Man sagt, dass Brennholz 3 Mal wärmt. Brennholz spalten, einlagern und zu guter Letzt gemütlich vor dem Kamin sitzen und die angenehme Strahlungswärme genießen. Bis zum letzten Punkt kann es schon ein etwas längerer Weg sein. Möchte man ein Feuer entfachen, lernt man bereits früh, dass man nicht mit großen Scheiten anfangen kann, sonst ist das Unterfangen von Vornherein zum Scheitern verurteilt. Alte Feuerstätten, vor rund 25 Jahren, hatten in der Regel einen stärkeren Zug. Der Wirkungsgrad war zwar deutlich schlechter (ca. 40 %) im Vergleich zu den neueren (ca. 80 %), aber man musste die Scheite nicht ganz so penibel vorbereiten wie es heute der Fall ist.
Was ist das Problem?
Auch wenn das Spalten an sich Spaß macht, muss man es sich nicht schwerer machen als es ist. Das wohl nervigste und anstrengendste beim Spalten ist das Bücken. Bücken, hinstellen, spalten, bücken, hinstellen, spalten. So ganz ungefährlich ist das auch nicht. Kleine Scheite bleiben einfach nicht stehen und somit ist die Hand gefährlich nahe an der Axt. Hat man mühsam eine gefühlt beachtliche Menge Anzündholz vorbereitet, ist es schneller verbraucht als einem lieb ist und dann kann das Gebücke wieder losgehen. Jeder Feuerstättenbetreiber kennt das Problem. Vielleicht haben die Leser ihre eigenen Tricks, wie man sich das Anfertigen von Anzündhölzern vereinfachen kann. Ich zeige meine Methode.
Alter Reifen, neue Funktion!

Um sich das Leben leichter zu machen, braucht man lediglich einen alten Reifen. Diese gibt es bei Werkstätten & Reifenhändlern, Schrottplätzen und Recyclinghöfen und Online-Kleinanzeigen. Ein Hackklotz und eine Axt sind natürlich Voraussetzung. Aber man sollte nicht seine Lieblingsaxt nehmen. Warum, das wird sich gleich zeigen.
Man nimmt einen Reifen, stellt den auf den Hackklotz und dort stellt man wiederum, astfreie Holzscheite hinein. Diese müssen tatsächlich astfrei sein, sonst wird das nichts und ihr fragt euch, was der Stefan da für einen Mist erzählt hat. Idealerweise sind alle Scheite gleich lang. Jetzt kann man die Scheite beliebig klein spalten. Das geht extrem schnell und macht richtig Spaß. Der Reifen verhindert effektiv, dass sie auseinanderfliegen. Alles bleibt zusammen. Man kann die Anzündhölzer ganz bequem gebündelt herausnehmen. Der Rücken freut sich! Die Methode kann auch angewendet werden, um Brennholz in normalen Abmaßen zu spalten, sofern der Stamm, oder der Stammabschnitt in den Reifen passt und astrein ist. Also astrein im Sinne von „frei von Ästen“, da kommt der Begriff ursprünglich her. Aber wir sind hier bei Holzwerken und die Leser sind vom Fach. Damit kann ich hier wahrscheinlich nicht punkten.
Ich bevorzuge es zu dem Brennholz bereits Anzündhölzer unterzumischen, so kann man später gleich alles einladen, was man zum Verfeuern braucht. Auch wenn das Feuerholz auf 15-20 % Holzfeuchte heruntergetrocknet ist, fängt es schneller an zu brennen, wenn man es ein mindestens einen Tag vorher ins Haus holt. Das gilt insbesondere für die Anzündhölzer. Harzhaltiges Holz wie die Fichte fangen sehr schnell an zu brennen und sind ideal als Anzündholz geeignet. Birke ist ebenfalls gut zum Anzünden. Eiche sollte kleiner gespalten werden, da es sich nicht ganz so gut entzündet.

Für unseren Ofen reicht diese Größe. Man kann aber noch wesentlich kleiner spalten. Kein Herumfummeln mehr nötig, einfach die Axt mit leichtem Schwung und gezielten Treffern ans Holz bringen.
Die Methode hat einen Haken

Die Wange/Wulst des Reifens, die an der Felge aufliegt, enthält einen Draht, den sogenannten Wulstkern. Der Wulstkern sorgt dafür, dass der Reifen nicht von der Felge rutscht, auch bei hohen Geschwindigkeiten, Kurvenfahrten oder starkem Reifendruck. Durch den eingebetteten Stahldraht (meist aus hochfestem Stahl) bleibt der Reifen im Wulstbereich formstabil und kann den Felgenrand genau umschließen.
Egal, wie sehr man sich bemüht und zielt. Früher oder später macht die Axt Bekanntschaft mit dem Stahldraht. Die Schneide wird in diesem Bereich leiden. Wer seine Spaltaxt über alles auf der Welt liebt, und sie auf Rasiermesserschärfe trimmt, für den ist diese Methode wahrscheinlich nichts. Aber man kann ja auch eine Zweitaxt einsetzen. Theoretisch kann man den Bereich des Reifens mit dem Wulstdraht herausschneiden. Ob der Reifen dann noch die nötige Stabilität aufweist, um das Bündel zu halten, ist fraglich.
Viel Spaß beim Anhäufen von Bergen an Anzündhölzern, die für mindestens eine, besser zwei oder drei Saisons reichen und einen schönen Gruß an den Rücken!
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2 Kommentare
Moin,
Ein Tipp, mit dem man sich sein Werkzeug ruiniert. Ist das wirklich euer Ernst?
Wie wäre es mit Tipps für den Bau von Schneidladen oder Schiebestöcken aus Stahl? Vorteil: Die halten länger als die aus Holz.
Viele Grüße
Hartmut
Hallo Hartmut,
entweder man entfernt den Wulstkern oder man nimmt eine Zweitaxt speziell für diese Aufgabe. Mit der Zeit hat man Übung und kann trifft den Wulstkern nicht mehr. Alles besser als sich nach jedem Schlag bücken zu müssen.
Gruß
Stefan
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