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06. Dez 2016 // Heiko-Rech

Das Multi-Spannbrett

Je kleiner die Werkstücke werden, umso schwieriger ist es sie bei der Bearbeitung am richtigen Platz zu halten. Das gilt nicht nur für die Arbeit an der Werkbank, sondern auch dann, wenn man diese kleinen Werkstücke an einer Maschine bearbeiten möchte. Auch das fixieren von Werkstücken, die nicht rechteckig oder geradlinig sind, kann schon mal zur Geduldsprobe werden. Das kennen Sie sicherlich auch aus Ihrer Werkstatt. Ich habe mir für solche Problemfälle jetzt einen Helfer gebaut. Ich nenne ihn "Multi-Spannbrett". Denn im Grunde ist es nur ein Brett mit vielen T-Nut-Schienen, auf dem man vielfältig spannen kann. Das große Brett kann man dann auf der Werkbank befestigen, oder wie ein großes Werkstück an einem Fräser oder Sägeblatt entlang führen.

Das Multi-Spannbrett im Einsatz an der Tischkreissäge

Das Multi-Spannbrett im Einsatz an der Tischkreissäge

Der Bau des Brettes ist im Grunde recht einfach. Die Basis bietet ein Stück Multiplex, das 23 - 27 Millimeter stark sein sollte. Ich hatte nur noch welches mit 18 Millimeter und 6 Millimeter Stärke in der Werkstatt. Also habe ich auf das 18 Millimeter starke Holz noch eine Schicht dünnes Holz beim Anschrauben der Leisten aufgedoppelt. Die Materialstärke muss schon sein, damit das Brett stabil genug ist und die T-Nut-Schienen vernünftig verschraubt werden können.

Das Grundbrett hat bei mir die Maße 700 Millimeter mal 300 Millimeter. Wenn Sie das "Multi-Spannbrett" nachbauen möchten, können Sie die Maße natürlich Ihren Bedürfnissen anpassen. In dieses Brett werden Nuten geschnitten. So breit und tief, dass die T-Nut-Schienen hineinpassen. Die Schienen dürfen aber nicht überstehen. Lassen Sie sie lieber sogar ein wenig tiefer ein. Dann gibt es auch keine Druckstellen in den Werkstücken. Am einfachsten geht das Nuten mit der Tischkreissäge.

  • Die umlaufenden Nuten sind 30 Millimeter vom Rand entfernt
  • Dazwischen entsteht ein Raster von etwa 86 mal 100 Millimetern.
  • Die Maße müssen nicht auf den Millimeter genau stimmen.
  • Je kleiner das Raster, umso variabler kann man spannen.
  • Je kleiner das Raster, umso mehr T-Nut-Schienen werden benötigt.
  • Der Nutgrund kann mit einem Grundhobel oder einem Stemmeisen geebnet werden.
Die Nuten für die T-Nut-Schienen werden am einfachsten mit der Tischkreissäge geschnitten.

Die Nuten für die T-Nut-Schienen werden am einfachsten mit der Tischkreissäge geschnitten.

Das Raster hat Abstände von 90 bis 100 Millimetern.

Das Raster hat Abstände von 90 bis 100 Millimetern.

Nacharbeit mit dem Grundhobel

Nacharbeit mit dem Grundhobel

Sind die Nuten alle geschnitten, werden die T-Nut-Schienen passend abgelängt. Benötigt werden drei Stücke mit 700 Millimetern Länge und vierzehn Stück mit einer Länge von etwa 100 Millimetern. Würde man die Nutschienen einfach so einlegen und befestigen, könnte man die Spannmittel nicht überall einschieben. Es müssen daher noch einige Ausklinkungen in die langen Schienen geschnitten werden. das geht, wie auch das Ablängen der Schiene mit einem Feinen Sägeblatt auf der Tischkreissäge recht gut. Die Ausklinkungen werden nach Anriss gesägt. Auch hier kommt es nicht auf einen Millimeter an. Mit einer Feile oder etwas Schleifpapier werden die scharfen Kanten nach dem Sägen noch gebrochen.

