Viele Dinge in unserer Welt sind standardisiert, manche jedoch nicht: Unseres Wissens gibt es zum Beispiel keine Norm, die die Drehrichtung von Oberfräsen festlegt. Doch zum Glück gibt es hier keine zwei Meinungen: Alle Handoberfräsen haben die gleiche Drehrichtung. Also passen auch alle Fräser mit dem richtigen Schaftdurchmesser in jede Maschine. Und die Fräswerkzeuge sind auch der Grund für die an sich überraschende Einheitlichkeit über alle Marken hinweg. Schaftfräser werden seit der Erfindung der Oberfräse vor etwa 120 Jahren in den USA schlicht mit nur einer Arbeitsdrehrichtung hergestellt. Und das ist auch gut so. Es gäbe ein heilloses Tohuwabohu, wenn auch gegenläufige Fräser in der Werkzeugschublade lägen. So bleibt es für alle einfach; zum Beispiel müssen Maschinen und ihre Spannzangen nicht für die umgekehrte Drehrichtung ausgerüstet werden. Und es kommt nicht zu bedenklichen Situationen, wenn Fräser gar nicht erst entgegen ihrer vorgesehenen Drehrichtung betrieben werden können. Nur: Merken muss man sich die Drehrichtung natürlich. Denn sie ist entscheidend bei der Frage, ob ich die Oberfräse von links nach rechts an einer Werkstückkante entlangführe oder umgekehrt. Denken Sie beim Fräsen immer an eine analoge Armbanduhr: So wie sich hier der Zeiger dreht, dreht sich auch der Fräser in der Oberfräse im Uhrzeigersinn. Damit sich der Vorschub und der Weg der Fräserschneiden im Holz immer entgegenstehen – nur so bleibt die Fräse kontrollierbar – gelten diese Regeln:
- Außenkanten eines Bretts werden gegen den Uhrzeigersinn umfahren.
- Innenkanten (zum Beispiel bei Ausschnitten) umfahren Sie im Uhrzeigersinn.
Wird die Oberfräse „über Kopf“ in einen Frästisch eingebaut, ändert sich die Drehrichtung aus Benutzersicht natürlich. In allen normalen Frässituation gilt hier die Regel: Das Holz wird immer von recht nach links am Werkzeug vorbeigeführt.
Illustration: Willi Brokbals
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5 Kommentare
und wenn ich in ein Brett eine „Saftrille“ einfräsen will, (das ist dann ja weder außen noch innen) wie ist da die Vorschubrichtung? Ich würde vermuten im Uhrzeigersinn, oder?
Norbert Heemann, Lüneburg
Bei Saftrillen ist es tatsächlich einerlei, wie herum die Vorschubrichtung läuft.
Bei Saftrillen und Nuten im Allgemeinen geht vom falschen Vorschub zwar keine große Gefahr aus, trotzdem ist die Kontrollierbarkeit von der Richtung abhängig. Für gerade Rillen wird man mit einem an der Fräse montierten Anschlag oder besser noch mit einem Rahmen (einfacher in den Ecken) arbeiten. Beim Anschlag orientiert man sich gewisserweise außen, beim Rahmen wird die Fräse innen geführt. Entsprechend sind die Richtungen auch entgegen bzw. mit dem Uhrzeigersinn zu wählen. Beachtet man das nicht, läuft der Fräser leicht vor der Führung weg, also aus dem Brett oder zu weit in Mitte hinein, wenn man das Werkzeug nicht mit viel Kraft seitlich an die Führung drückt.
Man kann es sich so vorstellen, dass beim Nuten der Fräser nur an der Vorderseite schneidet (hinter dem Fräser ist ja das Material schon weg, an den seitlichen Rundungen gleichen sich Kräfte teilweise aus). Damit sind die Schneidkräfte quer zum Vorschub gerichtet und drücken das Werkzeug bei Berücksichtigung der genannten Regeln von selbst an die Führung heran.
Beim Fräsen von Kanten (aussen oder innen) kann man eine sehr einfache „Daumenregel“ anwenden, um die Richtung für den Vorschub zu ermitteln. Man spreizt Daumen und Zeigefinger der rechten (!) Hand in einem 90 Grad Winkel voneinander ab. Wenn man nun neben der Kante mit dem Daumen auf das Werkstück zeigt, dann deutet der Zeigefinger parallel der Kante in Richtung des richtigen Vorschubs.
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