Fügen auf dem Frästisch

Ich habe derzeit keine Abrichthobelmaschine. Ich brauche sie nicht. Manchmal aber muss ich viele Kanten abrichten. Mit dem Handhobel ist das recht zeitraubend. Klar, eine oder zwei Kanten, dafür werfe ich keine Maschine an. Aber heute lag hier ein Stapel von gut 40 Holzteilen, die alle eine saubere, gerade Kante brauchten, rechtwinklig zur bereits gehobelten Fläche. Da greife ich gerne mal auf den Frästisch zurück. Er kann zwar keine Hobelmaschine ersetzen, aber Kanten fügen, das geht damit wunderbar, sauber, sicher und schnell.

Diese ganzen Kanten wollen abgerichtet werden. Mit dem Handhobel dauert das lange.

Diese ganzen Kanten wollen abgerichtet werden. Mit dem Handhobel dauert das lange.

Um auf dem Frästisch zu fügen, benötigt man einen Fräser mit einem möglichst großen Durchmesser. Ich nehme meinen größten Fräser, meinen einen Falzkopf mit Wendemessern, der hat 50mm Durchmesser und ist 30mm hoch. Je größer der Durchmesser, umso sauberer wird das Fräsbild. Der Fräsanschlag wird jetzt so eingestellt, dass der höchste Punkt am Schneidenflugkreis des Fräsers mit der Vorderkante des Fräsanschlages fluchtet. Vereinfacht ausgedrückt, der Fräser wird bündig zum Anschlag eingestellt. Und das möglichst genau.

Ein möglichst großer Fräser wird im Frästisch montiert.

Ein möglichst großer Fräser wird im Frästisch montiert.

Der Anschlag muss mit dem Schneidenflugkreis auf einer Linie liegen.

Der Anschlag muss mit dem Schneidenflugkreis auf einer Linie liegen.

Prüfen kann man die Einstellung recht gut mit einem, geraden Holzstück. Das legt man an den Anschlag und dreht den Fräser gegen die Laufrichtung. Schabt er am Holz, oder drückt es sogar weg, steht der Fräser noch vor, der Anschlag muss nach vorne. Nähert man sich der richtigen Einstellung, dreht man den Fräser in Laufrichtung. Wenn er das am Anschlag liegende Holz gerade so zu fassen bekommt und ca. 1-2mm verschiebt, hat man die richtige Einstellung.

Schiebt man jetzt ein Stück Holz am Anschlag und dem laufenden Fräser vorbei passiert nichts. Der Fräser nimmt kein Material ab. Das tut er erst dann, wenn rechte Anschlagbacke gegenüber der linken nach hinten versetzt wird. Im Prinzip haben Sie nun eine flach liegende Abrichthobelmaschine. Je weiter der rechte Anschlag nach hinten verstellt wird, umso mehr Material nimmt der Fräser weg.

Der rechte (vordere) Anschlag wird nach hinten versetzt.

Der rechte (vordere) Anschlag wird nach hinten versetzt.

Ihr Anschlag hat aber keine rechte Backe, die nach hinten verstellt werden kann? Auch kein Problem. Dann unterfüttern Sie einfach die linke Seite des Anschlages ein wenig. Mit ein wenig sind 1-3 Millimeter gemeint. Je nachdem, ob Sie einen kleinen Fräser und eine schwächere Oberfräse verwenden, oder einen großen Fräser in einer starken Oberfräse. Je stärker die Fräse und je größer der Fräser, umso mehr kann auf einmal weggefräst werden.

Sind die Einstellungen gemacht, denken Sie an Ihre Finger. Nutzen Sie eine Schutzvorrichtung, die verhindert, dass Ihre Finger in Kontakt mit dem Fräser kommen können. Und schon kann es losgehen. Die krumme Kante wird nun am Anschlag entlang, am Fräser vorbei geführt. Ist die Kante hohl, umso besser, dann brauchen Sie die Kante wirklich nur vorbei zu schieben und möglichst früh Druck gegen den linken (hinteren) Anschlag ausüben. Ist die Kante bauchig, wird es ein wenig schwieriger. Dann üben Sie zunächst Druck auf das Ende des rechten (vorderen) Anschlag aus. Ihr Holz bewegt sich am anderen Ende vom Anschlag weg. Nun schieben Sie das Holz an den Fräser. Erst wenn es den linken (hinteren) Anschlag erreicht, geben Sie auch Druck gegen diesen und halten den Druck dort.

