Freie Wahl beim Draufhauen

Eine dieser wichtigen Nebenrollen spielt meiner Meinung nach der Klüpfel. Er findet meist nur wenig Beachtung.  Dabei wäre die Arbeit mit Stemmeisen ohne etwas zum Draufhauen ja kaum möglich. Naja, zumindest wäre sie anstrengender und langwieriger. Aber womit haut man am besten auf ein Stemmeisen?

Es gibt interessante Alternativen zum klassischen Schreinerklüpfel.

Es gibt interessante Alternativen zum klassischen Schreinerklüpfel.

Die traditionelle Antwort in unseren Breitengraden ist "Der Schreinerklüpfel". In seiner althergebrachten, hölzernen Ausführung mit rundem Griff und eckigem Kopf in meinen Augen eine recht undurchdachte Konstruktion. Durch den Runden Griff bemerkt man als Anwender nicht, wenn er sich mal verdreht. Prompt haut man statt mit der Fläche des Hammerkopfes mit dessen Kante auf das Ende des Stemmeisens. Der Schlag geht daneben. Wenn es schon ein Holzhammer sein soll, dann doch bitte mit eckigem Griff. Der eckige Griff verdreht sich nicht beim Stemmen. Und wenn, merkt man es direkt.

Wenn schon der Kopf eckig ist, dann aber bitte auch der Griff!

Wenn schon der Kopf eckig ist, dann aber bitte auch der Griff!

Auch recht traditionell heißt es immer "Man stemmt nicht mit dem Eisenhammer". Aber nur bei uns. In Japan ist es selbstverständlich die Stemmeisen mit einem eisernen Hammer zu treiben. Allerdings sind diese Hämmer, Genno genannt, etwas anders geformt, als ein Schlosser- oder Schreinerhammer westlicher Form. Der Genno hat eine etwas rundere Bahn (Schlagfläche) und diese ist zur Stielachse leicht geneigt. Man trifft damit besser. Ein solcher Hammer ist auch anders ausbalanciert, so dass es sich damit sehr angenehm arbeitet. Damit die Stemmeisen das Schlagen mit dem Eisenhammer auch verkraften, brauchen Sie eine hintere Zwinge . Sie verhindert, dass das Ende des Heftes (Den Griff beim Stemmeisen bezeichnet man als Heft)  unter den Schlägen zu sehr leidet oder das Heft dabei sogar zerstört wird. Ich benutze den Genno sehr gerne, auch für Stemmeisen, die nicht aus Japan kommen. 

Ich empfinde einen solchen Genno als sehr angenehm zum Stemmen.

Ich empfinde einen solchen Genno als sehr angenehm zum Stemmen.

Wie eingangs erwähnt, empfinde ich Klüpfel mit rundem Griff und eckigem Kopf als Fehlkonstruktion. Die komplett eckige Form liegt mir persönlich aber auch nicht. Ich mag keine eckigen Werkzeuggriffe.  Mehr Sinn macht für mich daher ein Klüpfel mit rundem Griff und rundem Kopf. Bei Bildhauern gehört ein solcher Klüpfel zur Grundausstattung. Man trifft damit sehr gut und die Handhabung ist sehr angenehm. Warum solche Klüpfel bei Schreinern so selten anzutreffen sind, ist mir allerdings unklar. Auch in Katalogen findet man sie meist beim Werkzeug für Bildhauer. Nie beim Werkzeug für Schreiner.  

Alles rund und aus Holz: Bildhauerklpfel sind ideal für Werkzeugschonendes Stemmen.

Alles rund und aus Holz: Bildhauerklpfel sind ideal für Werkzeugschonendes Stemmen.

Für die herkömmlichen Stemmarbeiten im Möbelbau tut es ein einfacher Bildhauerklüpfel aus Weißbuche mit einem Gewicht um die 400 Gramm. Für schwere Stemmarbeiten im Holzbau darf er auch schwerer sein. Richtig toll finde ich Messingklüpfel. Sie sehen irgendwie aus, als wären Sie nur Spielzeug. Aber die etwa 600 Gramm schweren und sehr kompakten Klüpfel haben es in sich. Man kann damit richtig kräftig auf die Stemmeisen hauen. Gleichzeitig eignen Sie sich auch für feine Arbeiten, bei denen der kleine Klüpfel fast komplett in der Hand verschwindet. Und seien wir mal ehrlich, sie sehen auch richtig edel aus.

Edel, praktisch, handlich. Ein Messingklüpfel ist ein tolles Werkzeug.

Edel, praktisch, handlich. Ein Messingklüpfel ist ein tolles Werkzeug.

Sowohl die hölzernen, als auch die Messingklüpfel eignen sich zum Treiben von Eisen mit und ohne hintere Zwinge. Der Messingklüpfel wird seine Spuren hinterlassen, keine Frage, aber bisher ist mir dadurch noch kein Heft kaputtgegangen.

