Nicht immer gleich krummnehmen…

Vielleicht haben Sie das auch schon mal erlebt. Sie schneiden eine Leimholzplatte in kleine Teile und stapeln diese auf. Am nächsten Tag kommen Sie in die Werkstatt und müssen, mit Schrecken feststellen, dass die oben liegende Platte krumm geworden ist. 

Krummes Leimholz

Krumm gewordenes Leimholz

Woher kommt das? Die Erklärung hierfür ist sehr einfach: Holz nimmt Feuchtigkeit aus der Umgebungsluft auf. Ist die Luftfeuchte der Umgebungsluft anders, als die Holzfeuchte, dann gleicht sich die Holzfeuchte an die Luftfeuchte an. Dabei verändert es seine Größe. Nimmt das Holz Feuchtigkeit aus der Luft aus, so wird es größer, gibt es Feuchtigkeit ab, wird es kleiner. Dies geschieht vor allem quer zur Wuchsrichtung. Wenn Sie einzelne Holzteile nun übereinanderstapeln, kann nur das oben liegende Brett Feuchtigkeit aus der Luft aufnehmen (oder eben abgeben). Das aber auch nur an der Oberseite. An die Unterseite kommt keine Luft heran. Nimmt das Holz an dieser Fläche Feuchtigkeit auf, wird es größer. Die Unterseite kann das nicht. Dort findet keine Größenveränderung statt. Das Holz wird daher krumm.

Beugen Sie dieser Situation vor, indem Sie Holz immer so stapeln, dass es rundum in Kontakt mit der Umgebungsluft kommen kann. Im einfachsten Fall bedeutet dies, dass Sie Stapelleisten verwenden. Diese sollten nicht zu dünn sein. Leisten mit einer Stärke von 20 Millimetern haben sich bei mir bewährt. Dennoch kommt es vor, dass sich das obere Brett wölbt. Drehen Sie es von Zeit zu Zeit um oder ordnen Sie die Bretter im Stapel neu an, sodass immer wieder ein anderes Brett oben liegt. Das Gewicht, das von oben auf die restlichen Bretter drückt, hilft noch zusätzlich gegen den Verzug.

Ist das Kind schon in den Brunnen gefallen, also Ihr Holz wurde falsch gestapelt und ist krumm, kann luftiges Aufstapeln helfen. Oft geht der Verzug wieder zurück. Aber leider nicht immer vollständig und nicht immer so schnell, wie er gekommen ist. Stapeln Sie in einem solchen Fall das Holz mit Stapelleisten neu auf. Beschweren Sie den Stapel. Das Gewicht das Sie zum Beschweren verwenden darf aber das Holz nicht bedecken. Auch hier helfen Stapelleisten. Es kann mitunter mehrere Tage dauern, bis der Verzug weniger wird. Eine Garantie, dass Ihr Holz wieder gerade wird, gibt es allerdings nicht.

Gewicht auf Holzstapel

Zusätzliches Gewicht schadet nicht

Ein zweiter Fall, bei dem gerades Holz krumm werden kann, ist der, wenn Sie ihr Holz in der Stärke auftrennen oder einseitig sehr viel abhobeln. Die Holzfeuchte ist nicht gleichmäßig über die gesamte Stärke einer Bohle oder eines Brettes. Es gibt immer leichte Unterschiede zwischen dem Inneren des Holzes und dessen Außenseiten. Vor allem dann, wenn das Holz umgelagert wurde, stellt sich dieser Effekt ein. Trennen Sie das Holz in der Stärke auf, zeigt sich dies dadurch, dass es krumm wird. Zusätzlich werden oft auch noch Spannungen im Inneren des Holzes frei.

Wenn Sie also aus einem dicken Holzstück zwei dünnere durch Auftrennen herstellen, rechnen Sie damit, dass das Holz krumm wird. Begegnen Sie diesem Problem damit, dass Sie nach dem Auftrennen noch genügend Holz zum Abrichten einplanen. Auch das luftige Stapeln, wie oben bereits beschrieben, hilft den Verzug wieder zu verringern.

