Lesergalerie Tischlern
Die Whisky-Bar!
Ich ahnte zu Beginn nicht, dass ich auf das herausforderndste Projekt meiner bisherigen Tätigkeit als Tischlerin zusteuerte. Wieder mal hatte ich die Ziele (zu) hochgesteckt & geflucht, was ich mir da angetan habe. Mit dem konstruktivem Gehirnjogging und fitzeligen Detailarbeiten, es war schweißtreibend! Aber der Reihe nach: Die Aufgabe war die Fertigung einer Whisky-Bar aus amerikanischem Kirschbaum & Makassar-Ebenholz. Der Entwurf des Eckschrankes sah eine Kombination aus selbst geschnittenem Furnier und Massivholz vor. Als besonderes Gestaltungsdetail überlegte ich mir, die schlichten Bänder mit aufwendigen Messingeinlagen zu erweitern. Die Ringgriffe sollten durch zwei Rosetten aus Astfurnier eingefasst sein – auch die Ebenholzeinfassung sollte den Halbkreisen folgen…. Genauso musste das Kranzprofil demselben Schwung der Türen folgen. Der Tablarauszug sollte über Gradleisten ausgezogen werden. Ausgangslage war ein ganzer Stamm aus amerikanischem Kirschbaum. Es folgten Tage des Zuschnitts von Furnier und allen anderen Einzelteilen. Als Mittellage diente Birke, Multiplex. Für die Türen allerdings fräste ich ein genutetes Rahmenprofil, welches die Stäbchen der Mittellage hielt. Nix mit Biege-MDF! Über zweifaches Absperrfurnier folgte die aufwendig gestaltete Deckschicht. Bis hierhin waren schon Wochen des Laubsägens vergangen. Das Messing ließ innerhalb einer Arbeitswoche (jaaah, so lange hat das gedauert!) reihenweise Laubsägeblätter reißen. Ich habe nicht jedes einzelne gezählt – aber zweimal nachbestellt… Der Zusammenbau war sowieso spannend. Alles musste nach und nach verleimt werden. Ich schwöre mittlerweile auf Fischleim – er lässt sich wie Weißleim bearbeiten, ist später aber genauso mit dem Bügeleisen oder Zinkunterlagen- nachjustierbar wie Knochenleim. Er ist genauso reversibel – auch das hilft, in 200 Jahren eventuelle Ausbesserungsarbeiten zu machen! Nachdem der Korpus fertig war kamen die Schubkästen dran, dann Kranzprofil und zum Schluss das Gestell mit den gefrästen Beinen. Meine Arbeit wurde durch regelmäßige Besuche begleitet, bei denen wir die nächsten Details besprachen. Da ging es um die Maserrichtung im Furnier, die Ausführung der Rosette, die Beschläge, das Kranzprofil und so weiter… Für mich sind solche Besuche hilfreich. Ich weiß, in welche Richtung es gehen soll – schließlich baue ich das Möbel nicht für mich! Ich kann beraten -aber nicht über die Köpfe der zukünftigen Nutzer*innen bestimmen, wo lang die Reise gehen soll – die ja schließlich in deren Gemächern endet und dort noch lange erfreuen soll… Und zugegeben – in solchen Gesprächen entstehen einfach die besten Lösungen, auf die ich alleine in meinem stillen Kämmerlein auch nicht immer komme! Genutzt wurden viele stationäre Maschinen, Schablonen, Handmaschinen und am wichtigsten: der japanische Hobel und die Laubsäge. Gezeichnet wurde per Hand und mit dem PC. CNC- oder Lasertechniken boykottiere ich! Die Handarbeit soll man sehen, die kleinen Unregelmäßigkeiten machen den Charme aus. Bis eine Maschine das gelernt hätte – pffft… Die Oberfläche besteht aus zwei Aufträgen eines wachsfreien Hartöls und einer offenporigen Schellackpolitur. Die Arbeitszeit habe ich nicht zu genau gemessen - es werden aber 380 Stunden gewesen sein… Der Schimmer in seinen Augen, als wir es in seinem Lesezimmer aufstellten – ….
- Kirschholz, Makassar-Ebenholz, Sperrholz, Messing, Hartöl, Schellack
- Alle gängigen stationären Maschinen, Handmaschinen, diverse japanische Hobel und die Laubsäge!
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7 Kommentare
Sehr schön, klasse gemacht !
Ein Traum!
Absolute Spitze!
Wow, meine Hochachtung. Ich habe mir die Bilder jetzt schon mehrfach angeschaut und entdecke immer mehr Details.
Sehr beeindruckend, schön das es so etwas heute noch gibt.
Danke euch für die wertschätzenden Kommentare!!
Ich freue mich sehr darüber!
Mehr Bilder der Fertigung & Detailfotos sind auch auf meiner Webseite zu sehen: johanna-roeh.de
Schaut dort sehr gerne vorbei!
Schluck….-.
Atemberaubend schön, die Details sind handwerklich mehr als beeindruckend. Auch eines der Stücke hier in der Lesergalerie das einzigartig ist.
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