Von Körnern, Sieben und Abständen

Auf den meisten Schleifpapieren ist eine Zahl aufgedruckt, welche die sogenannte "Körnung" angibt. Dass es sich hierbei um die Anzahl der Schleifkörner auf eine bestimmte Fläche, oder die reale Korngröße handelt, ist nicht richtig. Die Zahl gibt an, wie viele Maschen auf einen Zoll (25,4 mm) Länge das Sieb hatte, mit dem die Schleifkörner selektiert wurden. Das klingt kompliziert, ist aber für den Anwender nicht relevant. Wichtig zu wissen ist lediglich, dass es ein einheitliches System gibt, nach dem man erkennen kann, ob ein Schleifmittel grob (kleine Zahl) oder fein (große Zahl) ist. Ein sehr wichtiges Detail hierbei ist der Buchstabe "P", welcher der Zahl vorangestellt ist. Denn nur wenn dies der Fall ist, wurden die Schleifkörner nach der beschriebenen Norm selektiert und sortiert. Bei Schleifmitteln ohne diese Kennzeichnung ist also nicht sichergestellt, dass die aufgedruckte Zahl wirklich der Körnung entspricht. Das Fehlen des vorangestellten "P" bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass dieses Schleifpapier schlecht sein muss.

aufbau von Schleifpapier

Der Aufbau eines Schleifpapieres

Ein weiterer Aspekt, der von vielen Anwendern unterschätzt wird, ist die Art der Streuung. Damit ist gemeint, in welchen Abständen zueinander die einzelnen Schleifkörner auf das Trägermaterial aufgebracht wurden. Sitzt hierbei ein Korn direkt neben dem Anderen, spricht man von einer geschlossenen Streuung. Werden die Abstände größer, ist von einer halboffenen Streuung die Rede. Bei besonders großen Abständen zwischen den Körnern handelt es sich um eine offene Streuung.

Vergleich offen gestreutes und geschlossen gestreutes Schleifpapier

Vergleich offen gestreutes und geschlossen gestreutes Schleifpapier

Eine offene Streuung hat den Vorteil, dass sich das Schleifpapier nicht so schnell zusetzt und die Standzeit besonders bei schwierigen Werkstoffen, wie harzigen Hölzern oder Lacken erhöht wird. Der Nachteil ist, dass weniger Schleifkörner pro Fläche vorhanden sind, welche für Abtrag sorgen. Das wird jedoch meist durch die Verwendung von aggressiven Schleifkörnern kompensiert. Somit spricht auch nichts gegen die Verwendung offen gestreuter Schleifpapiere als universelles Schleifmittel.

Wissen. Planen. Machen. Das ist das Motto der Zeitschrift HolzWerken, dem Magazin für den Holzwerker.
ab 65,00 
Mehr Erfahren

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

19.11.2014

Arten von Schleifpapier

19.11.2014

Kann man da nicht mal ein bisschen mehr dazu aussagen, welche Arten von Schleifmitteln es gibt und wo und wie die am besten eingestezt werden. Vielleicht kann man ja auch mal einen Test machen welches Schleifpapier bzw. Schleifmittel wie lange hält und woran man am besten erkennt wann es Zeit zum Wechseln wird, nicht nur weil die Ränder ausfrasen oder das Papier auf dem Schwingschleifer z. Bsp. gerissen ist. Gibt es auch Methoden Schleifpapier zu "pflegen" um es länger zu benutzen. Das wären so Fragen die ich gerne mal beantwortet hätte.

19.11.2014

Hallo, darüber könnte man Seitenweise schreiben, vielleicht sogar ein ganzes Buch. Das würde den Rahmen diesen kleinen Blogs hier leider sprengen. In der HolzWerken Nr. 36 gibt es einen Artikel zum Thema, der bereits viele Fragen beantwortet. Zum Thema Pflege: Die beste Pflege ist eine gute Absaugung. Das verlängert die Standzeit enorm. Reinigen kann man Schleifpapier, indem man eine zusammengeknüllte Plastiktüte an die drehende Scheibe oder das laufende Band hält. Gruß Heiko Rech

20.11.2014

Was ist wohl der Unterschied zwischen z.B. P120er für "Farbe" und dem für "Holz"? Läßt sich das allgemein sagen?

21.11.2014

Hallo, in der Regel haben Schleifmittel für Farbe andere Schleifmittel, also andere Körner. Diese sind härter und brechen scharfkantiger. Meist sind diese Papiere auch offen gestreut. Hochwertige Papiere für den Lackschliff haben auch noch eine Beschichtung, welche das Verkleben verringert. Gruß Heiko Rech

01.01.2015

Hallo Herr Häckel, sie möchten wissen an welchen Kriterien man ein stumpfes Schleifmittel erkennt. Als einfache Hilfe kann man sagen: Ein Schleifmittel ist aufgebraucht wenn die geschliffene Fläche wie eine Speckscheibe glänzt, d.h. die Schleifkörner nehmen kein Material mehr weg, sondern polieren nur noch über die Oberfläche. Genauso kann man einen Bleistiftstrich auf die Holzoberfläche machen und mit dem Schleifpapier einige Male darüberschleifen. Ein scharfes Papier entfernt den Strich vollständig, ein stumpfes hellt den Strich nur auf ohne ihn beseitigen zu können. Diese einfachen Merkmale können zur Bestimmung der Schleifbandbeschaffenheit hergenommen werden. Mit freundlichem Gruß Heiko Fischer

Kommentar verfassen