Werkstattoptimierung klingt nach Arbeit, Prozessoptimierung, Rentabilität – ich nenne es daher lieber „verdammt, warum habe ich da nicht schon früher dran gedacht“. Das Ziel ist sowohl in der Tischlerei, als auch in der Hobbywerkstatt das gleiche: Zeitersparnis. Im gewerblichen Kontext lässt sich damit in der Regel Geld sparen, im Hobbybereich schafft es vor allem mehr Möglichkeiten.
Standardisierung
Hobeln, Zuschnitt, Nuten, Falzen, Fasen, Verbinden, Schleifen und Ölen/Wachsen/Lackieren sind Arbeitsschritte, die bei fast jedem Projekt anfallen.
Dabei sollte es möglichst nicht jedes Mal zu Experimenten kommen, sondern lieber einmal in ein gutes System investiert werden. Dabei ist nicht vorrangig ein tiefer Griff in den Geldbeutel gemeint, es finden sich für große und kleine Werkstätten ausreichend viele Vorschläge. Wichtig ist dabei, sich für eine Arbeitsmethode zu entscheiden. So entwickeln sich Routinen und Selbstvertrauen, mit denen die üblichen Arbeitsschritte schnell und weniger fehleranfällig ablaufen. Wenn bei jedem Projekt der gleiche Verbinder verwendet wird, dann entfällt das übliche Gegrübel über die korrekte Stelle/Höhe/Tiefe. Bei der Oberflächenbehandlung bleiben düstere Überraschungen aus, die Länge der Trocknungszeit lässt sich nach ein paar Projekten zudem besser abschätzen. Das hilft auch bei der Planung von zukünftigen Projekten: Wenn bei der zeitlichen Planung für das Weihnachtsgeschenk nicht das Bauchgefühl, sondern die Erfahrung hilft, dann können solche Projekte bereits pünktlich zu Ostern im Folgejahr abgeschlossen werden. Die Zeitersparnis bei Routinearbeiten schafft Raum für neue Techniken, komplizierte Vorrichtungen, zeitaufwendige Schnitzereien oder allgemein größere Projekte.
An dieser Stelle schiebe ich kurz ein kleines Projekt ein, welches mich auf die Idee zu diesem Blogartikel gebracht hat:
Die von mir häufigst genutzten handgeführten Maschinen sind die Tauchsäge, Oberfräse und der Exzenterschleifer. Diese Geräte teilen sich alle den mobilen Staubsauger, dementsprechend drei Geräte für eine Steckdose und einen Absaugschlauch. Seit Jahren arbeite ich mit diesem Gespann, bücke mich jedes mal mit einem leichten Stöhnen
(habe ich mir damals beim Altgesellen abgeschaut, bin mir allerdings immer noch nicht ganz über den Sinn im klaren)
zu der Steckdose herunter, stecke um, arbeite weiter.
Die Ablage auf dem Sauger bietet sich – wie jede Ebene in der Werkstatt – als Ablagefläche an.
Leider rutscht hier und da dann eine Maschine herunter und fällt zu Boden. Unangenehm und sehr unprofessionell.
Die Lösung hat mich 20€ und 20 Minuten Arbeit gekostet: Ein Mehrfachstecker bietet Platz für vier Geräte, eine Ablage aus Multiplex lässt sich über die Ablage stülpen und sichert die Maschinen gegen den Absturz.
Nun muss ich lediglich den Absaugschlauch umstecken und kann schnell und bequem zwischen den Maschinen wechseln.

Jede Ablage wird genutzt, diese stellt allerdings eine große Sturzgefahr dar (mehrfach überprüft)

Ohne den Systainer zu beschädigen, kann die Ablage werkzeuglos montiert/demontiert werden.

Eine Mehrfachsteckdose ermöglicht die Verwendung der Anlaufautomatik.

