
Holz im Haus hat viele angenehme Seiten: Es fühlt sich gut an, sieht wohnlich aus und hält bei vernünftiger Verarbeitung ziemlich lange. Unverwundbar ist es allerdings nicht. Wo gesessen, geschoben, getragen und gelegentlich etwas unsanfter zugepackt wird, hinterlässt der Alltag seine Spuren. Eine lockere Verbindung, eine geöffnete Leimfuge oder ein wackelndes Bein gehören deshalb früher oder später zum Leben eines viel benutzten Holzmöbels.
Das ist aber kein Grund, das betreffende Stück gleich auszusortieren. Viele Schäden lassen sich mit überschaubarem Aufwand beheben. Manchmal braucht es lediglich etwas Leim, ein paar Zwingen und etwas handwerkliches Geschick, bis alles wieder fest sitzt. Praktischerweise bietet eine Reparatur außerdem die Gelegenheit, sich die Konstruktion genauer anzusehen. Schließlich zeigt ein Möbelstück seine inneren Werte meist erst dann, wenn man es umdreht und einige Schrauben löst.
Bei unserer Sitzbank aus Eiche hatte sich eine Keilzinkenverbindung im Zargenrahmen geöffnet. Die Bank erfüllte ihren Zweck zwar noch, doch von allein würde sich die Leimfuge kaum wieder schließen. Also kamen Werkzeug und Leim zum Einsatz. Wie ich die Verbindung freigelegt, neu verleimt und den Rahmen wieder zusammengesetzt habe, zeige ich in diesem Beitrag.

Was ist Keilzinkung und Lamellenverleimung
Bei der Keilzinkung werden kürzere Holzstücke an ihren Enden mit ineinandergreifenden Zinken versehen und miteinander verleimt. Die Klebefläche wird im Vergleich zu einer flachen Stoßverbindung deutlich erhöht, was die Verbindung deutlich widerstandsfähiger macht. Durch diese Technik entstehen längere, durchgehende Lamellen. Bei der anschließenden Lamellenverleimung werden mehrere dieser schmalen Holzstreifen seitlich zu einem größeren Bauteil zusammengefügt.
Diese Herstellungsweise ermöglicht eine gute Ausnutzung des Rohmaterials, da auch kürzere Holzabschnitte verwendet werden können. Gleichzeitig lassen sich breite und vergleichsweise formstabile Bauteile herstellen. Die einzelnen Keilzinken und Leimfugen bleiben jedoch sichtbar und können sich bei hoher Belastung oder einer geschwächten Verleimung öffnen. Genau das ist auch hier der Fall.
Warum geht eine keilgezinkte Verbindung auseinander?

Eine fachgerecht hergestellte Keilzinkenverbindung kann annähernd so belastbar sein wie das umgebende Holz. Die häufig gehörte Aussage, eine Leimverbindung sei grundsätzlich stärker als das Holz, gilt jedoch nur bei passenden Holzflächen, vollständiger Benetzung, richtigem Pressdruck und geeignetem Leim.
Entscheidend ist das Bruchbild: Haften an beiden Seiten ausgerissene Holzfasern, hat wahrscheinlich das Holz versagt. Sind die Flanken der Keilzinken dagegen weitgehend sauber und glatt (genau das ist hier der Fall), spricht das eher für eine mangelhafte Verklebung. Mögliche Ursachen sind zu wenig oder ungleichmäßig verteilter Leim, eine ungenaue Passung der Zinken, falscher Pressdruck oder ungünstige Bedingungen während der Herstellung.
Bei einer Sitzbank kommt außerdem eine dauernde Wechselbelastung hinzu. Beim Hinsetzen wird der Zargenrahmen immer wieder leicht verformt. Liegt die Keilzinkung in einem stärker belasteten Abschnitt, kann eine bereits geschwächte Leimfuge mit der Zeit weiter aufgehen.
Reparieren und verstehen

