Wenn’s groß und genau sein soll

Die wenigsten von Ihnen dürften eine Plattensäge oder richtig große Formatkreissäge in der Werkstatt haben. Das geht mir genau so. Und wenn man nicht so toll ausgestattet ist hat man ein Problem, wenn man mehrere gleich große Platten braucht. Zum Beispiel für einen Kleiderschrank.

Auch mit relativ kleinen Tischkreissägen bekommt man den Längsschnitt oft noch recht ordentlich hin, Man kann sich vor und hinter der Säge mit Rollenböcken oder Tischverlängerungen behalfen. Schwieriger wird es aber meist bei den Querschnitten, also beim Ablängen. Das funktioniert bei kleinen Sägen meist nicht so gut und vor allem nicht sonderlich genau.

Wenn man sich aber einmal vor Augen hält, dass ja das absolute Maß nicht immer wichtig ist, sondern die Wiederholgenauigkeit, gibt es durchaus eine einfache Lösung für dieses Problem. Das Fräsen.

Längsschnitte am Parallelanschlag kann man in der Regel auch mit kleinen Tischkreissägen noch gut bewerkstelligen.

Längsschnitte am Parallelanschlag kann man in der Regel auch mit kleinen Tischkreissägen noch gut bewerkstelligen.

Ein Multifunktionstisch erlaubt auch Querschnitte mit hoher Winkeltreue.

Ein Multifunktionstisch erlaubt auch Querschnitte mit hoher Winkeltreue.

Mit der Handkreissäge gelingen auch saubere Schnitte in beschichteten oder furnierten Platten.

Mit der Handkreissäge gelingen auch saubere Schnitte in beschichteten oder furnierten Platten.

Die obere Platte ist die Schablone, die untere wird dazu passend gefräst.

Die obere Platte ist die Schablone, die untere wird dazu passend gefräst.

Zunächst einmal müssen Sie eines der benötigten, großen Teile so genau wie möglich zuschneiden. Das gelingt mit der notwendigen Sorgfalt auch mit der Handkreissäge. Dieses erste und möglichst genaue Teil ist dann die Schablone. Alle weiteren Teile werden mit mindestens fünf Millimetern Aufmaß grob zugeschnitten. Nun spannt man das erste geschnittene Teil (die Schablone) auf ein größer zugeschnittenes Teil. Jetzt kommt die Oberfräse samt Bündigfräser zum Einsatz. Die „Schablone“ wird einfach abgefahren. Das Kugellager des Fräsers tastet das auf das richtige Maß zugeschnittene Teil ab und formatiert das darunterliegende Teil ganz genau.

Ein Bündigfräser mit Wendeplatten und schaftseitigem Kugellager ist nicht nur für diesen Arbeitsgang sinnvoll.

Ein Bündigfräser mit Wendeplatten und schaftseitigem Kugellager ist nicht nur für diesen Arbeitsgang sinnvoll.

So sieht das dann im Detail aus.

So sieht das dann im Detail aus.

Mit einem scharfen Fräser wird die untere Platte ausrissfrei formatiert.

Mit einem scharfen Fräser wird die untere Platte ausrissfrei formatiert.

So kann man auch mit kleinen Maschinen sehr genau, vor allem wiederholgenau arbeiten.

Auf diese Weise habe ich vor einiger Zeit die auf den Bildern zu sehenden Seiten von zwei großen Kleiderschränken gefräst.

Besitzer von großen Sägen werden das natürlich so nie machen wollen. Aber vielleicht ist mein Tipp ja für alle diejenigen unter Ihnen nützlich, die sich mit kleinen Montagesägen oder der Handkreissäge behelfen müssen.

Wissen. Planen. Machen. Das ist das Motto der Zeitschrift HolzWerken, dem Magazin für den Holzwerker.
ab 65,00 
Mehr Erfahren

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

13.02.2018

Hallo Heiko, danke für deinen blog. Jetzt eine kleine Frage: Warum verwendest du hier nicht einen Bündigfräser mit Anlaufring unten? Man könnte die Schablone unten spannen und sogar auf der Hobelbank fräsen. lg Christof

13.02.2018

Hallo Heiko, danke für deinen blog. Jetzt eine kleine Frage: Warum verwendest du hier nicht einen Bündigfräser mit Anlaufring unten? Man könnte die Schablone unten spannen und sogar auf der Hobelbank fräsen. lg Christof

13.02.2018

Hallo Heiko, danke für deinen blog. Jetzt eine kleine Frage: Warum verwendest du hier nicht einen Bündigfräser mit Anlaufring unten? Man könnte die Schablone unten spannen und sogar auf der Hobelbank fräsen. lg Christof

13.02.2018

Ja, die Ungeduld ...

