Blog Stefan Benner

Die rollbare Werkzeugwand

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Ob als mobile Werkzeugwand oder Infotafel, die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig.

Stellen Sie sich vor, Sie möchten etwas bauen. Sie wissen ungefähr, wie das Ergebnis aussehen und welche Aufgabe es erfüllen soll. Doch sobald es an die konkrete Umsetzung geht, tauchen die Fragen auf: Wie werden die einzelnen Bauteile konkret miteinander verbunden? Wie muss das Gestell aufgebaut sein, damit es stabil steht? Welche Abmessungen sind sinnvoll? Und wie lässt sich die Konstruktion mit den vorhandenen Werkzeugen umsetzen?

Natürlich können Sie nun bei null anfangen, verschiedene Varianten zeichnen und einen vollständigen Plan am Rechner erstellen. Das ist manchmal notwendig, aber längst nicht bei jedem Projekt. Häufig gibt es bereits eine Konstruktion, die genau die benötigten Grundprinzipien enthält. Sie wurde vielleicht für einen anderen Zweck gebaut, lässt sich aber mit wenigen Änderungen an die eigenen Anforderungen anpassen.

Eine solche Lösung ist mir bei einer Hochzeit aufgefallen. Dort stand eine kleine rollbare Wand: unten ein Fahrgestell, darauf eine senkrechte Fläche, an der verschiedene Dinge befestigt werden konnten. Ursprünglich war sie nicht als Werkstatteinrichtung gedacht. Dennoch lässt sich die Konstruktion ohne Weiteres als Grundlage für eine mobile Werkzeugwand betrachten. Das Fahrgestell sorgt für Beweglichkeit und die Wand bietet Platz für Halterungen.

Solche Ideen findet man nicht nur in Werkstätten, Bauplänen oder Fachbüchern. Sie begegnen einem auch im Alltag, wenn man darauf achtet, wie Gegenstände aufgebaut sind und welche konstruktiven Lösungen darin stecken. Wer solche Details wahrnimmt und auf den eigenen Bedarf überträgt, muss nicht jedes Mal das Rad neu erfinden. Oft genügt es, eine vorhandene Konstruktion zu erkennen, ihre Funktionsweise zu verstehen und um sie passend zum eigenen Projekt weiterzuentwickeln.

Die Hier dargestellte Wand ist eher als Sichtschutz, zum Anbringen von Deko oder Informationsmaterial gedacht. Aber wie wäre es mit einer etwas kleineren, stabileren und mobilen Werkzeugwand oder als Schraubzwingenwand?  Wer kennt es nicht? Wenn man sich bei einem Projekt so richtig ins Zeug legt, dann ist die Werkbank sehr schnell voll mit Werkzeugen und man verliert den Überblick. Vielleicht wäre das eine denkbare Lösung für Sie.

Das Material

Für die rollbare Werkzeugwand kommen verschiedene Plattenwerkstoffe infrage. Welche Variante geeignet ist, hängt davon ab, wie stark die Wand belastet wird.

Eine Möglichkeit sind 18 Millimeter starke Leimholzplatten, die im Handel häufig als Hobbyholz angeboten werden. Sie bestehen aus miteinander verleimten Massivholzlamellen, lassen sich mit üblichen Holzbearbeitungswerkzeugen gut bearbeiten und ergeben eine ansprechende Oberfläche. Schrauben halten darin in der Regel zuverlässig. Leimholz arbeitet jedoch stärker als viele Plattenwerkstoffe: Je nach Luftfeuchtigkeit kann es sich verziehen, quellen oder schwinden.

Formstabiler ist Multiplex. Dieser Werkstoff besteht aus mehreren kreuzweise verleimten Furnierlagen und ist bei vergleichbarer Stärke hoch belastbar. Auch Schrauben lassen sich darin gut befestigen. Die sichtbaren Schichtkanten können bewusst als Gestaltungselement genutzt oder mit einer Umleimerkante verdeckt werden. Ein Nachteil ist der meist höhere Preis. Für eine Werkzeugwand, die regelmäßig verschoben wird und viele Halterungen aufnehmen soll, ist Multiplex dennoch eine geeignete Lösung. Abhängig von Größe und Belastung kann bereits eine geringere Plattenstärke als 18 Millimeter ausreichen.