Bevor wir aus „kaputt“ wieder „ganz“ machen haben wir die Gelegenheit die Konstruktion zu verstehen. Die gesamte Unterkonstruktion lässt sich als Zargengestell oder Zargenrahmen bezeichnen. Die waagerechten Bretter unter beziehungsweise um die Sitzfläche heißen Zargen.
Das diagonal in der Ecke sitzende Holzstück ist ein Eckklotz oder eine Eckverstärkung. Seine Enden sind auf Gehrung geschnitten, sodass der Eckklotz an beiden Zargen anliegt und mit ihnen verschraubt werden kann. Die beiden größeren Schrauben verbinden den Eckklotz lösbar mit dem Bankbein. Eckklötze werden im Möbelbau zur Versteifung der Verbindung zwischen Zargen und Beinen eingesetzt.
Wer es noch genauer wissen möchte, macht sich hier schlau.
Im vorliegenden Fall wurden die Zargenbretter alle 40 cm an der Sitzfläche verschraubt. Für meinen Geschmack könnten es mehr Schrauben sein.
Die Instandsetzung der Sitzbank

Das Zargenbrett wurde von der Sitzfläche abgeschraubt. Die schadhafte Stelle wurde untersucht. Eine saubere Trennung der Leimverbindung. Die Stelle wurde mit Schleifpapier leicht angeraut und mit B3/D3 Holzleim versehen. Die Herstellerangaben müssen beachtet werden.
Wie presst man die Verbindung zusammen?
Das habe ich auch gefragt und bin zu dieser Lösung gekommen.
Ich weiß nicht, ob ich mich schämen oder stolz darauf sein soll. Aber ich habe noch immer keine richtige Hobelbank. Das zwingt mich aber immer wieder dazu ein wenig kreativ zu werden.
Die beiden Teile des Zargenbretts werden durch zwei ineinandergreifende Keile gepresst. Warum zwei? Ein Keil würde die Kraft nur punktfürmig an eine Ecke des Zargenbretts aufbringen. Dadurch würde es keine gleichmäßige Flächenpressung an der Leimfuge gegeben und die Verbindung könnte erneut nachgeben. Zwei Keile leiten die Kraft auf die ganze Stirnfläche bis zur Verleimstelle.
Damit das Brett nicht ausknickt, wurde an der Leimstelle eine Leiste mit einer Zwinge befestigt. Die Leiste wurde vorher mit Klebeband abgedeckt, damit sich diese nicht ungewollt verleimt. In der Regel hält der Leim besonders gut an Stellen, wo er nicht halten sollte.

Solange der Holzleim seinen Zauber entfaltet, kümmere ich mich um die anderen sparsam verschraubten Zargenbretter. Ein Schraubenabstand von 20 cm fühlt sich besser an als 40 cm. Es werden zahlreiche Bohrungen gesetzt. Eine 10 mm Bohrung als Senkung und anschließend eine 5 mm Durchgangsbohrung schafft Platz für eine Schraube. Für die Senkung kam ein Tiefenbegrenzer zum Einsatz. Es wäre unschön und unbequem, wenn eine Schraube über die Sitzfläche ragt.

Man muss hier genau bohren, um nicht seitlich durch das Zargenbrett durchzubrechen. Eine Bohrhilfe wäre gut. Gutes Augenmaß ist aber ausreichend für diese Art der Verschraubung.
Als wäre nichts gewesen

Was zunächst nach einem größeren Schaden aussah, ließ sich mit etwas Leim, zwei Keilen und einer improvisierten Pressvorrichtung wieder in Ordnung bringen. Die geöffnete Keilzinkenverbindung wurde gereinigt, angeraut, neu verleimt und gleichmäßig zusammengepresst. Eine zusätzliche Leiste verhinderte dabei, dass das Zargenbrett unter dem Druck ausknickte.
Bei dieser Gelegenheit erhielten auch die übrigen Zargenbretter einige zusätzliche Schrauben. Damit ist die Unterkonstruktion wieder montiert und die Esszimmerbank einsatzbereit. Eine Hobelbank wäre für die Reparatur angenehm gewesen, zwei passend gesetzte Keile haben ihren Zweck allerdings ebenfalls erfüllt. Sieht aus wie neu und kann problemlos weitere Gäste tragen.
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