Schrank mit einer Art-Deco-Ofenklappe

Vor 2 Jahren entdeckte meine Frau eine Art-Deco-Ofenklappe, die ursprünglich die Front eines Kachelofens geziert haben mag. Mir gefiel sie auch sehr gut, zumal ich gleich eine Idee hatte, wo sie erneut die Blicke auf sich ziehen könnte. Der Stellplatz für das geplante Möbel war vorgeben und damit die Größe des Schrankes weitgehend festgelegt. Das Möbelstück ist nahezu komplett aus massiver Eiche gefertigt. Die seitlichen Rahmen sind genutet und mit losen Federn verbunden, so dass das Holz in Zukunft noch Spiel zum Arbeiten hat. Der Sockel springt um 2 cm zurück, die Seitenteile stehen so statisch gut gesichert, sie sind mit dem Sockel mit Minifix-Korpusverbindern fixiert, ebenso der Deckel. Die Ofenklappe wird von einem umlaufenden Rahmen gehalten, der rechts und links mit einem zusätzlichen Boden auch die Führungen der kleinen Läden aufnimmt. Da es hier auf einen passgenauen Sitz ankam – alle Fronten sind innenliegend, man kann nichts kaschieren – liegt dieser Rahmen auf stabilen Aluwinkeln auf, die sich leicht mit ein paar Schrauben im Rahmen exakt montieren ließen. Die beiden großen Schubläden sind aus Buche und mit Zinken verbunden, die vier kleineren aus Sperrholz und auf Gehrung verleimt. Die Höhe der Kästen wurde vom Maß senkrecht stehender CDs bestimmt, jede Lade nimmt spielend über 100 Silberscheiben im Jewelcase auf. Die großen Schubläden laufen auf Movento-Tip-on Auszügen. Da die vier kleinen Schubläden nicht genug Platz für diese Beschläge haben, musste ich auf Touch to-open-Kugelauszüge ausweichen (ich kann nichts für diese englischen Namen, bestellt im übrigen bei www.beschlaege-online.de), die ich liegend montiert habe. Natürlich öffnen sich auch die Türen per Fingertip, sie sind mit hochgekröpften, gefederten Scharnieren montiert, da sie innenliegend schließen. Der Einsatz dieser Technik machte es möglich, dass die gesamte Front ohne Türgriffe auskommt und die Ofenklappe besonders wirkungsvoll zur Geltung kommt. Die Maserung der Blenden der großen Schubkästen läuft horizontal, die kleinen sind aus jeweils einem Stück gefertigt mit senkrechtem Maserungsverlauf wie auch die Türen, hinter denen auf einer Lochreihe noch ein Einlegeboden auf seinen Einsatz wartet. Alle Blenden und die Rahmen sind im 45°-Winkel gefast, so dass ein leicht räumlicher Charakter der Fronten entsteht. Hinter der Ofenklappe verbergen sich fünf kleine Schubkästen, gezinkt aus Buche mit Eichenfronten, die zwei komplette Bestecksätze aufnehmen. Um möglichst viel Besteck unterbringen zu können, habe ich auf Griffknöpfe verzichtet, stattdessen kann man an 5 bunten Bändern die Kästen, die auf Aluwinkeln gleiten, komplett herausziehen. Die grauen Filzhalterungen für das Besteck stammen aus dem Fachhandel. Der Schrank ist aufgrund seines Materials durchaus gewichtig und standfest, vorsichtshalber habe ich ihn aber noch an der Wand mit Dübel und Schraube fixiert. Eine Lasur mit KALDET farblos (LIVOS) schützt das schöne Stück, die Lasur feuert nur wenig an, unterstreicht aber den Massivholzcharakter ausreichend. Die Arbeitszeit kann ich nur abschätzen, es dürften aber bestimmt mehr als 250 Stunden gewesen sein – ein Profi mit Präzisionsmaschinen wäre bestimmt schneller gewesen. Zum Einsatz kam meine kompakte Schreinereimaschine (Kreissäge, Abrichte und Dickenhobel, Fräse), die Oberfräse nebst Zinkenfräseinrichtung aus dem Hause Festo, die Säulenbohrmaschine und mein Exzenterschleifer. Dass viele Handwerkzeuge und ein Stapel Schleifpapier zum Einsatz kamen, versteht sich von selbst.

Benötigte Zeit

250 Stunden

Verwendetes Werkzeug

  • TK, OF, Fräse, Abrichte, Dickenhobel, Exzenterschleifer

Verwendete Materialien

  • Eiche, Buche, Aluwinkelstangen

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Kommentare

21.10.2020

Hallo Herr Pricking. Ich finde Ihren Schrank sehr schön, vor allem die Proportionen gefallen. Es ist spannend, wenn man ausgehend von einem schönen Teil, etwas größeres Ganzes schafft. Wie in der Geschichte, in der ein Mann einen Knopf fand und sich dazu einen Anzug schneidern ließ…. ;) Mit dieser Art von Wiederverwendung bekommen die Dinge ein neues "Leben" und erfahren die Wertschätzung für die Arbeit aus vergangener Zeit. Ich wünsche Ihnen viel Freude mit diesem einmaligen Möbel. Viele Grüße, J. Seinige

05.11.2020

Vielen Dank für Ihre freundlichen Zeilen! In der Tat, ich freue mich jeden Tag an diesem Möbel, auf das mein Blick vom Esstisch ganz häufig fällt. Jedesmal wenn der Sperrmüll bei uns an der Straße steht, denke ich, was man daraus alles Schönes machen könnte...

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