Übrigens tritt dieser unangenehme Effekt nicht nur beim Auftrennen auf, sondern auch dann, wenn Sie beim Hobeln sehr viel Holz einseitig abnehmen. Hobeln Sie also besser gleichmäßig von beiden Seiten.

Krummes Holz nach dem Auftrennen

Verzug nach dem Auftrennen

Sie werden niemals ganz verhindern können, dass sich Ihr Holz verzieht. Wenn sie sich jedoch über die Ursachen des Verzuges bewusst sind und Ihr Holz entsprechend lagern, dann können Sie dem Verzug zumindest so weit wie möglich entgegen wirken.

Geben Sie Ihrem Holz auch genügend Zeit sich in ihrer Werkstatt zu akklimatisieren. Eile ist hier fehl am Platz. Wenn ich Holz von meinem Holzhändler bekomme, trenne ich es grob auf, hobele es vor und lasse es dann ein bis zwei Wochen in meiner Werkstatt liegen. Erst dann bringe ich die einzelnen Teile auf die benötigten Maße.

Wissen. Planen. Machen. Das ist das Motto der Zeitschrift HolzWerken, dem Magazin für den Holzwerker.
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Kommentare

22.10.2014

Das sind gute Tipps, besten Dank

29.10.2015

Einen Stapel Leimholzplatten, der auf seine Weiterverarbeitung wartet, decke ich mit einem übrigen Stück Plattenwerkstoff ab und spanne den ganzen Stapel mit 2 Schraubzwingen nieder. Das hat sich zumindest bei mir gut bewährt. Grüße aus Wien Markus

09.06.2016

Hallo zusammen, ich habe Leimholzplatten (1800 x 1210 x 20mm) mit durchgehenden Lamellen beim Schreiner gekauft und im Keller gelagert. 5 Platten in Folie eingeschweißt stehend gelagert, die sind immer noch gerade. Eine Platte ausgepackt und waagerecht gelagert und nach 2 Tagen völlig krumm (3-4 Zentimeter). Luftfeuchtigkeit ca. 80%. Liegt das an der waagerechten Lagerung und vor allem, wie bekomme ich die wieder gerade? Hat jemand Erfahrung, was passiert, wenn ich die jetzt längs zerteile, was sicher gehen würde. Im Wohnzimmer wo das Möbel später steht, sind ca. 60% Luftfeuchtigkeit. Danke für alle Hinweise Gruß, Thomas

09.06.2016

Hallo Thomas, du kannst die Platte auf Böcke legen, so dass sie rundum gut belüftet ist. Die Hohle Seite sollte dabei nach oben liegen. Du kannst die Platte auch grob zuschneiden, die Einzelteile mit Zwischenleisten stapeln und hoffen, dass es besser wird. Eine Garantie dafür gibt es jedoch nicht. Gruß Heiko

09.06.2016

Hallo Heiko, danke für die super schnelle Antwort, ich werde das gleich mal machen. Aber was muss ich denn nächstes Mal anders machen? Die Platten solange in Folie eingeschweißt lassen, bis kurz vor dem Zuschnitt? Oder?? Kann ja nicht jedes Mal für 150-200€ Material "wegwerfen". Gruß, Thomas

11.06.2016

Hallo Thomas, ich gehe bei solchen Platten immer so vor, dass ich sie immer erst direkt vor dem Zuschnitt auspacke. Dann schneide ich zu und stapele die Teile so auf, dass sie gleichmäßig der Umgebungsluft ausgesetzt sind. Im Klartext also mit ausreichend starken (18-20mm) Leisten dazwischen. Gruß Heiko

