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Eine Hobelbank bauen? Kein Problem!

Verfasst von: Heiko Rech, Tischlermeister | 30.08.2016

Die Hobelbank aus der Ausgabe Nr. 53 ist ein Einsteigerprojekt, das schon einige Leser nachgebaut haben. So auch Robert Kühne. Seinen Werdegang bis zur selbst gebauten Hobelbank hat er in einer Nachricht an die Redaktion und an mich geschildert. Unserer Meinung nach ist dieser Text viel zu schade, als dass er nur von wenigen Menschen gelesen werden sollte. Herr Kühne erklärte sich damit Einverstanden, dass sein ganz persönlicher Baubericht hier für alle Leser bereitgestellt wird. Ich bin fest davon Überzeugt, dass sich so manch einer von Ihnen in diesem Text wiederfinden wird.

Hallo Holzwerken! Hallo Herr Rech!

Heute möchte ich Ihnen berichten wie ein Anfänger zu einer Hobelbank kam. Genauer, zu einer selbstgebauten Hobelbank aus der Holzwerken Ausgabe Nr. 53. Aber zuerst müssen Sie wohl durch eine kleine Vorgeschichte.

Es begab sich Ende des Jahres 2015, so im September/Oktober/November (so genau weiß ich das nicht mehr), dass ich das Bedürfnis verspürt habe etwas zu bauen. Irgendwas. So startete ich eine ziellose Suche im Netz etwas zu finden das ich bauen könnte. Sie müssen wissen, ich bin Softwareentwickler von Beruf und daher den ganzen Tag mit nichts anderem beschäftigt als Bits und Bytes durch die Gegend zu schieben. Da baut man zwar auch etwas aber es ist doch recht abstrakt. Etwas physisches zu tun musste also her.

Nach einiger nicht sehr langer Suche fand ich eine Anleitung für eine Holzkiste (ja, noch nicht die Hobelbank). Ich versteifte mich darauf das Ding zu bauen obwohl es bis heute ein eher dekoratives Dasein fristet. Kurzerhand besorgte ich mir also passendes Holz, um besagte Kiste zu bauen. Zu diesem Zeitpunkt besaß ich praktisch keine Holzwerkzeuge. Das Holz war also bereits vorgeschnitten im Baumarkt und ansonsten war nur noch leimen, bohren, schrauben und ein bisschen schleifen angesagt.

Die Bedingungen unter denen besagte Kiste entstand waren eher sehr bescheiden. Kaum Platz sich in der Werkstatt/Abstellraum zu bewegen und nur entfernt etwas was man nur mit sehr viel Wohlwollen als einfachsten Werktisch bezeichnen kann. Da dämmerte mir das erste Mal, dass wohl keine vernünftigen Holzarbeiten damit zu erreichen sind.

Wenig später baute ich noch eine isolierte Katzenkiste, da eine streunende Katze regelmäßig vor unserer Terrassentür zu liegen kam und wir sie nicht in der Kälte lassen wollten. Der Frust beim Bau war wieder enorm hoch. Kein Hobel, keine Hobelbank aber immerhin Holzdübel mit Dübellehre, Ha! Das Ergebnis ist optisch zwar etwas rau aber funktional und nun muss die Katze nicht mehr frieren.

Zu diesem Zeitpunkt bin ich auf Videos von Herrn Rech gestoßen wie man Werkzeuge schärft. Mein Interesse war geweckt. Denn ich hatte noch alte sehr stumpfe Stecheisen. Und das sah alles nicht wie Hexenwerk aus. Also flugs Schleifsteine und Zubehör besorgt und angefangen zu schleifen. Das Problem des nicht vorhandenen Arbeitsplatzes nagte an mir.

