Kennen wir uns?

Ich kenne viele Tischlermeister, die wirklich gute Handwerker sind, aber im Wald Esche und Erle nicht unterscheiden können. Ich persönlich bin der Meinung, man sollte den Werkstoff, mit dem man arbeitet, so gut wie möglich kennen.
Wer sich schon einmal über die vielen Ästen und unterschiedlichen Farbtöne einer „Wildeiche” gewundert hat oder wo bei der Pappel die Maserknollen wachsen, der findet in der Natur die Antwort. Da klärt sich auch schnell die Frage, warum es keine breiten und langen Bohlen von Apfel- und Pflaumenbaum gibt.

Wer wissen möchte, in welcher Jahreszeit wir uns befinden, dem reicht ein Blick zum Blattwerk der Bäume. Aktuell verfärbt sich dieses bei Laubbäumen und wenigen Nadelbäumen (wie Lärche) von grün zu gelb und rot. Neben der Jahreszeit verraten uns die Blätter aber auch die Baumart.

Fichte oder Tanne? Schon von weitem verraten die rechtwinklig abstehenden Äste, dass es sich höchstwahrscheinlich um Fichten handelt.

Bei der Identifizierung der unterschiedlichen Arten empfehle ich einen kleinen Naturführer. Meiner heißt „Bäume – Bestimmen leicht gemacht” und passt in die Hosentasche.

Nach der erfolgreichen Baumbestimmung wandert das passende Blatt in die Sammlung. Das Panini-Album für Holzbegeisterte 😉

Anhand von Aufnahmen der Silhouette, Knospen und Blätter lässt sich meist zweifelsfrei der Baum bestimmen. Die Smartphone-App „Picture this” liefert dabei übrigens auch gute Dienste. Allerdings geht der Prozess „Foto vom Blatt schießen und Ergebnis anzeigen lassen” so schnell, dass man sich nicht genauer mit dem Baum auseinander setzt. Die Bestimmung per Buch dauert dann doch etwas länger und man lernt wesentlich besser die verschiedenen Merkmale der Bäume zu erkennen. Dabei prägen sich mitunter auch Merkmale wie die Erscheinung der Rinde ein. So kann man auch im Winter den Baum bestimmen, selbst wenn es keine Blätter mehr gibt.

Welcher Ahorn passt zu diesem Blatt? Zuckerahorn, Feldahorn, Bergahorn… Die spitzen Ausläufer der Blätter sind ein Merkmal vom Spitzahorn.

Auch der Standort sagt viel über die Baumart aus: In der Nähe von Gewässern finden wir häufig Weiden, Pappeln und Erlen. Ihre Eigenschaften sind in einem Punkt auch sehr ähnlich: Ihr Holz ist eher weich.
Wenn wir in den kalten Norden nach Skandinavien oder Richtung Alpen reisen, stellen wir schon bald fest: In kalten Gebieten finden sich vor allem Nadelbäume und vereinzelte Birken. Die raue Umgebung bietet den Bäumen hier nur schlechte Wachstumsbedingungen und das zeigt sich auch beim Holz: Enge Jahresringe, wenig Frühholz und daher wesentlich härter als schnell gewachsenes Fichtenholz in wärmeren Regionen.
In heißen, trockenen Gebieten oder Standorten mit Staunässe, werden wir wohl nie Buchenwälder finden. Das Holz der Buche sollte übrigens auch keiner hohen Feuchtigkeit ausgesetzt werden.

Eine schöne Ergänzung liefert dazu das Buch „Baumporträts”. Hier werden die typischen Verwendungszwecke bekannter Schnitthölzer vorgestellt.

Heutzutage wird das Holz vor allem nach seiner optischen Erscheinung oder Verwendung im Innen-/Außenbereich ausgewählt. Früher wurde wesentlich mehr auf Standort des Baumes und seiner Art eingegangen. Das Wissen darüber mag unsere Möbel vielleicht nicht schöner machen… aber es bringt uns dem geliebten Werkstoff ein wenig näher.

Wer weiß, ob man sich beim nächsten Schnitt dann nicht doch etwas mehr Mühe gibt 😉

Wissen. Planen. Machen. Das ist das Motto der Zeitschrift HolzWerken, dem Magazin für den Holzwerker.
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