Laute mit verlängerten Baßsaiten, Erzlaute, Archiliuto

Ich baue schon seit 50 Jahren historische Lauten des 16ten bis 18ten Jahrhunderts. Außerdem baue ich noch andere Zupfinstrumente dieser Zeit. Dies Instrument ist die Rekonstruktion einer Erzlaute nach einem Instrument im Germanischen Museum in Nürnberg. (Das Vorbild hat nach einem Umbau im 18ten Jh. einen anderen Hals erhalten) Für die gesamte Baubeschreibung mit Bildern sind etwa 80 Seiten nötig. Da dies zuviel ist, hier nur einige kurze Angaben: Die Späne des Korpus sind aus geflammten Ahorn, 1,3 mm dick, gesägt, auf Dicke geschliffen und mit der Ziehklinge geglättet, warm freihändig nach der Form gebogen und auf einer Holzform, die den Klotz zur Halsbefestigung trägt, zusammengefügt (die Fugen wurden mit dem Handhobel freihändig so geformt, daß praktisch kein Spalt blieb). Die Fugeneinlagen sind schwarz gefärbter Ahorn, 0,8 breit x 1,5 mm hoch, warm gebogen und zusammen mit dem Span eingeleimt. (nicht nachträglich eingesägt und eingesetzt!) Nach dem Verleimen mit der Ziehklinge egalisiert. Die Fugen erhielten innen einen Belag aus Papier zur Sicherung. Eine Kappe aus Ahorn, 1,3 mm dick verdeckt den Zusammenlauf der Späne am unteren Ende. Die Decke ist aus feinjähriger Hochgebirgsfichte, aus 2 Teilen zusammengefügt, (ausgesuchte Qualität, über 10 Jahre bei mir gelagert), auf etwa 1,8 bis 1,3 mm Dicke von Hand ausgehobelt. Dabei ist nicht so sehr das Maß als die Flexibilität der Decke zu erfühlen. Die Rosette (Schalloch) ist aus der Decke herausgestochen und auf der Sichtseite geschnitzt. Innen ist die Decke mit Balken versteift. Diese Balken, deren Anordnung und Gestalt, sind für den Klang entscheidend. Für die Abstimmung dieser Balken wende ich sehr viel Zeit auf. Der Steg auf der Decke, an dem die Saiten befestigt sind, besteht aus schwarz gebeiztem Birnbaum, er ist auf die Decke geleimt. Die Randeinlage der Decke besteht aus Ebenholz, das in eine Nut eingelegt ist. Der Hals ist aus Lindenholz geformt, mit Ebenholz furniert (1mm Sägefurnier) und an den Halsklotz angeleimt. Er ist mit einer Holzschraube 5 x 70, deren Gewindespitzen abgerundet sind, gesichert. Das Griffbrett besteht aus Ebenholz. Der untere Sattel, der die Saiten führt, besteht aus argentinischem Rinderknochen. Der verlängerte Wirbelkasten ist aus Linde, mit Seitenteilen aus Rotbuche verstärkt und mit Ebenholz auf der Ober- und Unterseite furniert. Der untere Wirbelkasten ist ausgestochen, der obere Wirbelkasten ist aus Rotbuche geschnitzt und aufgeleimt. Die nicht furnierten Flächen sind schwarz gebeizt. In beide Wirbelkästen sind seitlich konische Löcher für die Wirbel gebohrt Die Wirbel, mit denen die Saiten gestimmt werden, bestehen aus Buchsbaum (ca. 100 Jahre alt), freihand gedrechselt, das Kopfblatt geschnitzt. Die Wirbelköpfe sind mit Tungöl lackiert. Die Wirbelschäfte sind mit einem Wirbelschneider an die konischen Löcher der Wirbelkästen angepaßt und mit einem Gemisch aus Kernseife und Kreide geschmiert, daß sie sich einerseits leicht drehen lassen, aber auch fest halten. Die Decke ist mit Eiklar (Tempera) grundiert und mit einem Gemisch aus Bienenwachs, Karnaubawachs Paraffin und Terpentin geschützt. Der Korpus ist mit Eiklar (Tempera) grundiert, mit Lichtbeize getönt und mit einem Leinöl-Kiefernharz-Lack ohne Sikkativ lackiert. Die Aushärtung dieses Lackes wurde mit UV-Licht vorgenommen. Nach dem Trocknen des Lackes wurde dieser noch geschliffen und poliert. Alle Verleimungen, auch die Furnierarbeiten, wurden mit Hautleim und Knochenleim vorgenommen. Die Furniere wurden mit Bindfaden gepreßt. Die Späne mit Hilfe von Tesakrepp gefügt. An Werkzeugen wurden Handsäge, Hobel (Schlichthobel, Stanley-Einhandhobel, Schabhobel), Ziehklinge, Schnitzer, Stechbeitel, Wirbelbohrer, Wirbelschneider und einige selbstgebaute Werkzeuge benutzt. An Maschinen kamen zum Einsatz: Bandsäge zum Vorrichten der Teile und zum Sägen der Späne (Sägefurnier), kleine Kreissäge für die Fugeneinlagen, zum Dickenschleifgerät umgebauter Bandschleifer, Drechselbank und Tischbohrmaschine. Das Instrument hat eine Gesamtlänge von 128 cm, Die Decke ist 32 cm breit und der Korpus 15 cm tief. Die Leimfläche des Steges auf der Decke ist etwa 24 cm² und hält eine Kraft von etwa 560 N! An Arbeitszeit stecken etwa 200 Stunden drin. (Ohne die Zeit für die Anfertigung der Form für den Korpus). Was man nun hier nicht vermitteln kann, ist der herrliche Klang dieses Instrumentes.

Benötigte Zeit

0 Stunden

Verwendetes Werkzeug

Verwendete Materialien

Wissen. Planen. Machen. Das ist das Motto der Zeitschrift HolzWerken, dem Magazin für den Holzwerker.
ab 65,00 
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