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04. Jun 2021 // Dominik Ricker

Auf den Zahn gefühlt

Dominik Ricker

Ein Exot unter den Handhobeln: Der Zahnhobel. Laut Produktbeschreibung ein wahrer Problemlöser... mal sehen, ob er hält, was er verspricht.

An zwei Merkmalen lässt sich der Zahnhobel erkennen. Besonders auffällig ist der Schnittwinkel von 75°. Zum Vergleich: Flackwinkelhobel haben einen Schnittwinkel von 37°, Doppelhobel 45° und Putzhobel 45°-60°.

Je steiler der Schnittwinkel ist, desto mehr wird aus “Schneiden” ein “Schaben”. Der große Vorteil: Die Vorspaltwirkung wird vermindert. Das geschieht beim Putzhobel durch ein enges Hobelmaul und Spanbrecher/Klappe. Dennoch kann es bei Ästen / schwierigen Faserverläufen zu Ausrissen kommen.

Früher in jeder Tischlerei zu finden, heute kaum noch bekannt: Der Zahnhobel

Beim Schärfen wird deutlich, woher der Name Zahnhobel stammt: Das Eisen ist gezackt und so bilden sich an der Schneide viele kleine Zähne.

So wird die Schneidfläche, die auf beispielsweise den Ast trifft, halbiert und in Kombination mit dem steilen Schnittwinkel wird die Oberfläche schonend abgetragen.

Die gezahnte Spiegelseite…
und Fase.

Zugegeben, wirklich Spaß macht das Arbeiten mit diesem Hobel nicht. Der steile Schnittwinkel macht das Arbeiten mühsam und durchgehende Späne lassen sich auch kaum erzeugen. Das Endergebnis ist meiner Meinung nach auch eher unbefriedigend.

Statt Glanz und glatter Oberfläche, bleibt es selbst mit frisch geschärften Eisen bei einer matten und eben geriffelten Oberfläche
Ausrissfrei… doch so richtig glücklich bin ich damit nicht.
Durch den steilen Schnittwinkel wird der Span sofort gebrochen und es entstehen eher Brösel als Späne.

Mit der Ziehklinge ließen sich die Rillen noch nachbearbeiten, allerdings könnte man dann auch durch die Vorarbeit mit dem Zahnhobel verzichten und direkt die Ziehklinge nehmen.

Doch der Zahnhobel hat noch eine andere Verwendungsmöglichkeit: Er wurde zur Bearbeitung der Leimflächen genutzt.

Durch die Rillen entsteht eine größere Oberfläche und somit eine größere Leimfläche.

Vor allem bei der Verarbeitung von Glutinleim erhofft man sich davon eine bessere Klebekraft. Durch die raue Oberfläche sollen die Werkstücke beim Verleimen nicht verrutschen.

In meinen bisherigen Versuchen hat sich immer bestätigt, was man bereits seit langer Zeit weiß: Das Holz bricht immer neben der Leimfuge.
Die zusätzliche Vorbereitung mit dem Zahnhobel um die Klebekraft zu verstärken erscheint mir daher nicht sonderlich plausibel. Um ein Verrutschen zu vermeiden ist meine Empfehlung auch eher, den Leim kurz antrocknen zu lassen und dann kräftig verpressen (mit traditionellem Glutinleim ist dieser Prozess leider nicht möglich, da der Leim sonst geliert und Klebekraft verliert).

 

Fazit: Ein interessanter Hobel, der sich gegen Ziehklinge/ Ziehklingenhobel nicht behaupten kann. Zumindest meiner Meinung nach ;)

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