Lehmputz wird seit Jahrtausenden in vielen Ländern dieser Welt verwendet.
Regionale Verfügbarkeit, einfach anzuwenden und auszubessern – in Kombination mit Holz dazu auch sehr ansehnlich und aus dem Fachwerk bekannt.
Um für eine anstehende Sanierung ein Gefühl für dieses Material zu bekommen, habe ich an einem kostenlosen Workshop teilgenommen. Wie sich dieser finanziert, während uns ein erfahrener Putzer einen halben Tag geduldig alle Fragen beantwortet?
Wir waren vor Ort auf einer richtigen Baustelle. Die Bauherren haben zusammen mit einem lokalen Baustoffhändler einen Tag der offenen Tür veranstaltet. Ein sehr interessantes Konzept, welches viel Spaß bereitet hat.
Solche Veranstaltungen finden in unregelmäßigen Abständen deutschlandweit statt.
Materialauswahl
Der in Bigbags angelieferte Lehm kann in verschiedenen Mischungen geordert werden.
Als Basis dient bei den meisten Wänden ein sogenannter Unterputz. Dieser enthält unter anderem einen höheren Strohanteil,
der als Armierung dient und somit eine höhere innere Festigkeit bietet.
Zur Auswahl steht zudem „trocken“ oder „erdfeucht“:
Empfohlen wird erdfeucht, da dieser günstiger ist. Wesentlicher Nachteil ist die eingeschränkte Lagerfähigkeit bei kalten Temperaturen bzw. Frost.

Lehm, Schluff und Stroh - der grobe Unterputz
Anmischen
Ab einer Fläche von über 100qm^2 werden Putzmaschinen empfohlen: Der Lehm wird in einen großen Mischer geschaufelt,
mit Wasser vermengt und durch einen Schlauch gefördert. Angenehm in der Anwendung, allerdings auch mit höheren (Miet-)Kosten verbunden. Zudem sind für den Betrieb zwei Personen erforderlich.
Günstiger, weniger Fehleranfällig und alleine zu bedienen ist der Putzwerfer: Angeschlossen an einen Kompressor wird ähnlich wie bei einer Lackierpistole der Lehm auf die Wand gespritzt. Zum Befüllen wird der Trichter auf dem Putzwerfer immer wieder in einen Bottich mit angerührtem Lehm getaucht und aufgetragen.
Die Bottiche, Tuppen oder Kübel werden am Vortag in der angedachten Menge mit Wasser angerührt.


Auftragen
Zunächst wird die Wand großzügig gewässert, damit die Verankerung an der Oberfläche nicht durch Staub gestört wird und der Lehm nicht zu schnell austrocknet. Die Putzstärke beträgt üblicherweise ca. 15mm, sofern erforderlich sind sogar bis 30mm möglich. Der Aufbau erfolgte bei 15mm in zwei Durchgängen, zwischen denen die Oberfläche mit einer Kartätsche (Abziehlatte)
geebnet wurde. Wichtig zu beachten: Bei großen Flächen und warmen Temperaturen kann der Lehm schon angetrocknet sein.
Daher lieber die Wand in kleine Flächen aufteilen und ggf. nachwässern.
Putzträger
In die noch feuchte Oberfläche muss nun ein Armierungsgewebe eingearbeitet werden.
Dieses besteht entweder aus Jute oder Glasfaser. In unserem privaten Gebäude und der Ausführung in Eigenregie werden wir Jutegewebe verwenden. Jute ist jedoch wesentlich flexibler als Glasfaser und kann daher eventuelle Rissbildungen in Heizperioden mit sich bringen. Gewerblich wird daher nur Glasfaser verwendet.
Die Einarbeitung ist dabei gleich: Das Gewebe wird auf den Putz gelegt und mit der Zahnkelle in den Lehm gedrückt. Eine dünne Lehmschicht lässt die Armierung dann optisch verschwinden.



Warten bis zum Oberputz
Auch wenn der Putz oberflächlich schnell trocknet, braucht es nun einige Wochen Trocknungszeit.
Danach wird zunächst mit einem Putzhobel die Oberfläche geglättet. Finger weg vom teuren Veritas No.4!
Gemeint ist damit ein Stahlgitter mit Griff, Gitterrabot genannt.
Nach erneutem Wässern wird der Oberputz aufgetragen. Dieser ist wesentlich feiner als der Unterputz und hat auch nur eine Schichstärke von ca. 6mm.

Designerputz, Kalkputz und Texturen
Sichtbeton ist modern, warum nicht auch Sichtlehm?! Wer möchte, kann mit einer Kaseingrundierung die Oberfläche noch versiegeln, um sie ein wenig unempfindlicher Gegenüber Wasser zu machen. Falls doch mal Wasser an die Lehmwand spritzen sollte: Einfach trocknen lassen.
Für etwas mehr Farbe werden Designerputze (sehr feiner, durchgefärbter Putz) angeboten, ebenso wie Lehmfarbe.
Im Außenbereich ist vor allem von Fachwerkhäusern der weiße Kalkputz bekannt. Dieser schützt vor Niederschlag und kann durch Farbpigmente ebenfalls eingefärbt werden.
Wie bei allen Putzarbeiten kann auch bei Lehm die Oberfläche mit verschiedenen Techniken texturiert werden, mit einer Behandlung aus Casein und Bienenwachs/Carnaubawachs können sogar glänzende Oberflächen poliert werden.
Hier schließt sich der Kreis zur Holzbearbeitung und vielleicht ergibt sich für euch die Inspirationen, zukünftig diese beiden Werkstoffe miteinander zu kombinieren. Vor ein paar Jahren habe ich dies bei einem kleinen Fachwerkmöbel umgesetzt.

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Eine Antwort auf “Bekannt aus dem Fachwerk – Lehmputz und seine Verarbeitung”
Mahlzeit. Magst du mitteilen wie du zu dem Lehrgang gefunden hast?
Ich spiele schon länger mit dem Gedanken an einen solchen Lehrgang, habe aber bisher nur ‚kostenintensive‘ WochenendKurse in der bayrischen Pampa an Testwänden in einer Scheune gefunden.
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