14.02.2018

Hallo Christof, ein Bündigfräser mit Kugellager oben ist wesentlich vielseitiger einsetzbar, als ein Fräser mit Kugellager unten. Man kann ihn benutzen wie einen Nutfräser. Also zum Nuten und Fälzen und für andere Arbeitsgänge. Das Kugellager stört nicht. Vor allem wenn man einen teuren Wendeplattenfräser kauft, möchte man diesen ja möglichst vielseitig nutzen. Das ist also der Grund, warum ich einen Fräser mit obenliegendem Kugelllager benutze. Gruß Heiko

18.02.2018

Hallo Heiko, ein toller Beitrag...mal wieder! Trifft voll meine Lage, denn mit einer GTS10XC kann ich prima schaffen, sehr gute Sägeergebnisse erhalte ich jedoch immer noch mit meiner Mafell 55CC. Ist neben meiner OF mein liebstes Werkzeug :-) Frage: Wenn man mal bei Dir an Kursen teilnimmt, bringt man auch eigenes Werkzeug mit oder wird ausschließlich das aus Deiner Kurswerkstatt verwendet? (Ich weiß, dass Du teils auch unterschiedliche OF hast, damit man mal durchprobieren kann). LG aus Limburg, Stephan

18.02.2018

Hallo Stephan, in der Regel arbeiten wir in den Kursen mit meinen Maschinen und Werkzeugen. Bei Handwerkzeugkursen und dem Oberfräsenkurs kommt es aber doch öfter vor, dass die Teilnehmer mit den eigenen Werkzeugen arbeiten möchten. Meist sind das dann aber Maschinen und Werkzeuge, die ich ohnehin in der Werkstatt habe. Wie du schon angemerkt hast, habe ich ja ganz unterschiedliche Werkzeuge und Maschinen in der Werkstatt. Gruß Heiko

19.02.2018

Danke für Deinen Beitrag, ich hätte da Fragen zum einsetzten Fräser: Welche Größe an Bündigfräser verwendest Du? also Durchmesser (D/D1) und welche Frästiefe (NL/L2)..? ich habe mir einen ausgesucht mit zwei achsparallele HW-Wendemesser ... sind zwei Messer optimal? (WPL Bündigfräser Z2 22 x 30 S8) ..?

19.02.2018

Hallo Lars, der benutzte Fräser hat einen Durchmesser von 19mm und eine Schneidenlänge von 30mm. Gruß Heiko

20.02.2018

Hallo Heiko, sehr schöner Beitrag. Dazu habe ich zwei Fragen: 1. Kennst du einen Trick, wie man zwei Führungsschienen von z.B Festool oder Makita möglich genau verbinden kann? Gerade bei Plattenmaterial oder Holz mit Waldkante ist dieser erste Schnitt mit Handkreissäge und Führungsschiene für mich immer ein Grund zur Ärgerniss, wenn er Aufgrund der Länge nicht mit einer einzelnen Führungsschiene erledigt werden kann und die beiden Schienen dann nicht 100% fluchten. Die Schienen von Bosch und Mafell scheinen in diesem Punkt von Vorteil zu sein, aber deshalb kauft man ja keine neue Handkreissäge, Führungsschienen und Zubehör ;-) Ich trage mich daher schon länger mit der Anschaffung einer 3m Führungsschiene, weil mir nichts Einfacheres und Zuverlässigeres einfallen will. Diese Option ist wäre zumindest genau und noch günstiger, als ein Wechsel des Systems. 2. Auf einem Foto hast du die Tischverbreiterung der Erika noch zusätzlich abgestütz. Ist diese Abstützung ein Zubehör Teil oder was hast du da verwendet? Vielen Dank und Grüße Tobias

20.02.2018

Hallo Tobias, zu deiner ersten Frage: Ich habe das immer so gemacht, dass ich ein Richtscheit an der Hinterkante angelegt habe und dann die beiden Schienen miteinander verband. Eine lange Schiene ist aber mit Sicherheit die bessere Lösung. Was die Zweite Frage angeht: Das sind Zubehörteile, original Mafell. Die schienen nennen sich "Halteschienen" Darin wird die Tischverbreiterung befestigt. Gruß Heiko

21.02.2018

Hallo Heiko, Danke für die schnelle Antwort. Ich meinte nicht die Halteschienen und Tischverbreiterung, sondern die Stütze oder Fuß, die unter den Halteschienen angebracht sind (1.Foto). Gruß Tobias

21.02.2018

Hallo Tobias, das ist der untere Teil der Bandsäge im Hintergrund. Gruß Heiko

23.02.2018

Interessanter Beitrag. Vielen Dank. Bislang hatte ich allerdings immer die Regel im Hinterkopf erst fräsen (bzw. Bearbeitung mit Messern jeglicher Art) und dann schleifen. „Wenn du es umgekehrt machst, musst du das ständige Schärfen deiner Werkzeuge lieben“ war die Begründung eines Schreiners dazu. Bei Dir scheint aber das gründliche Absaugen das Problem zu minimieren/eliminieren?! Oder wie siehst Du das? Mit freundlichen Grüßen Martin W.

24.02.2018

Hallo Martin, ich denke dein Kommentar bezieht sich auf diesen Artikel: https://www.holzwerken.net/Blog/Heiko-Rech/Besser-frueher-schleifen Ich sehe das nicht so. Inzwischen saugt man ja alle Schleifmaschinen ab und die Schleifmittel sind auch besser geworden. Es ist also nicht mehr so schlimm wie früher, dass sich nach dem Schleifen noch viele Schleifkörner auf und im Holz befanden. Zumindest kann ich durch das frühzeitige Schleifen keinen stärkeren Verschleiß meiner Werkzeuge feststellen. Gruß Heiko

27.02.2018

Lieber Heiko, vielen Dank für diesen und alle anderen Tipps. Ich mache etwas ganz ähnliches und das ist vielleicht auch interessant für manche: Ich habe überhaupt gar keine elektrische Säge und auch keine Abrichte. Soll heißen, ich bereite mein Holz mit dem Handhobel vor. Da mache ich es dann auch so, dass ich die Kanten jeweils nur an einer Komponente korrekt säge und hoble, auf die anderen wird dann mit der Oberfräse kopiert. Das ist schon eine erhebliche Zeitersparnis...

Kommentar verfassen