Gut gespalten ist auch (fast) gerade

In einem vorherigen Blog-Beitrag erwähnte ich den Besuch bei Campus-Galli.  Auf dieser mittelalterlichen Baustelle wird versucht, mit damaligen Arbeitstechniken und Werkzeugen ein Kloster zu errichten.
Auffällig bei jedem der kleinen Werkstätten waren die mit Holzschindeln gedeckten Dächer.

Um diese vielen kleinen Brettchen herzustellen, bediente sich der Schindelmacher frischem Nadelholz. Mit dem Schindelspalter wurden die Stammabschnitte gespalten.

Dies geschieht immer mittig. So verteilen sich die Kräfte gleichmäßig, beim Spalten sucht sich der Riss immer den Weg, mit dem geringsten Widerstand. So wird der mittig gespaltene Abschnitt wieder mittig gespaltet. Dieser Prozess wird so lange fortgesetzt, bis die gewünschte Materialstärke erreicht ist.

Der lange Hebel beim Schindelspalter ermöglicht ein kontrolliertes abspalten der einzelnen Abschnitte.

In unserer Werkstatt arbeiten wir meist mit getrocknetem Holz, welches sich beim Spalten etwas widerspenstiger zeigt. Dennoch kann es sich lohnen die Fähigkeit des „Spaltens” in sein Repertoire zu integrieren, vor allem, wenn man überwiegend mit Handwerkzeug arbeitet. Zwar gibt es dabei immer ein gewisses Risiko und oft lässt es der Faserverlauf auch nicht zu, wenn es dann klappt, macht es mir aber richtig Spaß.

Zunächst sollte man die Faserrichtung des zu spaltenden Holzabschnitts begutachtet werden: Stehende Jahrringe werden in den Lehrbüchern immer wieder empfohlen, hier sind sie von noch größerer Bedeutung.

Die Fasern verlaufen nach links, der Riss folgt diesem Verlauf.
Der Faserverlauf ist gerade, der Riss ebenso.

So lässt sich ein Brett schnell teilen, nach ein paar Hobelzügen ist dann auch alles gleichmäßig plan.

Wenn die Fasern gerade verlaufen und es keine Asteinschlüsse gibt, kann man vor allem in weicherem Holz gute und schnelle Ergebnisse erzielen, wenn man bspw. Überblattungen oder Schlitz/Zapfenverbindungen herstellt..

Zunächst wird der Zapfen mit der Säge abgesetzt. Dies begrenzt den Riss.

Das Stecheisen wird nun mit der Spiegelseite nach oben angesetzt.
So neigt die Schneide nicht dazu, sich unter den Riss zu ziehen.
Das Ergebnis lässt sich doch schon sehen.

Wenn man leicht oberhalb vom gewünschten Riss stemmt, kann man den Überstand schnell mit Grundhobel oder Stecheisen verputzen.

Ausprobieren lohnt sich, es lässt einen den Werkstoff Holz mit all seinen Eigenarten wieder ein wenig besser verstehen.

Und wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist: In HolzWerken-Ausgabe 83 zeigen wir, wie Sie nur mit Muskelkraft sogar einen ganzen Eichenstamm in Bretter spalten.

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