Schutz ist wichtig! Der Fräser muss abgedeckt werden.

Schutz ist wichtig! Der Fräser muss abgedeckt werden.

Hohle Kante? Kein Problem, einfach am Anschlag entlang schieben.

Hohle Kante? Kein Problem, einfach am Anschlag entlang schieben.

Bauchige Kante? Das ist etwas schwieriger, der Druck muss im richtigen Moment richtig ausgeübt werden

Bauchige Kante? Das ist etwas schwieriger, der Druck muss im richtigen Moment richtig ausgeübt werden

Diese Methode hat aber ihre Grenzen. Natürlich ist die Materialstärke der Werkstücke durch die Länge des Fräsers begrenzt. Die Länge der Werkstücke sollte das doppelte der ganzen Anschlaglänge auch nicht überschreiten, sonst wird das Abrichten zunehmend schwieriger. Und nicht zu letzt muss der Fräser exakt rechtwinklig zum Maschinentisch stehen. Probieren Sie es ruhig mal aus. Wenn man ein wenig Übung hat, funktioniert das wirklich gut.

So soll es sein, die Kante ist gerade ...

So soll es sein, die Kante ist gerade …

... und rechtwinklig.

… und rechtwinklig.

Meine 40 Kanten waren inklusive Einrichten des Frästisches in 20 Minuten gerade und absolut rechtwinklig. Mit einer Abrichthobelmaschine kann ich es mit meinem Frästisch zwar nicht aufnehmen, schneller, als mit dem Handhobel war ich aber schon. Schließlich musste ich dank Absaugung auch keine Späne wegfegen.

Wissen. Planen. Machen. Das ist das Motto der Zeitschrift HolzWerken, dem Magazin für den Holzwerker.
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Kommentare

18.10.2015

Hallo Herr Rech Von wo beziehen Sie Ihre Fräswerkzeuge? Hab gerade bei Sautershop nachgesehen, da kostet dieser Falzfräser 50x30mm über €100 , was mir ziemlich teuer erscheint oder muß man mit dieser Preisklasse rechnen?

19.10.2015

Hallo Herr Kalff, ich verwende Fräser ganz unterschiedlicher Hersteller aus unterschiedlichen Quellen. Der hier abgebildete Fräser ist sehr teuer, egal, bei welchem Händler man ihn kauft. Dazu kommt noch ein spezieller Aufnahmedorn, der je nach verwendeter Fräse gekauft werden muss. Dennoch bereue ich den Kauf dieses Fräsers nicht, da er wirklich sehr gut und nützlich ist. Gruß Heiko Rech

20.10.2015

Hallo Herr Rech, haben sie Erfahrung mit dem Verleimfräser (491034) von Festool. Gruß Markus Weidner

21.10.2015

Hallo Herr Weidner, ich habe mit diesem Fräser keine Erfahrung. Das hat auch einen ganz einfachen Grund: Ich halte dise Verleimfräsungen für unnötig. Eine gut gefügte, stumpfe Leimfuge, die richtig verleimt wurde, ist immer stabiler, als das umgebende Holz. Die vergrößerte Leimfläche, die ein Verleimprofil erzeugt, benötigt man also nicht. Der einzige Vorteil ist das einfache Ausrichten der einzelnen Holzteile zueinander. Da benutze ich, wenn es notwendig ist, ein paar Flachdübel. Das geht schnell und einfach. Die Verleimfräser sind schwierig einzustellen, teuer und die Fuge sieht auch nicht schön aus. Für mich persönlich ergeben sie daher keinen Sinn. Gruß Heiko Rech

14.11.2015

Hat der Profi Erfahrung mit einer 2 m langen Leimfuge ? Mir genügt die Leimfuge von Herrn Rech.

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