Hier mal eine gute Nachricht: Blau angelaufener Stahl ist nicht das Ende der Welt! Schon klar, es ist ärgerlich: Ein Drechseleisen, ein Stechbeitel oder ein Hobeleisen werden am trockenen, schnell laufenden Schleifbock einen winzigen Moment zu lang angedrückt. Die Temperatur vorne an der Schneide steigt auf 300 Grad und damit zu hoch: Bei Werkzeugstahl bildet sich das harte Martensit zurück, damit sinken Härte und die Standzeit deutlich. Bei HSS-Stahl können sich bei diesen Temperaturen die harten Carbide unkontrolliert aus dem Gefüge lösen – mit ähnlichem Effekt.
Es ist nun aber nicht immer nötig, den ganzen blauen Bereich mühsam wegzuschleifen: Oft kann ein vorne blauer Stechbeitel noch für grobe Arbeiten herhalten. Klar, er stumpft schneller ab, und muss dann früher geschliffen werden. Aber immerhin hat der Stahl dann zuvor noch einen kleinen Dienst erwiesen.
Am besten ist es natürlich, wenn das Ganze erst gar nicht passiert: Machen Sie häufig Pausen und kühlen Sie den Stahl immer wieder für einige Sekunden mit Wasser. Schon wenn er nur „handwarm“ ist, sollte das erfolgen: An der Schneide sind die Temperaturen dann schon viel höher!
Foto: Andreas Duhme
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