Erst jetzt können die T-Nut-Schienen in den Nuten befestigt werden. Das geschieht mit den passenden Schrauben. Da ohnehin nur wenig Holz unter den Schienen ist, ist es zu empfehlen, die Schrauben ruhig etwas länger als notwendig zu wählen. Die austretenden Spitzen werden einfach mit einer Feile entfernt. So halten die T-Nut-Schienen auch in der verhältnismäßig dünnen Platte.

Die T-Nut-Schienen werden geschnitten und ins Raster gelegt.

Die T-Nut-Schienen werden geschnitten und ins Raster gelegt.

An den Schnittpunkten wird jeweils ein Ausschnitt gemacht.

An den Schnittpunkten wird jeweils ein Ausschnitt gemacht.

Durch die Ausschnitte können Spannmittel überall genutzt werden.

Durch die Ausschnitte können Spannmittel überall genutzt werden.

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Die T-Nut-Schienen werden angeschraubt

Die T-Nut-Schienen werden angeschraubt

Die Schrauben sind zu lang, das war Absicht

Die Schrauben sind zu lang, das war Absicht

Mit einer Feile sind die Spitzen schnell entfernt.

Mit einer Feile sind die Spitzen schnell entfernt.

Damit wäre das Multi-Spannbrett schon fertig. Was fehlt, sind noch einige Spannelemente und Anschläge. In die T-Nut-Schienen passen Schraubzwingen für Führungsschienen oder auch spezielle Klemmen. Sie können sich aber auch ganz einfache Anschläge aus Multiplex und einer passenden Sternschraube selbst anfertigen. Das Kombinieren unterschiedlicher Anschläge und Spannmittel bringt die eigentliche Flexibilität dieser Vorrichtung. Eine enorm wichtige Komponente ist aber auch die Kreativität des Holzwerkers. Denn mit einfachen Mitteln lassen sich die unterschiedlichsten Sonderanschläge und selbst gebaute Spannmittel realisieren. Die folgenden Bilder zeigen daher nur einige wenige Anwendungen des "Mutli-Spannbrettes". In einem nachfolgenden Artikel werde ich Ihnen noch weitere Spann- und Anwendungsmöglichkeiten zeigen. 

Schwierige Schnitte verlieren ihren Schrecken

Schwierige Schnitte verlieren ihren Schrecken

Schmale Teile werden sicher gehalten

Schmale Teile werden sicher gehalten

Das Multi-Spannbrett funktioniert auch hochkant

Das Multi-Spannbrett funktioniert auch hochkant

Schwierige Formen liegen sicher und rutschen nicht

Schwierige Formen liegen sicher und rutschen nicht

T-Nut-Schienen

Am Schluss möchte ich noch kurz auf das Thema T-Nut-Schienen eingehen. Diese gibt es von unterschiedlichen Herstellern und man sollte sich im Vorfeld einige Gedanken darüber machen, welche man denn nun verwenden möchte. Für die hier gezeigten Schienen von INCRA gibt es einiges an Zubehör, wie zum Beispiel die roten Klemmen. Das gibt es für andere Systeme nicht. Die INCRA-Schienen sind allerdings nicht metrisch, sondern in Zoll. Während in metrischen Schienen einfache Muttern und Sechkantschrauben (meist M8) benutzt werden können, braucht man bei den INCRA-Schienen welche mit 1/4 Zoll großem Kopf. Was auf jeden Fall in die Schienen passen sollte sind die Schraubzwingen, wie man sie bei vielen Führungsschienen von Handkreissägen nutzt.

Selbst fräsen?

Das T-Nut-Raster könnte man auch komplett aus HOlz, ohne Alu-Schienen herstellen. Dazu finden Sie hier einen Artikel: http://www.holzwerken.net/Wissen/News/T-Nuten-aus-dem-Nichts/

Allerdings können Sie darin keine Führungsschienenzwingen nutzen. Das funktioniert aufgrund des Querschnittes der Zwingen nur bei Schienen aus Aluminium.

