Weltraumtechnik an der Bandsäge

Durch Reibung entsteht Wärme und diese führt wiederum zu einer Materialausdehnung. Bei der Bandsäge kann sich dadurch das Sägeblatt längen und der Schnitt verläuft. Sind Keramikführungen die Lösung?

Den unrühmlichen Titel als „Diva der Werkstatt“ trägt die Bandsäge leider noch immer. Für Viele ist die korrekte Einstellung ein Buch mit sieben Siegeln und Bücher/ Videos zu diesem Thema sind heiß begehrt.

Sind die korrekten Einstellungen dann doch zufällig gefunden, fürchtet man sich bereits vor dem nächsten Blattwechsel und dem Verlust der Einstellungen.

Vorweg sei gesagt: Keramikführungen werden oft als noch fummeliger in der Einstellung beschrieben im Vergleich zu Rollenkugellager. Die Hersteller versprechen dafür hohe Spurtreue und geringeren Verschleiß.

Dazu werden die kleinen Keramikblöcke leicht an das Sägeblatt gedrückt. Keramik hat eine sehr geringe Wärmeleitfähigkeit und so entsteht trotz der erhöhten Reibung keine Wärme. Wärme/Hitze kann dazu führen, dass sich das Bandsägeblatt ausdehnt/längt. Somit sinkt die Bandspannung und der Schnitt verläuft. Das erklärt vielleicht auch einigen das Phänomen, weshalb eine beim ersten Schnitt perfekt laufende Bandsäge dann irgendwann doch ein wenig Spurtreue verliert.

Darum wird bei Rollenkugellagern auch ein Abstand zum Sägeblatt von einem 1/10 mm empfohlen. Die Keramikführungen dürfen das Sägeblatt leicht berühren. Dadurch ergibt sich eine noch bessere Führung und als kleiner Nebeneffekt werden Staub/Harz am Sägeblatt abgeschabt. Bei Rollenkugellagern wird dieses tendenziell eher noch weiter am Sägeblatt verdichtet.

Im Prinzip eine simple Einstellung: Die Führung wird gefühlvoll an das Sägeblatt geführt.
Die obere Führung gleicht der unteren: Die vier Keramikblöcke an den Enden der “C´s” liegen nun leicht am Sägeblatt an.

Auch wenn die Einstellung zunächst simpel klingt, es braucht doch ein wenig Fingerspitzengefühl. Zwischen einer leichten Berührung und dem Verschieben des Sägeblattes liegt oft nicht viel.

Alternativ kann auch wie von anderen Führungen gewohnt ein geringer Abstand gelassen werden. Das sorgt immer noch für eine ausreichende Führung, schmälert aber bereits das Potential dieser Variante.

Ich arbeite in regelmäßigen Abständen an der Bandsäge eines Freundes und bin immer wieder von der Laufruhe dieses Systems überrascht. Auch die Spurtreue ist, wie vom Hersteller versprochen, positiv bemerkbar.

Allerdings genieße ich dabei auch zwei große Vorteile: Ich muss die Maschine nicht einstellen und der Mehrpreis von 300 bis 400 Euro ist auch das Problem des Besitzers.

Den möglichen Vorteil dieses Systems sehe ich vor allem beim Auftrennen von Bohlen. Der Vorschub ist dabei gering und je nach Faserverlauf kann es zu einer hohen Reibung an der Führung kommen. Ein Schnittverlauf wäre dabei mehr als ärgerlich.

Wer die Bandsäge regelmäßig mit solchen Arbeiten quält, könnte einen Vorteil wahrnehmen. Bei den ansonsten üblichen Querschnitten überwiegen dann meiner Meinung nach die oben genannten Nachteile.

Wer seine Bandsäge optimieren möchte, sollte sich daher vor allem einer sorgfältigen Einstellung widmen und in eine Auswahl an passenden Sägeblättern investieren.

Redaktionelle Anmerkung: Wer sich hier richtig in das Thema einlesen möchte, um auch wirklich jeder Herausforderung an der Bandsäge begegnen zu können, sollte Guido Henns Buch „Stationärmaschinen Bandsäge“ in der Werkstatt in Griffweite haben.

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Kommentare

Karsten Stielow 28.10.2022

Das Problem der Keramikführungen ist, dass sie bei einer falschen mechanischen Belastung (Grat oder verbogener Zahn) sofort ausbrechen. Zum Zweiten verursachen sie beim Sägen oftmals einen wahren Funkenregen der es hoffentlich nicht bis in die Absaugung schafft ...

04.11.2022

Zitat: "Keramik hat eine sehr geringe Wärmeleitfähigkeit und so entsteht trotz der erhöhten Reibung keine Wärme." Da hat sich Dominik sehr schlecht ausgedrückt. Physikalisch ist es nicht möglich mit mehr Reibung weniger Wärme zu erzeugen! Wahrscheinlich wollte er schreiben dass der Keramikeinsatz nicht warm wird weil er eine niedrige Wärmeleitfähigkeit (Isolator) besitzt. Das Sägeband muss bei erhöhter Reibung wärmer werden da führt kein Weg dran vorbei. Bleibt es kälter ist die Reibung geringer und nicht höher. Den von Karsten angesprochenen Funkenregen habe ich auch schon bei einer Keramikführung beobachtet. In meinem Fall kamen die Funken von der "rauen" Rückseite des Bandes. Nach einer Glättung der Rückseite mit z.B. Schleifleinen bei ausgeschalteter Maschine reduzierte sich der Funkenregen sehr deutlich.

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