Stumpf geleimt und genagelt – Die japanische Werkzeugkiste

Quaderförmig, praktisch, gut – entgegen den aufwendigen Holzverbindungen sind die japanischen Werkzeugkisten sehr einfach herzustellen und in kleinerer Ausführung auch eine aufregende Geschenkkiste. Nur Mut, auch Unerfahrenen wird dieses Projekt auf Anhieb gelingen.

Mit der japanischen Holzbearbeitung assoziieren manche vor allem aufwendige Verbindungen, die in absoluter Präzision angefertigt werden. Seitdem ich das Buch „Die Werkzeuge des japanischen Schreiners“ von Toshio Odate gelesen habe, wurde mir jedoch vor allem die pragmatische Denkweise sympathisch.

Statt aufwendigen Fingerzinken und eingenutetem Boden wird die Werkzeugkiste oft einfach nur zusammengenagelt. 

In weniger als einer Stunde lässt sich so eine wirklich praktische Werkzeugkiste bauen, die vielleicht auch als nette Geschenkbox für einen guten Whisk(e)y genutzt werden kann.

Benötigtes Material:

Ich habe mich für das Holz Paulownia entschieden. Dieses schnell wachsende Holz wird auch gerne im japanischen Möbelbau verwendet, ist einfach zu bearbeiten und sehr leicht. Zudem quillt/schwindet es kaum, was den Bau dieser Kiste zusätzlich vereinfacht. Im Baumarkt gibt es Paulownia als 18 mm Leimholzplatte. Für den Bau dieser Kiste mit den Außenmaßen 800 x 200 x 200 mm habe ich drei Platten (800 x 400 mm) benötigt und insgesamt 38 Euro bezahlt. Die Nägel bzw. Drahtstifte sind 60 mm lang für den Korbusbau bzw. 35 mm für die Griffe im Deckel. Zum Verleimen habe ich fertig gemischten Hautleim genommen, üblicher Weißleim funktioniert selbstverständlich auch.

Leim angeben und dann in abwechselndem Winkel nageln.
Der Korpus ist fertig. Die Wangen sind 20 mm eingerückt. Nun werden die Angriffe angenagelt.
Der Deckel wird eingelegt und bis an das Ende der Kiste geschoben. An der Markierung wird abgelängt.
Nun wird die erste Begrenzung befestigt. Zur Erklärung: Der Überstand verhindert ein Herabfallen des Deckels.
Auf der gegenüberliegenden Seite wird eine einseitige Gratung angefertigt (rechts im Bild) mit einem dazu passenden Keil.
Mit einem Kugelschreiber und etwas Druck kann man Muster auf das Holz durchdrücken.
Die fertige Kiste mit dem Schrifzug „Harmonie“.

Zur Erklärung: Zum Öffnen wird der Keil entfernt, der Deckel zur Seite geschoben und entfernt. Die beiden Begrenzungen des Deckels habe ich zunächst nur provisorisch fixiert und erst nach dem Einpassen mit Leim fixiert.

Viel Spaß beim Nachbau.

Wissen. Planen. Machen. Das ist das Motto der Zeitschrift HolzWerken, dem Magazin für den Holzwerker.
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Kommentare

Kai R. 25.09.2022

Hallo Herr Ricker, Sie greifen ein Thema aus Holzwerken Januar/Februar 2010 wieder auf, finde ich gut. Nicht aus Vollholz, sondern aus Multiplex habe ich im Dezember 2013 Kisten in diesem Stil gebaut und im Forum "Woodworking" (http://www.woodworking.de/viewtopic.php?p=75101&hilit=Japainer#p75101) dokumentiert. Vielleicht eine für manchen Leser interessante Ergänzung Viele Grüße

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