Jetzt wird’s wieder schräg!

Winkel bis 45° können auf den meisten Tischkreissägen noch gut mit dem Schiebeschlitten gesägt werden. Wer das Glück hat eine Formatkreissäge mit Schiebeschlitten zu besitzen, kann darauf auch problemlos sehr flache Schrägen schneiden. Haben Sie keine solche Säge, können Sie sich aber das Prinzip des Schiebeschlittens auch am Parallelanschlag zunutze machen und daran solche Schrägschnitte sicher und genau ausführen. Und das auch in Serie. Das Schöne daran ist, Sie müssen keine aufwendige Vorrichtung bauen. Sie benötigen nur ein Hilfsbrett und ein paar Holzklötzchen.

Eine Platte mit einem Winkel von 45° sägen ist meist kein großes Problem.

Eine Platte mit einem Winkel von 45° sägen ist meist kein großes Problem.

Von solchen Experimenten sollten Sie die Finger lassen.

Von solchen Experimenten sollten Sie die Finger lassen.

Wer schon länger die Zeitschrift HolzWerken liest, ist vielleicht schon einmal über diese Methode gestolpert, da ich sie sehr gerne anwende. Leider ist der Platz in einem Artikel oft ein wenig begrenzt und ich kann solche Details nicht sehr ausführlich erklären. Hier auf dem Blog ist das anders und ich nutze die Gelegenheit, um Ihnen die Methode einmal genauer vorzustellen.

Die Aufgabenstellung ist, an ein rechteckiges Werkstück eine sehr flache Schräge zu sägen. Mit dem Schiebetisch der Säge und dessen Anschlag nicht ganz einfach. Das zu sägende Werkstück ist schmal und lang. Keine guten Voraussetzungen um es vernünftig an das Anschlaglineal anzulegen. Nahezu unmöglich wird es werden, zwei gleich große Teile in dieser Form zu sägen. Die Lösung liegt im Parallelanschlag.

Sie benötigen ein dünnes Brett, das mindestens so breit ist wie ihr Werkstück, besser etwas breiter. Es ollte mindestens 50mm länger sein, als Ihr Werkstück. Dann brauchen sie noch doppelseitiges Klebeband. Ich bin der Meinung, das sollte in keiner Werkstatt fehlen und auch niemals ausgehen. Ich könnte auf viele Dinge in der Werkstatt  verzichten, nicht aber auf doppelseitiges Klebeband. Fertigt man mehrere gleiche Stücke an, benötigt man noch ein paar Resthölzer als Anschlagklötzchen.

Das Brett, am besten aus dünnem Sperrholz, muss genau parallel geschnitten werden. Stellen sie also den Parallelanschlag der Tischkreissäge so ein, dass Sie eine gerade Kante an dieses Brett schneiden. Das wird sozusagen der Schiebetisch. Der Parallelanschlag der Tischkreissäge darf nun nicht mehr verstellt werden. Das genaue Maß, auf das dieses Brett geschnitten wird ist vollkommen unwichtig.

Das Grundbrett, sozusagen der Schiebetisch wird parallel geschnitten. Das genaue Maß ist nicht wichtig.

Das Grundbrett, sozusagen der Schiebetisch wird parallel geschnitten. Das genaue Maß ist nicht wichtig.

Als zweiten Schritt zeichnen Sie die benötigte Schräge direkt auf dem Werkstück an. Am besten machen Sie nicht nur zwei Punkte, sondern eine dünne, durchgehende Linie. Nun kommt das Klebeband zum Einsatz. Einige Stücke werden direkt auf die Seite des Werkstückes geklebt, die beim Schnitt unten liegen soll. Nun wird das vorbereitete Brett (der Schiebetisch- Ersatz) auf das Werkstück geklebt. Mit der angesägten Kante direkt auf die gezeichnete Linie. Ihr Werkstück liegt jetzt sozusagen auf dem Schiebetisch.

Die Schräge wird auf dem Werkstück angezeichnet, das doppelseitige Klebeband kommt zum Einsatz.

Die Schräge wird auf dem Werkstück angezeichnet, das doppelseitige Klebeband kommt zum Einsatz.

Das Schiebebrett wird genau auf den Riss geklebt.

Das Schiebebrett wird genau auf den Riss geklebt.

Müssen Sie nur ein solches Teil sägen, war’s das auch schon. Die beiden zusammengeklebten Bretter werden jetzt einfach mit Hilfe des Parallelanschlages am Sägeblatt entlang geschoben. Fertig ist Ihr schräg geschnittenes Werkstück. Sicher und präzise geschnitten.

Beides zusammen wird am Parallelanschlag entlang geführt - Ein Schrägschnitt, wie auf der Formatkreissäge.

Beides zusammen wird am Parallelanschlag entlang geführt – Ein Schrägschnitt, wie auf der Formatkreissäge.

Das Ergebnis

Das Ergebnis

Sollen mehrere gleiche Teile geschnitten werden, leimen oder schrauben Sie einige Klötzchen an den Kanten Ihres Werkstückes anliegend auf das Schiebebrett auf. So können Sie sich das Aufkleben der weiteren Bretter ersparen. Sie stellen dadurch aus sicher, dass alles geschnittenen Werkstücke die gleichen Abmessungen haben.

Gleichmacher: Klötzchen als Anschläge sorgen für Wiederholgenauigkeit.

Gleichmacher: Klötzchen als Anschläge sorgen für Wiederholgenauigkeit.

Ihr Schiebebrett sollte breit genug sein, damit die Hände ausreichend Platz haben.

Ihr Schiebebrett sollte breit genug sein, damit die Hände ausreichend Platz haben.

Werden die Werkstücke zu klein, um sie sicher beim Schnitt im Schiebebrett zu halten, nutzen Sie einen Kniehebelspanner, oder kleben Sie jedes Werkstück zur Sicherheit wieder mit doppelseitigem Klebeband fest.

Natürlich können Sie solche Schnitte auch mit schräg gestelltem Sägeblatt machen. Korrekturen am Gesamtmaß werden ganz einfach durch das Verstellen des Parallelanschlages durchgeführt.

Noch schräger wird’s mit geschwenktem Sägeblatt.

Noch schräger wird’s mit geschwenktem Sägeblatt.

Wie Sie sehen, kann man auch mit einfachen Mitteln anspruchsvolle Aufgaben meistern.

Wissen. Planen. Machen. Das ist das Motto der Zeitschrift HolzWerken, dem Magazin für den Holzwerker.
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Kommentare

25.09.2015

Hallo Heiko, danke für diesen hilfreichen Beitrag, der kam genau zur richtigen Zeit. Ich baue gerade ein paar Bücherregale und musste sie an die Dachschräge anpassen. Viele Grüße, Thomas

26.09.2015

Hallo Heiko, wieder mal sehr findig und lehrreich. Grüße aus Mittelfranken, Axel

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