Holz versiegeln mit Naturprodukten

Ein ganz einfaches Rezept schützt vor Trocknungsrissen

Holztrocknung ist ein Thema für sich. Ich habe viele Rückschläge erfahren müssen um zu verstehen, dass es eigentlich ganz einfach ist: Je langsamer und gleichmäßiger das Holz trocknet, desto geringer ist die Rissgefahr. Neben dem Standort und dem korrekten Stapeln der Bretter gibt es einen entscheidenden Faktor, der das gleichmäßige Trocknen erschwert: Das Stirnholz.Bei frisch gefällten Bäumen kann man beobachten, wie genau hier das Wasser herausläuft.So verhält es sich auch beim Trocknen: Der Feuchtigkeitsverlust ist im Vergleich zu den Flächen an den Stirnholzenden so hoch, dass es schnell zu einem Schwinden kommt. Das verursacht Spannungen im Holz und führt zu Rissen.

Ärgerlich: Diese Schale aus Eschenholz wurde nicht versiegelt. Zudem wurde der Kern nicht herausgetrennt, was unweigerlich zu einem Riss führt.
Bei 4 Meter Bohlenlänge werden diese Risse in der Regel beidseitig 20-30cm lang. Das ist in der Regel als Verschnitt mit einkalkuliert. Besäumte Ware, vor allem Importholz, ist an den Stirnholzenden dagegen meist farbig und weitestgehend rissfrei. Auch bei kleinen Stammabschnitte und Schalen ist ein Versiegeln zu empfehlen, denn dort sind Risse meist ein Kapitalschaden.
Der beliebte Klassiker: Anchorseal (hier Version 2 aus natürlichen Wachsen).

Das Versiegeln der Stirnholzenden blockiert an dieser Stelle den Feuchtigkeitsaustausch mit der Umgebungsluft. So trocknet das Holz nun einheitlicher über die gesamte Fläche. Da es dabei jedoch immer noch schwindet, muss das Material zur Versiegelung flexibel sein. Die günstigste Variante ist daher oft Lack. Er besitzt genug Flexibilität um Bewegungen auszugleichen und wirkt durch den hohen Kunststoffanteil als Sperre.
Auch Weißleim wird häufig eingesetzt und ist vor allem bei Drechslern sehr beliebt.
Mir hat die Vorstellung nie gefallen, Holz mit Kunststoff zu benetzen.
Daher habe ich mich nach Alternativen umgesehen. Bei den Produkten zur Holzversiegelung ist Anchorseal seit Jahren erprobt und liefert gute Ergebnisse. Die „Version 2“ besteht nur aus natürlichen Wachsen, lässt sich leicht mit dem Pinsel oder Tuch auftragen und ist preislich günstiger als Weißleim.

Selbstgemachte Versiegelung – damit man auch weiß, was drin ist 🙂

Meine selbstgemachte Versiegelung besteht aus Rapswachs (ein sehr günstiges Wachsprodukt mit niedrigem Schmelzpunkt) Leinöl und Essig-Essenz. Das Wachs versiegelt, ist aber nicht flexibel genug, um die Dimensionsänderungen auszugleichen und würde abplatzen. Daher wird das Wachs erwärmt und mit 20-30% Leinöl/Sonnenblumenöl vermischt. Die Zugabe von 5% Essig-Essenz wirkt antibakteriell, um Schimmelbildung vorzubeugen.

Das Produkte sollte sich im abgekühlten Zustand gut verstreichen lassen, die Konsistenz ist dann vergleichbar mit Margarine. Andernfalls noch etwas mehr Öl zugeben.
Nun können bereits frei gefällte Abschnitte versiegelt werden. Nach den ersten 2-3 Wochen kontrolliere ich meist noch einmal den Auftrag und pinsel ggf. noch einmal nach.

Verformt, aber rissfrei. Dieser Rohling wird bald eine schöne Schale.
Übrigens: Weitere Informationen zum Trocknen folgen in den kommenden Beiträgen oder in diesem sehr umfangreichen, aber leicht verständlichen Buch “Holz trocknen und lagern” von Alan Holtham.

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