Während meiner Lehrzeit waren Werkzeuge wie der Genno oder Messingklüpfel nahezu unbekannt. Bei überbetrieblichen Lehrgängen waren die damals aufkommenden Japansägen sogar verboten. Heute ist das zum Glück anders. Dank Versandhandel und dem Internet steht uns auch die Welt in Bezug auf Werkzeuge offen. Man kann ausprobieren und auswählen. Sogar bei einem so unscheinbar wirkenden Werkzeug wie einem Holzhammer oder Klüpfel.

Und mit was treiben Sie Ihre Stemmeisen ins Holz?

Verwnden Sie runde Klüpfel für Stemmeisen ohne hintere Zwinge

Verwnden Sie runde Klüpfel für Stemmeisen ohne hintere Zwinge

Hat das Stemmeisen eine hintere Zwinge, ist es fast egal, womit sie draufhauen.

Hat das Stemmeisen eine hintere Zwinge, ist es fast egal, womit sie draufhauen.

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Kommentare

11.03.2016

Hallo Heiko, ich habe lange Zeit den klassischen Holzhammer (zylindrischer Kopf mit ovalem Hammerstiel) verwendet. Irgendwann habe ich mir dann den Veritas-Schreinerhammer (Schlagflächen mit Hartholzeinlagen) zugelegt. Der hat einen ganz schönen Wumms. Kleinere Stemmeisen treibe ich (nach einer Empfehlung durch einen anderen Hobbyholzwerker) mit dem kleinen Rohhauthammer von Dictum. Zwar habe ich auch einen Genno, aber irgendwie steckt das "man stemmt nicht mit dem Eisenhammer" noch viel zu tief drinnen. Heute habe ich mich beim Zinkenstemmen mal dazu gezwungen den Genno zu verwenden, aber irgendwie schwingt da immer ein ungutes Gefühl mit. Vielleicht überlege ich mir nach Deinem Artikel mal einen Klüpfel auszuprobieren. Diese Art des "Draufhauens" hatte ich bis jetzt noch nicht in Betracht gezogen. Gruß Bernd Zimmermann

12.08.2016

Hallo Heiko, Das Problem mit dem Schlagwerkzeug hab ich höchst einfach gelöst. Ich hab mir einen Krüppel aus Buchenholz mit elliptischen Griffquerschnitt ge drechsel. Grifflänge 20cm, Klüpfel 11cm x Durchmesser 7,5cm (die 11cm hab ich so angepasst dass er gut balanziert in der Hand liegt). Beim Schlagteil hab ich einen Teil weggeschnitten. Damit hab ich jetzt einen Universalklüpfel! Bei Feinarbeiten nehme ich ihn kurz am Stiel. Wenn ich Schmackes brauche am Stielende. Wenn ich eine Schlagfläche brauche wende ich in der Hand um 180°. Also echt ein Universalwerkzeug. herzliche Grüße aus Österreich Josef

12.08.2016

Hallo Heiko, Das Problem mit dem Schlagwerkzeug hab ich höchst einfach gelöst. Ich hab mir einen Krüppel aus Buchenholz mit elliptischen Griffquerschnitt ge drechsel. Grifflänge 20cm, Klüpfel 11cm x Durchmesser 7,5cm (die 11cm hab ich so angepasst dass er gut balanziert in der Hand liegt). Beim Schlagteil hab ich einen Teil weggeschnitten. Damit hab ich jetzt einen Universalklüpfel! Bei Feinarbeiten nehme ich ihn kurz am Stiel. Wenn ich Schmackes brauche am Stielende. Wenn ich eine Schlagfläche brauche wende ich in der Hand um 180°. Also echt ein Universalwerkzeug. herzliche Grüße aus Österreich Josef

11.10.2018

Mit was ich draufhaue ? Auf Stemmeisen mit .... Eisenreifen natürlich mit einem kleinen Fäustel, sonst nimmt mein Klüpfel Schaden. Auf meine Bildhauereisen und Stemmeisen mit anderen Heften, mit einem Pockholzklüpfel. Der Trick an Bronze, Messing und auch Pockholz, ist das höhere spezifische Gewicht. So ein Klüpfel zieht ganz anders und sie prellen ( Handgelenk Aua ) nicht so sehr. Schreiner, die den ganzen Tag und das jeden Tag, mit dem Klüpfel arbeiten sind wohl sehr selten. Bildhauer schon viel eher, da macht das schon einen großen Unterschied, ob ein Klüpfel zieht, oder ich das Eisen hineintreiben muss. Schöne Grüße, von einem ehemaligen Bildhauer, ganz kurz vor den Bergen - Woifi,

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