03.01.2017

Hallo Heiko, habe mir 26 mm starke Lamellenplatten aus Eichenholz (Lamellen sind nicht durchgehend) mit den Maßen 300*122 cm gekauft. Lagerten beim Händler im freien unter Dach. Nach Anlieferung durch den Händler und genauerem begutachten meinerseits viel mir auf, dass die Platten alle schön krumm waren. Habe sie danach auf Stapelleisten luftig gelagert und nach ca. 1 Woche waren sie wieder ziemlich grade. Ich habe die Platten dann grob aufgetrennt und dabei kamen ordentliche Spannungen im Holz heraus. Die waren teils so stark, dass ich nur immer ca. 10 cm schneiden konnte und dann das Sägeblatt klemmte. Die Schnittkanten sind jetz natürlich auch nicht mehr gerade und das Holz hat sich wieder gekrümmt. Hilft es was, die einzelnen Platten punktuell zu beschweren, so dass sie wieder gerade sind und die konkave Seite mit einem Lappen zu befeuchten? Lagern tu ich sie derzeit im Keller, der nicht direkt beheizt wird, Lufttemperatur ca. 12°. Aus den Platten soll ein Himmelbett und 2 Nachtkästchen entstehen. Weiter Bedenken habe ich zwecks den Spannungen im Holz. Wenn ich jetz anfange, meine benötigten Maße herauszuschneiden, kanns mir ja wieder passieren, dass durch die Spannungen Verzug gibt. Wie kann ich da vorgehen? Danke und Gruß aus Bayern, Andi

04.01.2017

Hallo Andi, die Lagerbedingungen bei dir und beim Händler sind denkbar schlecht. Als erstes solltest du dir einen trockenen Lagerplatz suchen und die Platten wie gezeigt stapeln und sich akklimatisieren lassen. Wichtig ist eine konstante Luftfeuchte, die in etwa der im Wohnraum entspricht. Die Plattenform verleitet dazu, dass man vergisst, dass auch Leimholz nichts anderes als Massivholz ist. Das gilt es auch bei der Konstruktion zu berücksichtigen. Das Holz muss auch im verbauten Zustand arbeiten können. Die Regeln, die beim Bau von Massivholzmöbeln gelten müssen auch bei Leimholz eingehalten werden, also z.B: - Brettflächen müssen arbeiten können - Keine langen quer zu Längs-verleimungen etc. Gruß Heiko

04.01.2017

Hallo Heiko, danke für die schnelle Antwort. Ich werde die nächsten Tage einen Teil des Holzes ins beheizte Erdgeschoss auf Stapelleisten übereinander stapeln. Alle Plattenteile bekomme ich jedoch nicht untergebracht. Ich möchte mit dem Bett beginnen, danach die Nachtkästchen anfertigen. Deshalb hätte ich erst einmal die Platten für das Bett ins beheizte EG gebracht und verarbeitete, dann die Platten für die Nachtkästchen. Wie lange muss ich deiner Erfahrung nach rechnen, bis die Platten die Ausgleichsfeuchte im Wohnraum angenommen haben? Danke und Gruß, Andi

04.01.2017

Hallo Andreas, wie lange das Holz braucht um sich zu akklimatisieren lässt sich nicht pauschal sagen. Es kommt darauf an, wie die Anfangsfeuchte ist und wie das Klima im Lagerraum ist. Am sichersten wäre es, die Feuchte mit einem Messgerät zu bestimmen. Ohne ein solches Gerät bliebe noch die Möglichkeit einfach das Breitenmaß jeden Tag zu prüfen und die Veränderungen zu kontrollieren. Tritt keine messbare Veränderung mehr ein, sollte die Akklimatisierung auch abgeschlossen sein. Diese Methode ist nicht so genau, aber besser als überhaupt kein Anhaltspunkt. Gruß Heiko

21.03.2017

Hallo Heiko, ich habe Leimholzplatten (2,8 cm dick) gekauft, die nach meiner Einschätzung beim Kauf noch sehr gerade waren. Nun standen sie ein paar Tage in einem Vorraum, der recht warm ist, dadurch haben sich die Platten offensichtlich etwas verbogen. Ich habe das erst beim Zusammenbauen einen Regals bemerkt, bei den mittleren Schrauben ist eine kleine "Kluft" unter den Seitenteilen. Ich hatte gehofft, es zieht sich durch das Anschrauben noch etwas gerade, leider nein. Was kann ich jetzt noch tun? Das Regal muss in einer Woche fertig sein, es. ist ein Geschenk für mein Kind... Vielen Dank und liebe Grüße Susanne

22.03.2017

Hallo, was meist hilft ist eine korrekte Lagerung der Platten über einen längeren Zeitraum hinweg. Dann kann das Holz sich wieder gleichmäßig der Umgebungsfeuchte anpassen und wird in der Regel auch wieder gerader. Aber leider wird das in so kurzer Zeit wohl nicht mehr gelingen. Gruß Heiko