Im Dezember schließlich fand ich Holzwerken Ausgabe Nr. 53. Eine Hobelbank selber bauen. Hm. EINE HOBELBANK SELBER BAUEN! Oh, ich brauch ja nur ne halbe Tonne Holz und drölf Zillionen Werkzeuge, die ich allesamt nicht habe. Ein Klacks. Also die Idee erstmal zur Seite geschoben. Trotzdem erstmal den Holzhändler nach einem Angebot gefragt. Über den Jahreswechsel hat er das auch noch vergessen und das Projekt war kurz davor zu sterben.

Meine Unsicherheit bezüglich dem Selbstbau einer Hobelbank war groß. Also Flugs einen Kontakt der sich mit Holz auskennt befragt. Der riet mir doch eine gebrauchte Hobelbank zu besorgen. Tolle Idee dachte ich. Kurze Zeit später nannte ich eine gebrauchte aber kleine und leider auch nicht sehr standfeste Hobelbank mein Eigen. Ohne Wandbefestigung kann man die aber leider nicht einsetzen.

Frustlevel: 80,3 Millionen!

Schließlich gab ich mir einen Ruck und suchte nach Kreissägen. Dazu muss ich sagen: Ich habe noch nie eine Kreissäge bedient. Die Suche zog sich. Recherche mach ich oft aber eben für Sofwareentwicklung. Keine Ahnung was ich mir da alles an Videos angesehen habe. Und überhaupt: warum soll ich Holz bestellen wenn ich es nicht sägen kann? Seufz, Prokrastination! Was soll ich sagen: Letztlich habe ich mir also Kreissäge, Holz, Hobel, viele Kleinteile und und und gekauft. Man soll ja klein anfangen...

Nachdem also alles beisammen war drohte mein Urlaub. Nein, nicht wegfahren, Laminat sollte verlegt werden (wovon ich übrigens auch keine Ahnung hatte!). Aber das Laminat wurde nicht zeitig geliefert und wir konnten nicht anfangen. Jetzt gab es keine Ausrede und kein Entrinnen mehr. Da lag viel teures Werkzeug und Material. Es wollte verarbeitet werden. Und so begann ich die Hobelbank nach Anleitung zu bauen. Schön vorsichtig und Schritt für Schritt.

Ohne die Spannung vorweg zu nehmen: Wenn das Ganze ein Fehlschlag geworden wäre dann würde ich es wohl nicht an sie schreiben. Voller Stolz kann ich vermelden, dass ich es blutiger Anfänger geschafft habe eine voll funktionstüchtige Hobelbank nachzubauen! Natürlich nicht annähernd in nur 30 Stunden. Aber damit habe ich nicht gerechnet. Dagegen habe ich eine Menge gelernt für mein neues Hobby. Einziger Schwund: Zerstörte Vorschneider eines Holzbohrers. Wer kann auch ahnen, dass im Holzgestell später nochmal für die Querleiste gebohrt werden muss und welcher Idiot schraubt ausgerechnet dort eine Schraube rein :-)

Selbstverständlich habe ich hier und da kleinere Fehler gemacht. In der Funktion gibt es aber keine Beeinträchtigung.

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Fehler passieren!

Der Fehler den ich sehr früh gemacht und erst sehr spät (zu spät) bemerkt habe war, als ich das Untergestell gebaut habe. Beim Bau werden ja Schrauben eingedreht. Diese habe ich, ohne genaues Nachdenken, mit Abstand von 2cm zum Außenrand eingezogen. Hat man die ersten zwei Ebenen verleimt folgt die dritte und natürlich muss man nun die Position der Schrauben versetzen. Dabei habe ich an das Kopfende der senkrechten Bretter Schrauben mittig eingezogen. Wie sich später herausstellte, war das genau die Position wo die Löcher für die Querstrebe des Gestells gebohrt werden. Natürlich ist das ein Anfängerfehler. Meine Lehre daraus war, solche Abhängigkeiten besser im Blick zu haben. Eine weitere Lehre konnte ich ziehen, als ich beim Bohren dann in die Schraube gekommen bin. Der Holzbohrer hat natürlich kapituliert aber mit einem Metallbohrer konnte das Loch zumindest schief vollendet werden. Danach bin ich der Schraube mit einer Metallfeile zu Leibe gerückt. Das größte Glück daran war, dass ich von der Außenseite des Untergestells gebohrt habe. Dadurch konnte ich die ausgeleierte Innenseite hinter der Querstrebe des Gestells verstecken. Die Lehre für mich war, dass auch wirklich große Fehler manchmal noch zu reparieren sind und man auf keinen Fall aufgeben sollte. Der Frust war da besonders hoch, weil natürlich schon soviel fertiggestellt war und alles drohte zu platzen.