Werkstattkurs - Vitrine

Videos

Werkstatt-Kurs Möbelbau: Vitrine

Dieser erste Band der neuen Reihe Werkstatt-Kurs zeigt, wie Sie ein Korpusmöbel in den verschiedensten Varianten herstellen. Türen, Schubkästen, Kranz, Deckel, Füße - Guido Henn zeigt die riesige Bandbreite an Wahlmöglichkeiten. Beim Bau seiner feinen Vitrine wählt er schließlich eine Variante aus und zeigt die Herstellung in allen Details. Per Video hat Guido Henn den Bau dieser Vitrine für Sie dokumentiert. Rund zwei Stunden Film auf DVD zeigen alle Bauabschnitte und die Maschinen in Aktion. Zusätzlich zum Video enthält das Paket „Werkstatt-Kurs Möbelbau“ auch die sechsteilige Serie aus HolzWerken in Buchform und einen riesigen Bauplan (nahezu DIN A2-Größe) mit allen Zeichnungen auf einen Blick.

Aus dem Inhalt:

  • Teil 1: Korpusbau
  • Teil 2: Korpusbau (Fortsetzung)
  • Teil 3: Türenbau
  • Teil 4: Türenbau (Fortsetzung)
  • Teil 5: Schubkastenbau
  • Teil 6: Fuß, Sockel, Deckel, Kranz und Oberfläche 

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5 Kommentare

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Unbekannter Nutzer

06. Okt 2020

Hallo Heiko! Ich wollte mir gerade sowas bauen, und da bin ich froh, wenn ich da so einen top-Vorschlag von dir vorbereitet sehe :) Eine Frage habe ich allerdings: Wie hast du das Spannbrett auf dem Schiebeschlitten der Mafell Erika fixiert? Da habe ich gerade noch einige Zweifel... Für einen Tip deinerseits würde ich mich sehr freuen. Viele Grüße, Peter

Unbekannter Nutzer

22. Mai 2019

Hallo Holzwerker. Auf die teuren Schienen würde ich verzichten. Preiswerter geht es so. In die 18mm Platte 13,1mm Breite und 8mm Tiefe Nuten schneiden. Die zweite Platte mit 6 oder besser 9 mm aufleimen. In diese Platte 8,1 mm Nuten schneiden. Keine teuren Schienen. Keine scharfen Kanten. Meine Nutsteine mache ich auch inzwischen selbst. Eine Stange Flachstahl 6000 x 12 x 6 mm kostete mich ca. 10 €. Löcher bohren und Gewinde schneiden. Fertig. Passen auch in die Führungsschienen. Noch ein Tip für die Schrauben. Einfach noch längere Schrauben nehmen und mit einer Zange hin und her biegen. Die Schrauben brechen dann im Holz ab. Ohne überstand.

Unbekannter Nutzer

24. Jun 2017

Danke für die schnelle Antwort, dann mache ich das auch so. Viele Grüße Stephan

Unbekannter Nutzer

23. Jun 2017

Moin, Heiko, klasse Anleitung, vielen Dank!! Nachdem Du das Brett jetzt einige Zeit genutzt hast, würdest Du den Rasterabstand immer noch bei ca. 100mm machen? Ich frage mich, ob das nicht etwas zu klein ist, weil die meisten Spannmittel fast bis zur gegenüberliegenden T-Nutschiene reichen. Würde es nicht reichen, wenn sie bis zur Mitte des Rasterfeldes reichen? VG Stephan

Unbekannter Nutzer

17. Feb 2017

Super Projekt, werd ich vermutlich nachbauen. Zu den FS Zwingen in T-Nuten: Die T-Nuten können auch mit einem passenden T-Nut Fräser direkt gefräst werden: https://www.amazon.de/ENT-Oberfr%C3%A4ser-T-Nutfr%C3%A4ser-S8x32-35mm/dp/B0084D41QE/ref=pd_sim_60_7?_encoding=UTF8&psc=1&refRID=1MR43DQWB8ADYKRMMN3Q für FS Zwingen sind allerdings ein paar Fräsungen notwendig. Ich habs so gemacht: (Paralellanschlag bzw. Führungsschiene zwischen den Fräsduchrgängen nicht verändern) 1) vorfräsen mit 8mm Fräser 2) erstes mal mit T-Nut Fräser 3) T-Nut Fräser tiefer stellen (auf benötigte Zwingentiefe) Hab bereits ein paar Bretter so gefräst, funktioniert gut und ist mir sogar fast lieber als die Schienen schöne Grüße Werner

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