Blog Dominik Ricker

Schimmelbefall von Möbeln – Taupunkt und der richtige Aufstellort

4.2 / 5. 5

In einem vergangenen Blogbeitrag habe ich bereits auf die Problematik von Schimmelbefall bei Möbeln aufmerksam gemacht.
Dieser Beitrag soll noch ein wenig mehr in die Tiefe gehen und ein grundsätzliches Verständnis zum Taupunkt schaffen.
Vor allem flächige Möbel wie Kleiderschränke und Küchen können schnell von dieser Problematik betroffen sein.
Tau ist eine andere Bezeichnung für Kondenswasser. Dieses entsteht, wenn warme Luft auf eine kalte Oberfläche trifft und abkühlt.
Ein typisches Beispiel ist das Trinkglas im Sommer: Die kalte Limonade kühlt das Glas (kalte Oberfläche).
Die warme Luft trifft auf das Glas, kühlt sich ab und es bildet sich Kondenswasser am Glas.
Dieses „Phänomen“ kennen wir auch von Fensterscheiben nach dem Duschen oder im Winter, wenn geheizt wird.
Woher kommt aber das Wasser im Kondenswasser? Wenig überraschend ist es in der Umgebungsluft gespeichert.
Bei 10°C sind es maximal ca. 10g Wasser pro Kubikmeter Luft. 
Bei 20°C sind es maximal ca. 20g Wasser pro Kubikmeter Luft. 
Bei 30°C sind es maximal ca. 30g Wasser pro Kubikmeter Luft.
Aus diesen Werten lässt sich ableiten, dass warme Luft deutlich mehr Wasser speichern kann als kalte Luft.
Am kalten Glas kühlt die Luft in kurzer Zeit ab und das Wasser, welches nicht mehr in der Luft gespeichert werden kann, setzt sich ab.
Die vorherigen Werte waren die maximale Speicherkapazität, dementsprechend bei 100% Luftfeuchtigkeit.
Üblich in unserer Region sind durchschnittlich eher 50% relative Luftfeuchtigkeit. 
Dadurch entsteht auch erst bei deutlichen Temperaturunterschieden Kondenswasser.


Trifft kalte auf warme Luft, dann bildet sich Tau - ob an der Glasscheibe oder Hauswand.

 

Was hat das nun aber mit Holz, Möbeln und Schimmel zu tun?
Auch wenn Möbel ortsunabhängig aufgestellt werden können, empfehle ich immer sie im Kontext zu betrachten:
Dunkle Möbel aus Nussbaum sollten bspw. eher in lichtstarken Umgebungen stehen, zu viele Kontraste können für Unruhe sorgen und
Fussboden und Schrank in der gleichen Holzart für verzerrte Perspektiven.
Neben der Interaktion (ist am Aufstellort das Möbel ebenfalls so zugänglich wie in der Werkstatt) ist eben auch die Bauphysik zu berücksichtigen.
Im Badezimmer herrscht durchschnittlich eine höhere Luftfeuchtigkeit, dementsprechend quillt Massivholz hier eher auf.
Ganz im Gegensatz übrigens zu den übrigen Räumen: Wer in einer ungekämmten und ungeheizten Werkstatt arbeitet, der wird sich eher auf schwindendes Holz einstellen müssen.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen Außenwände, die je nach Dämmung zu einem Problem werden können.
Das Beispiel mit dem Limonadenglas lässt sich nämlich auch auf eine Hauswand übertragen:
Im Sommer besteht kein Grund zur Besorgnis, zwischen warmer Luft im Außenbereich und warmer Luft im Innenbereich besteht keine Temperaturdifferenz.
Im Winter dagegen schon: Die kalte Außenluft kühlt das Mauerwerk aus (ähnlich wie die kalte Limonade das Wasserglas) und trifft auf die warme Heizungsluft. Auch wenn wir es besser wissen, bleiben die Fenster im Winter häufig geschlossen, es wird wenig gelüftet. 
Mit jedem Ausatmen und Wasser kochen bildet sich jedoch auch (in der vermeintlich so trocken wahrgenommenen) Heizungsluft zunehmend mehr Feuchtigkeit.
Trifft diese nun auf das kalte Mauerwerk bildet sich Kondenswasser.
Grundsätzlich wäre das kein Problem, solange die warme Wohnungsluft weiterhin an dieser Wand zirkulieren kann und für einen Feuchtigkeitsaustausch sorgen kann.
Problematisch wird es dagegen, wenn keine Zirkulation mehr stattfindet: 
Die ausgefallene Feuchtigkeit wird durch die Umgebungsluft weiterhin gewärmt und bildet nun die ideale Umgebung für Schimmel.


Außenwand, kein Abstand und keine Zirkulation: Nach einer Heizperiode ist bereits Schimmel entstanden.

Sitzt, wackelt und nicht und es zirkuliert auch keine Luft: Moderne Schimmelgefahr!

Wohin mit der Feuchtigkeit?
Feuchtigkeit hat einen schlechten Ruf, darum versucht man sowohl im Haus- wie auch im Möbelbau zunehmend alles, um diese auszuschließen. In modernen Häusern geschieht dies durch Folien, die Feuchtigkeit ausschliessen und bei Plattenwerkstoffen geschieht dies ebenfalls durch Folien/Lacke.
Dabei Massivholz ohne Probleme Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben. Wir müssen nur dafür sorgen, dass es das ungehindert kann: Bspw. durch diffusionsoffene Oberflächenbehandlung wie Öl statt Lack und werkstoffgerechte Konstruktionen wie Gratleiste und Nutklötze. 
Diffusionsoffene Wände könnten ebenfalls Feuchtigkeit auf- und abgeben, sind aber in den meisten Häusern nicht vorhanden.
Am häufigsten ist der Schimmelbefall daher in dem Raum vorzufinden, der am „dichtesten“ ausgebaut wird: Das Badezimmer.
Was die Mauer nicht kann, muss daher die Raumluft übernehmen. Bei Schränken kann sie das aber auch nur, wenn zur Wand hin mindestens 2.5cm, idealerweise aber 5cm Abstand bestehen.
Moderne Lösungen drücken ihre Qualität meist mit einer vollständigen Integration in den bestehenden Raum aus.
Mit anderen Worten: Fugen haben schon fast den Stellenwert schlechter Arbeit, es muss alles möglichst nahtlos und integriert aussehen.
Freistehende Schränke mit vier Beinen können einfach von der Wand abgerückt werden, bei Einbauschränken wird dagegen auf
umlaufende Abschlussleisten gesetzt. Für den vermeintlich perfekten Wandanschluss wird dann noch eine Acrylnaht gezogen.
Man ahnt es: Da wird keine Luft mehr zirkulieren.
An Außenwänden ist dieses Vorgehen daher Tabu.
Eine deutliche Schattenfuge zu Decke und Boden ist bereits eine gute Idee, idealerweise fräst man jedoch Lüftungsschlitze ein bzw. nutzt vorhandene Lüftungsgitter.

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