Bambus – „Holz“ der Zukunft?

Der Holzverbrauch ist hoch, die „heimischen“ Fichten werden durch Hitze und Käferbefall rar. Ist der beliebte Rohstoff aus Asien eine Alternative?

Schnellwachsendes Holz wie z.B. Fichtenholz oder Paulownia dürfte vielen bekannt sein.

Zunehmend finden sich in den Baumärkten aber auch Leimholzplatten aus Bambus, welches sogar bereits nach rekordverdächtigen 5 Jahren erntereif ist.

Auf den ersten Blick ein interessantes Produkt, das sogar härter als Eichenholz ist und daher auch oft als Material für Schneidebretter genutzt wird.

Im Vergleich zu Eichenholz ist es jedoch nur bedingt für den Außenbereich geeignet.
Wie bei Hölzern mit einer geringen Dauerhaftigkeit wird für eine Nutzung im Außenbereich (bspw. als Terassenbelag) eine Thermobehandlung durchgeführt.

Die gerade und gleichmäßige Ausrichtung der Fasern macht das Material dabei sehr formstabil.

Bambus gehört zu den Süßgrasgewächsen und kann verholzen. Bei diesem Prozess lagert sich vereinfacht gesagt Lignin in den Zellwänden ab. Dies gibt der Pflanze ihre Stabilität. Bei Bäumen setzt dieser Prozess bereits zu Beginn des Wachstums ein, bei manchen Pflanzen später oder nie. Streng genommen handelt es sich daher nicht um das Holz, sondern Süßgras der Zukunft. Doch genug der Haarspalterei und hin zu der Erklärung, wie man aus einem hohlen Gewächs Bretter fertigen kann: Indem man es spaltet. Zur Erklärung die folgende Grafik:

Wie Bambusholz geschnitten und zu festem Material verleimt wird Spalten, Hobeln, Verleimen.

Der frisch geerntete Bambus wird durch eine Anzahl Messer gedrückt und dabei in kleinere Stück gespalten. Das Prinzip ähnelt ein wenig einem Apfelteiler.

Dabei entstehen bereits annähernd rechteckige Abschnitte, die durch anschließendes Hobeln egalisiert werden. Im Wasserbad werden eventuelle Pilze/Insekten abgetötet, mit Wasserstoffperoxid wird der Bambus dann entweder hell gebleicht oder durch leichte Erhitzung gedunkelt. Bei letzterem Prozess karamellisiert der Zucker im Bambus, sodass sich dadurch auch der Zusatz „caramell“ hinter den im Baumarkt zu findenden Leimholzplatten erklären lässt. Nach mehrtägiger Trocknungszeit werden die einzelnen Lamellen dann miteinander verleimt und verpresst.

Möbel aus Bambusholz Vor allem bei Badezimmermöbeln ist Bambus ein beliebter Werkstoff.

Da die einzelnen Bambusstückchen zwar lang, aber nur relativ schmal und dünn sind (ca. 20x5mm) wird mit 5-10 % Leimanteil die bis zu doppelte Menge an Leim im Vergleich zu üblichen Leimholzplatten benötigt.

Der hohe Herstellungsaufwand schlägt sich im Preis nieder, der dem von Eichenholz ähnelt.

Neben dem höheren Leimanteil und Kosten sehe ich auch den Import dieses Materials kritisch: Zwar wird mittlerweile auch in Europa mit dem Anbau von geeignetem Bambus begonnen, der größte Anteil wird aber wohl auch in den kommenden Jahrzehnten von asiatischen Ländern bezogen.

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