Olivenöl, Sonnenblumenöl, Walnussöl, Leinöl… welches Öl zur Oberflächenbehandlung?

Geöltes Massivholz ist beliebt, warum nicht einfach das gute Olivenöl dafür nehmen?

Das Ölen von Oberflächen ist vor allem bei der Verarbeitung von Massivholz sehr beliebt.

Einfach in der Anwendung, günstig, natürlich und frei von giftigen/unbekannten Zusätzen.

Allerdings eignet sich nicht jedes Öl zur Oberflächenbehandlung von Holz.

Dazu muss man zunächst verstehen, wie die Oberflächenbehandlung chemisch abläuft:

Lack enthält Lösemittel wie bspw. Alkohol oder Wasser. Nach dem Auftrag verdunsten die Lösemittel, man spricht dabei umgangssprachlich von einer Trocknung.

Öl enthält keine Lösemittel, kann daher auch nicht wie voran beschrieben trocknen.

Diese Eigenschaft macht man sich bei Schmierstoffen zu nutze. Dort wäre es doch sehr ärgerlich, wenn es bereits nach kurzer Zeit getrocknet wäre.

Als Schmierstoff wird heutzutage Mineralöl verwendet oder auf pflanzlicher Basis Kamelienöl (auch gut als Rostschutz geeignet).

Bei Möbeln möchte man wohl nur ungern eine Oberfläche die dauerhaft schmierig ist und möchte daher lieber ein Öl, welches trocknet, bzw. aushärtet.

Dies geschieht durch Oxidation (der Kontakt mit Sauerstoff) und Polymerisation (Verkettung von ungesättigten Fettsäureresten der Glyceriden).

Die Anzahl der ungesättigten Fettsäureresten wird in der Iodzahl (Menge an Iod g, welches an 100g Fett gebunden werden kann) angegeben. Vereinfacht gesagt: Damit Öl auf unseren Möbeln aushärten kann, braucht es Sauerstoff und eine passende Iodzahl.

Sauerstoff ist in Schrankinnenwänden nur begrenzt vorhanden, daher sollte hier entweder auf natürliche Öle verzichtet werden (alternativ kann z.B. Schellack verwendet werden) oder man lässt den Schrank für ein paar Wochen geöffnet aushärten.

Die Iodzahl lässt sich schnell im Internet recherchieren, anbei eine kleine Liste der haushaltüblichen Öle und deren Einordnung in

  1. nicht trocknend (für den Möbelbau ungeeignet)
  2. halbtrocknend (für den Möbelbau grenzwertig geeignet)
  3. trocknend.

Nicht-trocknende Öle bleiben immer schmierig, halbtrocknende haben eine sehr lange Aushärtungszeit und werden dabei auch nur mittelmäßig hart. Trocknende Öle eignen sich für den Möbelbau.

Nicht trocknend (durchschnittliche Iodzahl)

Mineralöl (0)

Kokosöl (7-10)

Olivenöl (85)

Halbtrocknend (durchschnittliche Iodzahl)

Erdnussöl (105)

Rapsöl (115)

Sonnenblumenöl (115)

Kürbiskernöl (120)

Distelöl (120)

Walnussöl (150)

Trocknend (durchschnittliche Iodzahl)

Leinöl (180)

Tungöl (190)

Fazit: Die meisten Öle aus der Lebensmittelabteilung sind nicht sonderlich gut geeignet für den Möbelbau. Das so beliebte Olivenöl ist gänzlich ungeeignet, ebenso wie Sonnenblumenöl und Rapsöl. Walnussöl ist an der Grenze zu trocknenden Ölen und kann als Alternative zu Leinöl verwendet werden, wenn man den anfänglichen Gelbstich (verschwindet durch UV-Strahlung) und den Geruch von Leinöl vermeiden möchte.

Leinöl ist daher weiterhin die beste Empfehlung für die Oberflächenbehandlung, das hier aufgeführte Tungöl dient lediglich als Referenz und wird sich nicht im heimischen Supermarkt finden lassen. Zudem ist es auch nicht zum Verzehr geeignet.

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