Der portugiesische Hersteller Investwood hat mit seinem Produkt Valchromat eine Art MDF entwickelt, die nicht nur auf Grund der großen Farbauswahl in kurzer Zeit beliebt geworden ist.
Durchgefärbtes MDF findet man bspw. auch von der Firma Glunz als Innovus Coloured MDF oder von Finsa als Fibracolour.
Valchromat verspricht darüber hinaus im Vergleich zu MDF 30% mehr Stabilität, feuchtigkeitsabweisend, werkzeugschonender und „wie Massivholz zu verarbeiten“.
Am auffälligsten ist zunächst das Plattenformat:
Statt den üblichen 2800mm x 2070mm Plattengröße, sind hier 2.440mm x 1830mm der Standard.
Bei einer Dichte von 600kg/m³ bei herkömmlichen MDF und 780kg/m³ bei Valchromat ergibt sich so übrigens ein ähnliches Gesamtgewicht.
Die höhere Dichte ergibt sich durch ein spezielles Harz, einem vermutlich höheren Kleberanteil und größeren Verdichtung (trotz Intensiver Recherche konnte ich diesbezüglich keine weiteren Angaben finden).
Bei der Verarbeitung ist Valchromat dann auch tatsächlich auffallend homogen:
Keine Fransen/Härchen bei Nuten, Falz oder Schnittkanten.
Gefaste und geschliffene Schmalflächen wirken nach dem ölen wie aus einem Guss. Das Material ist abriebfester und eignet sich daher auch in meinem Fall gut als Laufschiene, ohne dass ich hier Hartholz einlegen musste.
Ein gutes Beispiel für den homogeneren Aufbau zeigt die Bruchstelle auf diesem Foto:




Das perfekte Material?
Im Vergleich zur aufwendigen (man bedenke allein das Fillern der Kanten) und fehleranfälligen Farblackierung kann hier in kürzerer Zeit, für meist weniger Geld, der Kundschaft ein farblich ansprechendes Material angeboten werden.
Auch aufwendig gefräste Oberflächen lassen sich mit diesem Material hervorragend umsetzen. Spätestens jetzt erinnert es mich an meineTätigkeit im Prototypenbau: Dort wird viel mit Polyurethan-Blockmaterial gearbeitet, üblicherweise mit einer 700er Dichte. Valchromat ist diesem Material in der Verarbeitung sehr ähnlich.
Auch wenn es zu einem wesentlichen Teil aus recyceltem Holz besteht, fehlt mir die Optik und Haptik von Massivholz.
Als Verfechter von plastikfreien/metallfreien Möbeln musste ich mir während der Verarbeitung daher auch immer wieder auf die Zunge beißen wenn ich dachte „Macht schon Spaß, damit zu arbeiten“.
Die Staubentwicklung ähnelt der von MDF, durch die farbigen Partikel zeigt sich der Staub jedoch wesentlich auffälliger.
In meinem Fall ein deutlicher Indikator vor allem die Absaugung meiner Oberfräse mal wieder zu überarbeiten.
Fazit
Gewerblich findet Valchromat vor allem bei großen Flächen wie Schrankfronten Verwendung. Auch wenn der Qm-Preis ca. vier mal so hoch wie bei rohem MDF ist, spart man im weiteren Arbeitsprozess wohl wieder genug Geld ein.
Bei der Anwendung in der Hobbywerkstatt ist es im Vergleich zu teuren Belägen wie Linoleum oder den meist eher frustrierenden und nicht minder günstigeren Lackierversuchen eine gute Möglichkeit, ein wenig mehr Farbe in seine Möbel zu bringen. Inspiration findet man hier bei Gesellen- und Meisterstücken: Als Schubkastenfront, dezenter eingesetzt als Regalboden oder bei Oberflächen, die häufiger mit Feuchtigkeit in Berührung kommen.
Getreu dem Motto „weniger ist mehr“ rate ich wie so häufig zum bewussten und dezenten Einsatz von solch auffälligen Eyecatchern: Große, farbige Flächen können nach kurzer Zeit schnell ihren Reiz verlieren.
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2 Kommentare
Guten Tag Dominik. Ich wollte zwar die bestehenden Küchenfronten wieder neu lackieren, nachdem ich nun aber den Kostenvoranschlag erhalten habe, wäre das evt. eine interessante Alternative. Meine Frage dazu: wären Hartöl, Hartwachsöl geeignet für den Oberflächenschutz?
SG, Wolfgang
Ich für meinen Frästisch schwarz eingefärbtes MDF benutzt und mit Hartwachsöl behandelt. Mit dem Ergebnis bin ich allerdings nicht super zufrieden. Meine Frage ist daher die folgende: Wieviele Lagen an Hartwachsöl sind notwendig bis die Oberfläche robust und ansehnlich wird. Ich bin bis dato bei 3 mal einlassen. Benötigt man jedes Mal einen Zwischenschliff?
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