Schellack schreckt ab? Das muss doch nicht sein! Sie müssen sich ja nicht gleich an die zweifellos anspruchsvolle Politur mit Schellack machen. Vor allem kleine Objekte wie Dosen und Schatullen gewinnen enorm durch mehrere einfach aufgetragene Schichten Schellack. Das Holz bekommt eine optische Tiefe, die mit herkömmlichen, synthetischen Lacken kaum zu erreichen ist. Mit diesen Eckpunkten sind Sie gut gewappnet:
- Mischen Sie Ihren Schellack selbst. Kaufen Sie Flocken in der gewünschten Farbrichtung (es gibt unter anderem Gelb, Orange und „Blond“) und mixen Sie sie mit der angegebenen Menge Spiritus oder Ethanol. Es dauert einen halben Tag, bis sich die Flocken völlig gelöst haben. Gelegentliches Schütteln hilft natürlich. Angesetzter Schellack hält sich monatelang in einem luftdichten Gebinde.
- Während der Wartezeit schleifen Sie das Objekt. Gehen Sie bis Körnung 400, bei Maserhölzern sogar bis Körnung 600. Achten Sie auf frisches Papier und verwenden Sie nur wenig Druck. Auch wenn Ihr Schellack kein Wasser enthält und die Holzfasern aufstellt, sollten Sie das Werkstück vor dem finalen Schliff einmal wässern.
- Stellen Sie den Schellack sehr flüssig ein. Nur so lässt er sich reibungslos auftragen. Also nachträglich ruhig noch etwas Lösemittel hinzugeben.
- Tragen Sie die erste Schicht mit einem fusselfreien Lappen auf. Weil die Mischung fast so flüssig wie Wasser ist, trocknet sie sehr schnell. Spätestens nach einer Viertelstunde können Sie eine zweite Schicht hinzufügen.
- Greifen Sie jetzt zu Nass-Schleifpapier mit Körnung 1000 und schleifen Sie mit einigen Tropfen Lösemitteln das ganze Objekt fein nach. Danach folgt die letzte Schicht Schellack – oder noch weitere, ganz, wie Sie mögen.
- Reiben Sie alle Flächen noch mit sehr feiner Stahlwolle (Sorte „0000“) ab. Eine leichte Schicht Wachs vollendet die Behandlung.
Foto: Christian Filies
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3 Kommentare
Schöner, mutmachender Artikel, danke!
Nur eine Frage: Heißt es nicht, jede Schicht Schellack solle einen Tag lang Zeit haben durchzutrocknen? Im Artikel heißt es jedoch, die zweite Schicht könne „spätestens nach einer Viertelstunde“ aufgetragen werden, und im restlichen Text ist nirgends von einer Ruhe-/Trocknungszeit die Rede. Ich fände eine Angabe dazu hilfreich.
Besten Gruß
Die lange Trocknungszeit mag für die professionelle Schellackpolitur gelten. Die ist in vielerlei Hinsicht schwierig zu erlernen. Hier wird jedoch nicht poliert, daher kann es wirklich schon nach einer Viertelstunde weitergehen – habe ich schon oft so gemacht!
Vielen Dank für die schnelle Antwort und die beruhigende Auskunft!
Tatsächlich hat mich die recht heikle Prozedur des Polierens bisher von der Anwendung von Schellack abgehalten, werde die hier geschilderte Vorgehensweise bald einfach mal probieren (mehr als schiefgehen kann’s ja nicht, und Üben hat ja noch nie geschadet …)
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