Günstiger sind OSB- oder Spanplatten. OSB besitzt eine relativ robuste Oberfläche und kann für eine zweckmäßige Werkstattausführung verwendet werden. Die grobe Struktur ist Geschmackssache. Schrauben halten in OSB bei wiederholten Verschraubungen schlechter als in Multiplex. Beschädigte Kanten können zudem leicht ausbrechen.

MDF bietet eine sehr glatte Oberfläche und lässt sich gut lackieren. Die Platte ist jedoch empfindlich gegen Feuchtigkeit und weist eine geringere Schraubenhaltekraft auf. Werden Halterungen häufig verändert, können die Befestigungspunkte mit der Zeit ausleiern. MDF eignet sich deshalb eher für eine dauerhaft eingerichtete Wand mit geringer mechanischer Belastung.

Im vorliegenden Fall wurden scheinbar keilgezinkte Tischplatten verwendet. Für meinen Geschmack etwas gewöhnungsbedürftig. Am saubersten wäre aus meiner Sicht Multiplex.

 

Die konkrete Konstruktion

Das Fahrgestell mit Rollen macht die Wand flexibel einsetzbar.

Die Seitenwangen können aus dem gleichen Material bestehen wie die Wand. Sie sind wie ein Spitzdach geformt. Das spart etwas Gewicht und schützt vor allen Dingen Schienbein und Knie vor unangenehmer Bekanntschaft mit den Seitenwangen. Zusätzlich sind alle Kanten großzügig abgerundet. Kleinigkeiten, aber man sieht, da hat sich jemand Gedanken gemacht und das wohl nicht zum ersten Mal.

Die Wand ist mit drei vertikal angebrachten ca. 10 cm x 3 cm Brettern versehen. Sie halten die einzelnen Wandsegmente zusammen und verleihen ihnen zusätzliche Stabilität. Für eine Werkzeugwand würde ich eine einzelne Platte nehmen und auf die senkrechten Bretter verzichten, damit Vorder- und Rückseite mit Werkzeugen bestückt werden können. Das würde aber auch erfordern, dass die Seitenwangen höher sein müssten, damit die Wand stabil bleibt. Alternativ wählt man über die Seitenwangen hinausragende, höhere Kanthölzer oder eine Kombination aus beidem.

 

Die Kanthölzer der Werkzeugwand verbinden die Wand mit den Seitenwangen.

Die Kanthölzer werden mit zahlreichen Holzschrauben an die Seitenwangen geschraubt. Die Wand liegt vorne und hinten an den Kanthölzern an. Mittels Schlossschrauben wird die Wand mit den Kanthölzern verbunden. Dadurch lässt sich die Werkzeugwand bei Bedarf auch demontieren und platzsparend verstauen. Es werden große Unterlegscheiben verwendet, damit das weiche Fichtenholz nicht zu stark eingedrückt wird, was die Verschraubung lockern könnte.

Die Rollen wurden nicht einfach nur mit Holzschrauben von unten befestigt. Metrische Schrauben und Hutmuttern kamen zum Einsatz. Allerdings sind alle Rollen ohne Bremsen, was ich auf jeden Fall ergänzen würde. Die Hutmuttern könnte man auch bei den Kanthölzern einsetzen. Anscheinend wäre dort eine Gewindelängenanpassung nötig gewesen, weshalb man das nicht gemacht hat.

 

Vom Sichtschutz zum Werkzeugständer

Die gezeigte Konstruktion liefert keinen fertigen Bauplan, aber ein praktisches und anpassbares Grundprinzip für eine mobile Werkzeugwand. Abmessungen, Plattenstärke und Befestigungen müssen an die vorgesehene Belastung angepasst werden. Bei einer beidseitigen Bestückung ist außerdem darauf zu achten, dass die Wand nicht kopflastig wird. Ein ausreichend breites Fahrgestell und feststellbare Rollen sorgen für einen stabilen Stand.

Vor dem Nachbau sollte feststehen, welche Werkzeuge später an der Wand hängen und wie häufig die Halterungen verändert werden. Danach lassen sich Material, Größe und Verbindungen sinnvoll auswählen. Wer die Wand zerlegbar ausführt, kann sie bei Bedarf leichter transportieren oder platzsparend lagern.

Die ursprüngliche Konstruktion muss dafür nicht unverändert übernommen werden. Entscheidend ist, die vorhandene Lösung zu verstehen und dort anzupassen, wo sich der Einsatzzweck ändert. Aus einem einfachen Sichtschutz kann so mit überschaubarem Aufwand eine zweckmäßige Werkstatteinrichtung entstehen.

 

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