Die Säbelsäge (auch unter dem Namen Reciprosäge oder Tigersäge zu finden) ist zugegeben nicht die richtige Wahl für feine Zinkenverbindungen.
Abgesehen von der Handhabung, die wenig präzise ist, sorgen auch die langen und groben Sägeblätter für wenig Spurtreue und deutliche Ausrisse.
Mit dem Wissen, was mit dieser Säge nicht möglich ist, kann man sich nun mit Freude an all ihre Möglichkeiten wagen.

Der gummierte Griff erlaubt kräftiges Zupacken, mit der SDS-Aufnahme lassen sich Sägeblätter schnell wechseln
Auftrennen und Ablängen
Mein Kollege Stefan Benner zeigt in HolzWerken Ausgabe 123 ausführlich, wie mit der Kettensäge Baumstämme/Hölzer für die Bearbeitung mit der Drechselbank vorbereitet werden. In kleineren Dimensionen lässt sich das auch mit der Säbelsäge umsetzen.
Die Handhabung ist dabei noch ein wenig unkomplizierter, es wird kein Öl für die Schmierung benötigt, Kettespannen entfällt und auch wenn es nicht ganz so nachhaltig ist: Stumpfe Sägeblätter können dank Schnellwechselsystem in Sekunden getauscht werden.
Durch die Hubbewegung (wie sie von der Stichsäge bekannt ist) müssen die Werkstücke gut fixiert werden. Andernfalls schiebt man das Werkstück lediglich vor und zurück – besonders deutlich wird dies beim Entfernen dünner Äste, die sich rhythmisch der Hubbewegung anpassen, statt sich zertrennen zu lassen.
Beim Ablängen von Bohlen und Balken ist die Säbelsäge dann in ihrer Komfortzone:
Mühelos und schnell rattert das Sägeblatt durch das Material.
Besonders häufig habe ich die Säbelsäge bei der Fenstermontage verwendet, bzw. bei der Demontage bestehender Fenster. Laibung und Blendrahmen werden mittig eingesägt und lassen sich dann meist mühelos zusammenklappen. Gleiches Gilt für Türrahmen.
Bei einer aktuellen Sanierung habe ich mit Freude alte Dachbalken mit 200x100mm Querschnitt mühelos zertrennt (unter Berücksichtigung der Statik selbstverständlich).
Stahl und Gartenarbeit
Statt wie üblich mit dem Winkelschleifer, Funkenflug und lautem Gekreische kann auch die Säbelsäge zum Durchtrennen von Stahl verwendet werden. Wie auch bei der Stichsäge braucht es hier lediglich die passenden Sägeblätter. So lassen sich auch die alten Zaunpfosten mit 3mm Wandstärke in kurzer Zeit zerlegen.
Allerdings war nach sechs dieser Pfosten das Sägeblatt dann auch stumpf und ist mit <10€ deutlich teurer, als eine neue Scheibe für den Winkelschleifer.
Beim Entasten ist die Säbelsäge ebenfalls praktisch, wenn man nah am Stamm abtrennt, vermeidet man auch das bereits genannte Problem der Hubbewegung.

Mit dem richtigen Sägeblatt können auch Stahlrohre schnell zertrennt werden.
Kabel oder Akku und ein kleines Fazit
Meine Haltung gegenüber Akkugeräten fällt in der Regel sehr kritisch aus:
Kosten, Akkumanagement, Leistungsverlust und fragwürdiger Ökologie sind eigentlich der Grund, warum ich kein großer Fan von akkubetriebenden Maschinen in der Werkstatt bin. Im mobilen Einsatz ist der Akku dagegen meist ein wahrer Segen. Im Falle der Säbelsäge war ich sehr unschlüssig, habe mich für die Kabelvariante entschieden – und es bereits 10 Minuten nach Kauf bereut. Wenn man auf der Leiter steht und sich beim Schnitt darauf konzentrieren muss, nicht in das Kabel zu sägen oder daran hängenzubleiben, ist das schon sehr ungemütlich. Die ausgerollte Kabeltrommel hat um Haaresbreite bis zum Einsatzort gereicht und im Haus ohne Strom musste dann tatsächlich der Fuchsschwanz bemüht werden.
Da man in der Regel nur kurze Schnitte macht, hält sich der Akkuverbrauch in Grenzen.
Im Gegensatz zur Tauchsäge reicht bei den Säbelsägen auch meist ein 18V-Akku. Eine Säbelsäge würde ich daher nie wieder mit Kabel kaufen – so schwer mir diese Worte auch über die Finger gehen.
Wer gerne im Garten arbeitet und einen universellen Helfer für sämtliche Materialien und Querschnitte sucht, findet mit der Säbelsäge eine treue Begleiterin. Die Preise sind überschaubar, die Anwendung vielseitig. Im feinen Möbelbau ist sie Fehl am Platz, zum Ablängen von Bohlen ist eine gute Stichsäge mit grobem Sägeblatt wesentlich vielseitiger und daher die deutlich bessere Investition.
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