Akkuschrauber adieu – Löcher bohren mit der Bohrwinde

Bohren mit Muskelkraft – schnell, leise und präzise

Vor ein paar Jahren war der Verkauf von handbetriebenen Bohrern bestimmt noch etwas einfacher: Die Akkuschrauber waren entweder viel zu schnell entladen oder hatten gar nicht erst das Drehmoment für große Bohrdurchmesser.

Die Zeiten sind längst vorbei, selbst die kleinen, handlichen 12 Volt-Geräte haben eine ausreichende Leistung. Selbst günstige No-Name-Produkte erfüllen die meisten Aufgaben mit Bravour.

Doch abgesehen von der Romantik, alles aus eigener Kraft geschaffen zu haben, können mit Handbohrern gute Resultate erfüllt werden.

Sehen wir uns dazu die benötigten Werkzeuge etwas genauer an:

Handbohrer und Bohrwinde sind auf vielen Trödelmärkten und bei Antik-Händlern zu finden.

Wer sich wie ich für gebrauchte Werkzeuge entscheidet, sollte sich vor allem die Mechanik des Bohrfutters ansehen. Oft ist das Gewinde beschädigt oder eingerostet. Es sollte sich leichtgängig öffnen/schließen lassen und den Bohrer sicher fixieren.

Ältere Werkzeuge haben meist ein Zweibacken-Bohrfutter, welches beim Zudrehen meist mehr Kraft benötigt. Wer sich entschließt eine neue Bohrwinde zu kaufen, sollte zu einem Dreibacken-/Vierbackenfutter greifen. Ich empfehle dazu passende Bohrer mit Sechskant-Aufnahme, um ein Durchrutschen zu verhindern.

Zwei entscheidende Merkmale unterscheiden den Bohrer für den Handbetrieb von den bekannten Holzbohrern: Ein großer Vorschneider, der ein Ausreißen im Holz trotz der geringen Drehzahl vermindert, und die Gewindespitze. Der hier gezeigte Bohrer ist auch für den langsamen Betrieb in der Ständerbohrmaschine zugelassen, Bohrer für reinen Handbetrieb haben eine größere Gewindespitze.

Selbst mit Armen wie Popeye wird man bei größeren Bohrern die Drehzahl und gleichzeitig den Druck aufbauen können, um gute Ergebnisse zu erzielen.

Der ausgeprägte Vorschneider ritzt das Holz kreisförmig an, die nachfolgende Schneide sorgt für die eigentliche Zerspanung.

Die Gewindespitze sorgt für einen zusätzlichen Vorschub, bei jeder Umdrehung zieht sich der Bohrer tiefer ins Holz. Das funktioniert in weichem Holz nahezu mühelos, bei härteren Hölzern wie Buche und Eiche braucht es dagegen schon etwas mehr Anstrengung. Im Stirnholz dieser Harthölzer ist ein Fortkommen dann allerdings kaum noch möglich.
Grundsätzlich ist neben der Drehbewegung zusätzliche Körperarbeit empfehlenswert.
Wo immer möglich sorgt eine Stabilisierung durch den Körper für bessere Ergebnisse.

Mit Köpfchen: Zugegeben, vor dem ersten Kaffee lädt diese Position schon ein wenig zum Verweilen ein. Die Bohrwinde neigt so weniger zum Wackeln und der zusätzliche Druck für einen besseren Vorschub.
Geht auch gut aus der Hüfte: Der hier verwendete “normale” 3mm-Holzbohrer lässt sich so auch schnell im Holz versenken.
Das Geräusch des schneidenden Bohrers ist hörbar, gleichzeitig spürt man aber auch das durchtrennen der Fasern.

Wissen. Planen. Machen. Das ist das Motto der Zeitschrift HolzWerken, dem Magazin für den Holzwerker.
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