Blog Dominik Ricker

70mm Holz statt 1000mm Beton – Wärmedämmung mit unserem beliebten Naturprodukt

4.8 / 5. 4

An heißen Sommertagen gibt es wohl interessanteres als über Wärmedämmung zu schreiben – 
dabei sind Holzfaserdämmstoffe auf Grund ihrer hohen Masse auch ideal als Hitzeschutz zu verwenden. Vielleicht ist aber auch jetzt der ideale Zeitpunkt die Werkstatt ein wenig gemütlicher für den Winter vorzubereiten.

Doch der Reihe nach: Die Idee für diesen Blog entstand bei der Öffnung einer alten Fachwerkwand.

Die Gefache (der Balkenzwischenraum) wurden üblicherweise mit Lehm oder Steinen aufgefüllt, wodurch das eigentlich selbstragende und stabilisierende Fachwerk weiter ausgesteift wurde. Hier rieselten mir jedoch Hobelspäne entgegen aus dem Jahr 1941 entgegen. 
Die kurzen Späne sind charakteristisch für maschinelle Hobelspäne, wie sie auch damals schon in den Tischlereien angefallen sind.

Das Fachwerk wurde von beiden Seiten mit Brettern verkleidet, sodass der entstehende Hohlraum aufgefüllt werden konnte. Wenn auch nur geringfügig, wirkten die Späne als Wärme- und Schalldämmung. „Ganz schön pfiffig“ dachte wohl nicht nur ich bei dieser Idee.

Auch heutzutage wird Holz als Dämmstoff verwendet: Zerfasertes Nadelholz wird in verschiedenen Dichten gepresst. So entstehen flexible Dämmungen, wie wir sie vor allem von Mineralwolle kennen oder so hoch verdichtet, dass sie sogar begehbar sind.

Holzhäuser und Blockhäuser sind in Deutschland eher weniger verbreitet (wer das ändern möchte, findet mit „Blockhäuser und Hütten“ ein passendes Buch), bieten aber die Möglichkeit für einen interessanten Vergleich der Wärmedämmeigenschaften:

Der Wärmeisolationswert wird durch den U-Wert ausgedrückt. Dieser gibt an, wie viel Wärmeenergie (W) pro m^2 und Temperaturunterschied (K=Kelvin) verloren geht. Beeinflusst wird dieser Wert durch die Materialdicke und die Wärmeleitfähigkeit. Metalle sind beispielsweise als sehr gute Wärmeleiter bekannt, was sie als Dämmstoff ausscheiden lässt.

Spannend ist dagegen der Vergleich von Kiefernholz und Beton:
 Um den U-Wert einer 70 mm dicken Holzwand zu erreichen, braucht es eine dicke 1000 mm/1 m Betonwand. Dieser Wert von 70 mm würde übrigens noch nicht den Ansprüchen des GEG (Gebäudeenergiegesetz) entsprechen, dazu benötigt es mehr als 500 mm Holz. Selbst die typischen 200 mm Querschnitte von Blockhäusern würden nicht an diesen Wert herankommen, sind aber mit wenig weiterem Dämmeinsatz schnell auf einen modernen Standard zu bringen.

Vierzehnmal mehr Material für einen ähnlichen U-Wert zeigt dennoch, wie entscheidend vor allem die Wärmeleitfähigkeit des Materials ist.
 Da zeigt unser geliebtes Holz mal wieder seine Stärke: Durch die vielen kleinen Lufteinschlüsse im Holz, die dem Baum als Wassertransport dienten, hat es nicht nur eine geringere Dichte als Beton, sondern eben auch die geringere Wärmeleitfähigkeit. Moderne Werkstoffe wie Porenbeton (auch als Ytong-Steine bekannt) bilden diese Eigenschaft nach.

Wer ein wenig mit verschiedenen Dämmwerten herumspielen möchte, kann die von mir verwendete Software www.ubakus.de kostenfrei verwenden. Wer die Isolierung seiner Werkstatt plant, findet ein paar Richtwerte zu erforderlichen Materialstärken und auch Angaben über den Taupunkt. Dieses Thema ist jedoch ausreichend komplex für einen weiteren Blogartikel.

 

 

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