Dieses eine Loch im Untergestell hatte es wirklich in sich. Natürlich, man kann es sich denken, wollte ich das Untergestell zu seiner ganzen Pracht verhelfen und es endlich zusammen bauen. Nach den Löchern im Untergestell und der kurzfristigen Rettung selbigens war ich natürlich ehrgeizig und keineswegs geneigt aufzuhören. Es war schon spät am Abend. Ja, es war spät UND ich war müde. Blöde Kombi. Ich weiß, Anfängerfehler. Jedenfalls war der Bohrer im Anschlag der Maschine. Für die M8 Löcher für das Untergestell. Sie können sich also denken, was passiert ist. Ehrgeiz und Müdigkeit haben sich zusammengetan und mich verleitet ein M8 Loch in die Querstrebe zu bohren wo ein M6 Loch hingehört. Naja, Leim rein, Buchendübel rein, Leim anziehen lassen und M6 bohren. Das war echt keine Sternstunde aber hoffentlich dem Leser eine Lektion die er nicht selbst ausprobieren muss.

Und dann war da noch die Sache mit den 19mm Löchern in der Bankplatte. Es ist schon ein besonderer Moment wenn sich schon fast vorstellen kann wie die zukünftige Hobelbank aussieht weil die Löcher es wieder ein Stückchen realer werden lassen. Im Artikel stehen ja schon Hinweise zu den Schlangenbohrern und was man beachten muss. Daher habe ich also das kleine Gewinde abgefeilt weil es bei Testbohrungen im Restholz zu beschriebenen dramatischen Vorschubgelüsten seitens des Bohrers kam. Aufgrund dieser Konstellation musste ich nun vergleichsweise viel Druck ausüben, um Vorschub zu erreichen. Dies wiederum führt zu Ausrissen. Das kann man auf einigen Bildern auch sehen. Um weitere Ausrisse zu vermeiden habe ich also versucht Resthölzer am Austrittspunkt festzuklemmen. Am Rand der Bankplatte ging das noch ganz gut war aber schon zur Mitte hin schwierig weil schlecht zugänglich. Da die Bankplatte ja auch einiges wiegt ist es mühsam Hölzer zwischen Böcken und selbiger zu platzieren. Lange Rede, kurzer Sinn: Es war eine kleine Offenbarung als mir aufgefallen ist, dass die Werkstückniederhalter (in diesem Fall von JUUMA von Dieter Schmid) ja auch unter der Bankplatte funktionieren. Man kann also ein zu bohrendes neues Loch von unten mit einem Holz bedecken und einfach mit einem Werkstückniederhalter eines daneben liegenden Loches festklemmen.
Wie schon gesagt: Diese Erkenntnisse sind alles keine Durchbrüche in Forschung und Entwicklung. Eher so die wichtigsten Erkenntnisse meinerseits die vielleicht dem Ein oder Anderen zu einem frustfreieren Aufbau verhelfen. 

Text: Robert Kühne

Bilder: Franziska Kühne

Meiner Meinung nach ist das eine ganz tolle Hobelbank geworden. Auf den Bildern ist mir auch kein Fehler aufgefallen. Aber mit Fehlern ist es ja ohnehin meist so, dass nur derjenige sie sieht, der sie auch gemacht hat. An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal ganz herzlich bei Herrn Kühne für diesen tollen Bericht danken. Und Sie? Haben Sie sich auch an einigen Stellen wiedergefunden?

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