Alles an einem Platz, absturzsicher, griff- und einsatzbereit.
„Das haben wir schon immer so gemacht“ – Routinen durchbrechen
Routinen können allerdings auch zu einer Gefahr werden: Häufig geschehen in diesem Beruf Arbeitsunfälle zu Beginn der Karriere und zum Karriereende.
Während Arbeitsunfälle bei Auszubildenden wenig überraschend erscheinen, wundert man sich über Unfälle trotz langjähriger Erfahrung. Hat sich die Routine erst einmal eingeschlichen und jeder Handgriff wirkt wie automatisiert, hinterfragt man seine Arbeitsschritte nicht mehr.
Im schlimmsten Fall hat man 30 Jahre etwas falsch gemacht, wusste es nie besser und ein Unfall war nur eine Frage der Zeit.
Um solche Vorfälle zu vermeiden, hilft ein Blick von außen. In Firmen sorgt eine unabhängige, externe Expertise für das Aufdecken von Versäumnissen, Einsparpotentialen und Optimierungsmöglichkeiten.
In der Hobbywerkstatt kann eine Selbstanalyse helfen:
- Welche Arbeitsschritte machen mir Spaß? Wenn Arbeitsschritte Spaß machen, dann sollte man den Grund dafür finden. Meist ist es eine Kombination aus schnellem Arbeitsfortschritt (man sieht, was man schafft) und störungsfreiem Ablauf.
- Vor welchen Arbeitsschritten drücke ich mich regelmäßig?
Hier bietet sich großes Potenzial: Vielleicht wird es endlich einmal Zeit, die Kreissäge exakt einzustellen, dann stimmt auch der Gehrungsschnitt. Der Bau einer Schablone erspart Zeit bei der Dübelverbindung, zwei neue Zwingen erleichtern die Verleimung der Tischplatten. - Welcher Fehler wiederholt sich bei Projekten?
Die Gehrung ist trotz penibler Einstellung stets unsauber? Wie wäre es zukünftig mit einer schönen Nut- und Federverbindung.
Ausrissfreie Schnitte gelingen trotz sämtlicher Internet-Hacks nicht? Dann wird es Zeit für den Schärfdienst oder ein neues Sägeblatt. - Wie häufig muss ich meine Arbeit zum Nachdenken oder Umrüsten unterbrechen?
Ohne Planung zu Arbeiten ist ein Garant für Fehler, schließlich sollte man den Fokus auf die korrekte Werkzeugnutzung legen. Wenn stattdessen noch darüber nachgedacht wird, ob das alles wirklich zusammen passt und jeder Schnitt mit der Hoffnung ausgeführt wird, sich nicht verrechnet zu haben, sind Fehler absehbar.
Zeitintensives Umrüsten kann dagegen als Gelegenheit für eine kleine Internetrecherche genutzt werden. Womöglich standen Guido Henn oder Roland Heilmann schon vor dem gleichen Problem und haben eine Lösung entwickelt.
Wie so häufig macht es die Mischung: Routinen entwickeln, um eine Basis für effizientes Arbeiten zu schaffen. In regelmäßigen Abständen (bspw. nach Projektabschluss) lohnt aber auch ein kritischer Blick auf den Status Quo, um zukünftig noch mehr Spaß bei seinem Hobby zu haben.
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3 Kommentare
Klasse Idee, das baue ich mir auch! Wird die Ablage oben mit dem Systainer verschraubt? Ich verwende meist nur 3 Werkzeuge, daher habe ich einen anderen Stecker gewählt, ist deutlich kompakter: Legrand – Steckdose Norm Deutsch 3-Steckdosenleiste weiß Verteiler t-Form weiss
Danke für den Artikel
Hallo Herr Rieker, von einer offenen Mehrfachsteckdose wie im Bild gezeigt würde ich abraten. Erst jüngst würde in der betrieblichen Brandschutzhelfer-Schulung auf die oftmals verkannte Gefahr von Staub in Steckdosen hingewiesen. In nicht genutzten Steckplätzen lagert sich der Staub ab und wird von den Metallkontakten des Steckers dann in das innere befördert. Mit genügend dieser Vorgänge, einem kleinen elektrischen Funken und dem statistischen Pech ist der Brandherd entstanden.
Ob man nun wie in der Schulung empfohlen seine Steckdosen in der Wohnung nun nach unten dreht, regelmäßig absaugt oder gleich die mit Staubschutzdeckel/IP Schutzklasse kauft bleibt schlussendlich jedem selbst überlassen, in der Holzwerkstatt gehe ich persönlich aber kein Risiko ein.
Gruß Thorsten
Ein schöner Artikel mit vielen bedenkenswerten Punkten! Bestimmt könnte man dazu, wie Profis ihre Arbeit organisieren, noch mehr interessante, hilfreiche Artikel machen!
Der abgebildete Mehrfachstecker ist ein REV MULTI POWER KFBP4-1. Leider mußte ich feststellen, daß er nicht an meinen Starmix iPulse M-1635 paßt, da er den Einschalter blockiert. Ob es bei dem weiter oben empfohlenen Legrand-Steckdosenverteiler das gleiche Problem gibt, weiß ich nicht, könnte es mir aber vorstellen, da die linke Steckdose waagerecht liegt. Es gibt auch noch weitere, anders angeordnete Konstruktionen auf dem Markt…
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