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Der Gehrung eine kleben!

Verfasst von: Heiko Rech, Tischlermeister | 26.01.2016

Ecken, die auf Gehrung zusammen kommen wirken elegant und weniger aufdringlich, als stumpf zusammenstoßende Bauteile. Gehrungen sind aber mitunter schwierig herzustellen. Das Schneiden der präzisen Winkel ist in der Regel die erste Herausforderung. Die zweite ist dann da Verleimen. Mit Zwingen drückt man schnell alles in die falsche Richtung.  Die dicht geschnittene Ecke bekommt Fugen. Das ist nicht schön. Setzt man Verbinder wie Rund- oder Flachdübel ein, wird das Verleimen nicht immer einfacher. Denn die Verbinder müssen in der kurzen Zeit, die beim Verleimen bleibt auch noch eingefädelt werden. 

Klebeband und Leim. Mehr braucht man nicht für dichte Gehrungen.

Klebeband und Leim. Mehr braucht man nicht für dichte Gehrungen.

Es geht aber auch einfacher. Denn nicht immer ist hoher Pressdruck erforderlich und nicht immer muss eine solche Verbindung mit Dübeln oder änlichem verstärkt werden. Manchmal reicht auch einfach ein wenig Klebeband.

Wichtig beim Verleimen mit Klebeband: Der Untergrund muss staubfrei sein und die Bänder müssen ohne Blasen aufgeklebt werden.

Wichtig beim Verleimen mit Klebeband: Der Untergrund muss staubfrei sein und die Bänder müssen ohne Blasen aufgeklebt werden.

Mit Klebeband kann man sehr gut Gehrungen verleimen. Zwar funktioniert das bei Rahmen nicht sehr gut, da nimmt man doch besser einen Bandspanner, aber bei Kisten und kleinen Korpussen funktioniert das "indirekte Folding-Verfahren" bestens. Es erstaunt mich manchmal immer noch, wie viel Druck so ein Klebeband erzeugen kann.

An einer geraden Leiste entlang werden alle zusammengehörenden Gehrungen miteinander verklebt.

An einer geraden Leiste entlang werden alle zusammengehörenden Gehrungen miteinander verklebt.

Dann werden die verklebten Teile umgedreht und der Leim wird aufgetragen.

Dann werden die verklebten Teile umgedreht und der Leim wird aufgetragen.

Die letzte Ecke ist ein wenig schwieriger zu verkleben.

Die letzte Ecke ist ein wenig schwieriger zu verkleben.

Mit Zug auf dem Band wird aber auch diese letzte Ecke dicht.

Mit Zug auf dem Band wird aber auch diese letzte Ecke dicht.

Damit das Klebeband Druck aufbauen kann, muss es zwei Dinge erfüllen: Es muss elastisch sein und genügend Klebekraft haben. Zu viel Klebekraft ist aber auch nicht gut. Bei einigen Bändern hatte ich nach dem Ablösen die Rückstände des Klebers auf dem Holz. Und die gingen sehr schlecht wieder runter. Man muss leider ein wenig experimentieren um das richtige Klebeband zu finden. Gute Erfahrungen habe ich mit PE-Band gemacht, das eigentlich zum Abkleben auf Gipskartonplatten gedacht ist. Es ist über den Baustoffhandel gut zu beziehen. Leider ist es aber nicht transparent, so dass man die Fuge nicht sehen kann.

PE-Band aus dem Trockenbau ist sehr elastisch und mit verschiedenen Klebestärken zu bekommen.

PE-Band aus dem Trockenbau ist sehr elastisch und mit verschiedenen Klebestärken zu bekommen.

Transparentes Packband mit den passenden Eigenschaften nehme ich auch sehr gerne. Um genügend Druck auf die Leimfuge zu bekommen gibt es zwei Mölichkeiten:

  1. Kräftig ziehen.

Man legt die zu verleimenden Teile dicht mit den Spitzen der Gehrung zusamnen. Das Klebeband wird auf eines der Teile gut aufgeklebt. Dann zieht man am andern Ende des Bandes. Es dehnt sich und wird dabei sogar schmaler. In diesem Zustand klebt man es auf das zweite Teil auf. Leider verrutschen die Teile dabei sehr oft.

  1. Überlappen lassen

Einfacher ist es meist, die beiden zu verleimenden Teile mit den Spitzen der Gehrung etwas überlappen zu lassen. Die Teile werden entsprechend auf eine ebene Unterlage gelegt, Dann klebt man das Klebeband sorgfältig auf. Klappt man nun die Teile zusammen, springend ie beiden Gehrungen regelrecht in die richtige Position. Das Klebeband wird dabei gespannt und erzeugt den Pressdruck.

Klebebänder sind mitunter sehr dehnbar und bauen dadurch einen hohen Druck auf.

Klebebänder sind mitunter sehr dehnbar und bauen dadurch einen hohen Druck auf.

Eine Überlappung der zu verleimenden Teile beim Verkleben baut ebenfalls Druck auf.

Eine Überlappung der zu verleimenden Teile beim Verkleben baut ebenfalls Druck auf.

Die zweite Methode muss mit Bedacht ausgeführt werden. Bei sehr empfindlichen Materialien kann es bei zu starker Überlappung dazu kommen, dass an den Spitzen der Gehrung das Material ausbricht. Wenn Sie noch nie mit Klebeband verleimt haben, sollten Sie beide Methoden erst einmal mit Reststücken ausprobieren, bevor Sie Ihr nächstes Möbelstück auf diese Weise verleimen.

Wie bei allen anderen Verleimungen auch, empfehle ich auch bei der Arbeit mit Klebeband erst einmal einen Trockenversuch, bevor sie ernst machen und den ersten Leim auftragen.

Auf zehn Zentimeter Kantenlänge klebt man einen Treifen Klebeband. Werden die Abstände größer kann es passieren, dass die Gehrung nicht überall dicht wird.

Auf zehn Zentimeter Kantenlänge klebt man einen Treifen Klebeband. Werden die Abstände größer kann es passieren, dass die Gehrung nicht überall dicht wird.

So sollte die Eckverbindung dann aussehen. Das funktioniert auch bei Massivholz und Tischlerplatten sehr gut. Sogar MDF und Spanplatten können so verleimt werden.

So sollte die Eckverbindung dann aussehen. Das funktioniert auch bei Massivholz und Tischlerplatten sehr gut. Sogar MDF und Spanplatten können so verleimt werden.

Vielleicht machen sie auch einfach mal ein paar Probeverleimungen mit Längs und Querholz und mit unterschiedlichen Materialien. Bei einem Bruchtest bekommen Sie dann einen guten Eindruck davon, wie viele eine stumpfe Verleimung mit Klebeband aushält. Es ist vielleicht mehr, als Sie dachten.

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