Treppenhaussanierung

Seit 3 Jahren sanieren wir ein altes Allgäuer Bauernhaus von Grund auf. Dabei soll so viel alte Substanz, wie irgend möglich, gerettet werden. Das Treppenhaus war wie alle Räume nach 120 Jahren in einem stark verbrauchten Zustand. Türen und Rahmen hatten mehrere Schichten Lack. Auf die alten Weichholzdielen wurden Spanplatten mit hunderten von Drallnägeln befestigt, um einen ebenen Untergrund für den PVC-Boden zu haben. Sämtliche Holzteile wie Türrahmen, Türen und Fenster wurden zuerst mit Heißluft von den dicken Lackschichten befreit und anschließend geschliffen. Flache Flächen konnten mit dem Exzenterschleifer oder Deltaschleifer bearbeitet werden. Alle Profile mussten dagegen von Hand geschliffen werden, wobei ich diverse Schleifklötze angefertigt habe, um ihre Form zu erhalten. Die Treppe wurde ausgehoben und in ihre Teile zerlegt, um sie schleifen zu können. Die Setzstufen waren alle so stark verzogen und gerissen, dass ich sie nicht mehr retten wollte. Die neuen Setzstufen habe ich mit einer Handkreissäge und einem Dickenhobel in ihre grobe Form gebracht. Die sehr flache Fase von 5 Grad am oberen Ende wurde mit einer CNC-Fräse gefräst. Als optische Auflockerung habe ich in jeder zweiten Setzstufe ein Kleeblatt ausgefräst. Die vorderen Kanten der untersten beiden Trittstufen waren durch Wurmbefall so stark geschwächt, dass ich sie sauber abgetrennt und neue Kanten angeleimt habe. Die geschwungene Form der Kanten wurde mit Hilfe der CNC-Fräse rekonstruiert. Der Dielenboden war bis zu 5 Millimeter stark eingelaufen. Unzählige Nuten und Federn waren gebrochen und mussten in mühevoller Arbeit mit Hilfe von Werkbank, Schraubzwingen und Leisten wieder geleimt werden. Einige stark verwurmte Stellen wurden ersetzt. Dazu haben wir möglichst alte aber intakte Weichholzbretter hergenommen, von der Unterseite auf die entsprechende Stärke gehobelt, auf Maß gesägt und Nuten und Federn eingefräst. Aufgrund der teilweise tiefen Laufspuren in den Dielen haben wir uns gegen einen völligen Planschliff entschieden, um sie nicht zu stark zu schwächen. Statt dessen wurden die Dielen zunächst mit einem Winkelschleifer und weichem Schleifteller so weit geschliffen, bis die Oberfläche keine Kante, Grate oder tiefe Löcher mehr aufwies. Ein gewisses Maß an Spuren sollte jedoch erhalten bleiben. Anschließend wurden die Dielen mit einem Tellerschleifer und sehr weichem Pad bis auf Korn P180 geschliffen und ein Fußbodenöl in mehreren Arbeitsgängen einpoliert. Die gesamte Arbeitszeit war nicht messbar. Es war auf jeden Fall eine dreistellige Stundenzahl. Im nächsten Schritt werden die Holzfenster wiederhergestellt und zu Kastenfenstern aufgerüstet. Das ganze Sanierungsprojekt lässt sich in unserem Baublog unter https://www.hausen8.de verfolgen.

Benötigte Zeit

100 Stunden

Verwendetes Werkzeug

  • Oberfräse, CNC-Fräse, Winkelschleifer, Exzenterschleifer, Multimaster, Dickenhobel, Elektro Einhandhobel, Schleiffinger

Verwendete Materialien

  • Weichholzbretter, Leisten, Leim, Holzöl

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Kommentare

26.09.2018

Auweia!!! Ich kann es Euch nachfühlen, bin ich doch mit einem guten Freund seit mehreren Jahren an der Renovierung seines alten Hauses dran. WENN es dann mal fertig ist, sieht es ja toll aus. ABER, bis dahin ist es ein sehr weiter Weg! ;-))))

27.09.2018

Hallo Sam, es gab zwar Phasen, in denen man von den Bergen von Bauschutt im Haus, über die man drüber steigen muss, etwas genervt war, doch mittlerweile arbeite ich wirklich gerne am Haus, weil man immer wieder mit einem neuen schönen Resultat für die Arbeit entlohnt wird. Bei den Holzarbeiten ist das ganz besonders der Fall.

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