oder gar stemmen. Zusätzlich ist die Verbindung noch gedübelt. Die Tischplatte bekommt längs Aufdopplungen, so siehts etwas wuchtiger aus. Verbunden wird das Ganze mit M6 Rampamuffen und Winkeleisen, in die Langlöcher eingefräst sind. Könnte ja sein, dass die Platte noch etwas arbeitet.

Benötigte Zeit

0 Stunden

Verwendetes Werkzeug

  • 2 Maschinen sind beim Projekt abgebrannt:
  • ein Festo-Schwingschleifer Bj 1963, der schon 40 Jahre in der Malerei im Dauereinsatz war.
  • Und eine grüne Bosch-Oberfräse, da hat nach einer halben Stunde Dauerlauf der Anker geraucht.
  • Dafür hab ich neu erstanden: eine Scheppach Tischfräse HF3000, einen Festo Exzenterschleifer und eine Festo OF1000.
  • Dann hab ich noch eine Scheppach TS2500 Formatsäge mit Schiebeschlitten, eine Festo Tauchsäge mit Schiene und eine originale Lamello-Fräse im Einsatz.
  • Der Elektra-Beckum Hobel ist mit 260mm einfach zu klein und zu schwach, da kommt demnächst was von Holzmann mit 400mm ins Haus.

Verwendete Materialien

  • 50qm Spanplatte furniert,
  • 80m Umleimer,
  • 0,4 m³ Massivholz
  • 10qm Birkensperrholz
  • Beschläge, Lack, Kleinkram

Wissen. Planen. Machen. Das ist das Motto der Zeitschrift HolzWerken, dem Magazin für den Holzwerker.
ab 65,00 
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Kommentare

31.03.2020

Glückwunsch zu diesem Projekt. Klasse geworden. Gruß

31.03.2020

Respekt, da steckt viel Arbeit und Gehirnschmalz drin. Die Küche gefällt mir. Vor allem die Inneneinrichtung der Schränke. Was ich aber nicht verstehe, ist die Anordnung des Hochschrankes in der Küche. Der nimmt viel Tageslicht von der Kochstelle weg, wo man gerade dort viel Licht braucht.

31.03.2020

Super! Da kann man stolz auf sich sein, gell?! ;-) Dieses Werk steht mir auch bevor. Bin aber immer noch an den Aussenarbeiten dran. ABER, ich freue mich schon auf die Renovierung der Küche. Wenn ich damit fertig bin, gibt es - wie bei Dir - als Belohnung einen Whiskey! (*grins*) siehe Bild 7 oder 8, wenn ich es noch richtig im Kopf habe.

31.03.2020

@Jürgen Bednarz: da gabs einen ganz einfachen Grund, die Steckdose fürn Kühlschrank war dahinter in 1,8m Höhe. Aber der Dunstabzug hat ausreichend Beleuchtung drin.

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