22.03.2017

Hallo Heiko, ich habe Leimholzplatten (2,8 cm dick) gekauft, die nach meiner Einschätzung beim Kauf noch sehr gerade waren. Nun standen sie ein paar Tage in einem Vorraum, der recht warm ist, dadurch haben sich die Platten offensichtlich etwas verbogen. Ich habe das erst beim Zusammenbauen einen Regals bemerkt, bei den mittleren Schrauben ist eine kleine "Kluft" unter den Seitenteilen. Ich hatte gehofft, es zieht sich durch das Anschrauben noch etwas gerade, leider nein. Was kann ich jetzt noch tun? Das Regal muss in einer Woche fertig sein, es. ist ein Geschenk für mein Kind... Vielen Dank und liebe Grüße Susanne

22.03.2017

Oje, jetzt hat es den alten Kommentar noch mal geschickt. Erstmal Danke für die Antwort. Ich habe die Platten jetzt erstmal wie oben beschrieben gelagert. Allerdings habe ich nur in der Garage Platz, wie hoch die Luftfeuchtigkeit dort ist, weiß ich nicht. Hilft es, die Platten etwas einzusprühen? Und die gebogene Seite nach oben oder nach unten? Vielen Dank. Susanne

23.03.2017

Hallo Susanne, das Einsprühen auf einer der nach innen gebogenen Seite kann helfen. Meiner Erfahrung nach funktioniert das aber nur sehr selten. Das Holz wird dann durch das Wasser auch sehr rau und muss neu geschliffen werden. Gruß Heiko

11.08.2017

Hallo, ich hätte dazu eine Frage...wir wollen 2 Massivholz Eichenbohlen an einer Seite besäumen, die andere Seite lassen...die besäumten Seiten sollen miteinander verleimt werden, so dass eine rustikale Tischplatte entsteht. Diese Tischplatte widerum soll auf ein hergestelltes Eisengestell, ein X-förmiges. Oben auf dem X ist ein durchgehendes Quer-Metallband, um die Platte vernünftig anschrauben zu können. Jetzt wurden wir gewarnt, dass es zu Querspannungen kommen, wenn wir die Bohle so fest an das Gestell verschrauben....was bedeutet das, und wie könnte man es verhindern? LG Alex

12.08.2017

Hallo, ich würde von dieser Art einen Tisch zu bauen abraten. Wenn man zwei Bohlen auf diese Weise zu einer Platte verleimt ist das ein Garant dafür, dass sich die Platte stark verziehen wird. Das Tischgestell müsste schon sehr massiv sein, um dieser Kraft entgegen wirken zu können. Generell gilt bei solchen Tischgestellen, dass die Schrauben in Langlöchern sitzen müssen und nicht ganz fest angezogen werden. Dann kann die Tischplatte sich im Rahmen der Langlöcher noch bewegen. Gruß Heiko

21.11.2018

Hallo Heiko, ich bekomme bald Zirbenholz aus Österreich fertig abgerichtet und gehobelt in der Größe 1500x150x19. Diese Bretter werden dann erstmal gelagert und nach und nach für den Bau von Möbeln verwendet. Die Frage ist, wie ich dieses Holz am besten lagern sollte, um es gegen nachträglichen Verzug zu schützen. Kann ich es im Keller (ungeheizt / leicht feucht) oder der Garage lagern? Oder lieber im Wohnraum irgendwo? Soll ich es verpackt lassen? Viele Grüße Benjamin

21.11.2018

Hallo Benjamin, ich bin kein Experte bei diesem Thema, aber ich würde das holz auf jeden Fall erst einmal draußen lagern, so dass die Luft zwischen den einzelnen Bohlen durchkommt, von oben abgedeckt und absolut gerade gestapelt. Im Keller oder gar in der Wohnung trocknet das Holz zu schnell und würde Risse bekommen. ich würde das Holz frühestens nach einem Jahr nach drinnen holen. Es gibt auch ein Buch zu dem Thema Holztrocknung hier im Shop. Vielleicht wäre das eine interessante Lektüre für dich. Gruß Heiko

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