Manchmal muss man sich herantasten

Bereits vor einigen Wochen habe ich hier über das Schneiden von Gehrungen geschrieben:

https://www.holzwerken.net/Blog/Heiko-Rech/So-meistern-Sie-jeden-Winkel

Aber auch digitale Messgeräte geraten schnell an de Grenzen, wenn die zu verbindenden Teile breiter werden. Dann werden auch die Gehrungen schwieriger zu schneiden, da bereits kleinste Abweichungen enorme Auswirkungen haben. Ob die Gehrungen dicht werden oder nicht ist von zehntel Grad abhängig.

Wie geht man da am besten vor? Das ist schwer zu sagen. Ich bin mir auch nicht sicher, ob es „die beste Methode“ überhaupt gibt. Daher zeige ich Ihnen die Methode, die bei mir gut funktioniert.

Zunächst einmal länge ich mir die Teile rechtwinklig auf die benötigten Maße ab. Bei einem Rahmen sind das die genauen Außenmaße, die der Rahmen später haben soll. Erst dann geht es an die Gehrungsschnitte. Den Anschlag stelle ich dann wie im oben verlinkten Artikel gezeigt mit dem digitalen Winkelmesser so genau wie möglich ein.

Die Rahmenhölzer werden genau abgelängt, aber eben nicht auf Gehrung, sondern im 90! Winkel

Die Rahmenhölzer werden genau abgelängt, aber eben nicht auf Gehrung, sondern im 90! Winkel

Der Ablänganschlag wird auf 45° eingestellt.

Der Ablänganschlag wird auf 45° eingestellt.

Mein Zutrauen in diese Methode ist zwar hoch, aber nicht so hoch, dass ich es wage, die Rahmenteile direkt richtig auf Gehrung zu schneiden. Ich stelle den Ablänganschlag etwa einen Zentimeter länger ein. Dadurch endet der Schnitt nicht genau auf der Spitze. Es bleibt ein Stück gerade stehen. Das gibt mir die Möglichkeit den Winkel noch zu korrigieren, ohne dass ich mir die Rahmenhölzer verschneide. Ich brauche dann auch keine Probestücke zu schneiden, sondern arbeite direkt mit den richtigen Werkstücken.

Probeschnitte an den original Werkstücken machen es möglich den Winkel 1:1 zu kontrollieren.

Probeschnitte an den original Werkstücken machen es möglich den Winkel 1:1 zu kontrollieren.

Die Gehrungsschnitte werden kürzer ausgeführt, als das Werkstück lang ist.

Die Gehrungsschnitte werden kürzer ausgeführt, als das Werkstück lang ist.

An alle Rahmenteile schneide ich auf diese Weise die Gehrungen an. Die endgültige Prüfung, ob alles passt, erfolgt dann mit einem angesetzen Bandspanner. Sind alle Gehrungen dicht, stimmt die Einstellung der Säge. Sind die Gehrungen nicht dicht, geht das Spiel von Neuem los. Der Winkel am Anschlag wird korrigiert und alle Teile werden noch einmal leicht nachgeschnitten.

Endkontrolle mit dem Bandspanner. Erst unter Druck zeigt sich, ob die Gehrungen wirklich dicht werden.

Endkontrolle mit dem Bandspanner. Erst unter Druck zeigt sich, ob die Gehrungen wirklich dicht werden.

Wenn die Winkeleinstellung steht, geht es an das endgültige Ablängen der Rahmenteile. Und hier kann man schon wieder in eine Falle tappen, die am Ende zu einem ungenauen Ergebnis führt. Die Falle lauert am Anschlagreiter. Bei vielen Sägen ist dieser zum Hochklappen, oder er ist an den Kanten leicht abgerundet. Und genau darin liegt das Problem. Schneidet man an ein Werkstück eine Gehrung an und dreht es dann, um das andere Ende zu sägen, kann die Spitze der Gehrung sich unter den Anschlagreiter drücken, oder sie drück diesen nach oben. Am Ende hat man dadurch schnell eine Ungenauigkeit von mehreren zehntel Millimetern.

Die Spitze schiebt sich gerne mal unter den Anschlagreiter.

Die Spitze schiebt sich gerne mal unter den Anschlagreiter.

Damit mir das nicht passiert, habe ich mir angewöhnt die beiden Schnitte nicht mit einer Einstellung zu sägen. Beim ersten Schnitt liegt dann noch das stumpfe Ende am Anschlagreiter an. Mit dieser Einstellung schneide ich an allen Rahmenteilen ein Ende genau auf Gehrung. Sodass am Ende auch eine Spitze entsteht. Danach erst drehe ich alle Teile um und stelle den Anschlagreiter bei Bedarf noch etwas nach, damit auch am anderen Ende eine volle Gehrung angeschnitten wird. Eine angesetzte Schraubzwinge verhindert dabei dass sich der Anschlagreiter nach oben drückt, oder in anderer Weise nachgibt.

Beim ersten Schnitt liegt noch keine Spitze am Anschlag an.

Beim ersten Schnitt liegt noch keine Spitze am Anschlag an.

Sägt man genau auf die Spitze, stimmt auch das Außenmaß der Rahmenhölzer

Sägt man genau auf die Spitze, stimmt auch das Außenmaß der Rahmenhölzer

Eine angesetzte Schraubzwinge verhindert, dass sich der Reiter nach oben drückt.

Eine angesetzte Schraubzwinge verhindert, dass sich der Reiter nach oben drückt.

Das mag sich jetzt nach viel Aufwand für so etwas einfaches wie einen Rahmen auf Gehrung anhören und das ist es auch. Es soll Maschinen geben, bei denen man einfach nur einstellt, sägt und alle passt. Meine gehören leider nicht dazu. Dennoch will ich möglichst perfekte Ergebnisse haben, die ich auf die gezeigte Weise erreiche. Von daher passt das für mich (im wahrsten Sinne des Wortes).

Das Ergebnis der Mühen: perfekte Gehrungen auch an breiten Rahmenteilen.

Das Ergebnis der Mühen: perfekte Gehrungen auch an breiten Rahmenteilen.

Und welche Tipps und Tricks haben Sie für das Schneiden von Gehrungen? Wie genau sägt Ihre Maschine? Schreiben sie es mir und allen anderen Lesern doch in die Kommentare.

Wissen. Planen. Machen. Das ist das Motto der Zeitschrift HolzWerken, dem Magazin für den Holzwerker.
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Kommentare

05.09.2018

Sieht perfekt aus! Wir können einiges aus Deinem Blog mitnehmen. Auch für unsere Arbeit sind solche Tipps, Tricks und Hinweise interessant, wenn mal etwas nicht so funktioniert, wie man möchte. Da ist Dein Blog wirklich eine gute Möglichkeit einiges zu lernen. Auch wir arbeiten mit Holz, jedoch in Behindertenwerkstätten im Ruhrgebiet und stellen vielerlei Produkte her. Wir behalten Deinen Blog im Auge :) Dein Dasmaranda-Team https://dasmaranda.de/de/liegestuhl-holz-klappbar/

13.09.2018

Guter Tipp

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