Blog Stefan Benner

Von Null Plan zum Späneprofi

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Den kenn’ ich doch! Zumindest hoffe ich, dass meine YouTube Präsenz irgendwo seine Spuren hinterlassen hat. Und sollte dies nicht der Fall sein, dann machen wir das klassisch. Stefan Benner werde ich für gewöhnlich genannt. Baujahr 1986, gelernter Feinwerkmechaniker (Metalltechnik-Drehen-Fräsen) und hauptberuflich als Maschinenbauingenieur in der Entwicklung der Automobilbranche tätig.

In den kommenden Monaten gehts rund hier. Es sind zahlreiche Blogs zum Thema Drechseln geplant.

Wie kam ich zum Thema Holzwerken? Als wir 2016 unser Haus bezogen haben, sollte ein Bett für die Tochter her, natürlich aus Massivholz. Bleib mir weg mit dem Pressspanzeug, habe ich mir gedacht. Ich hatte richtig Bock wieder etwas mit meinen Händen herzustellen und es wurde ein Bett aus Fichte gebaut. 2020 startete mein YouTube-Kanal „Kunsthandwerk-Benner“.

Das erste Projekt war dieser Hocker, der ausschließlich mit Handwerkzeugen aus einem säge rauen Brett gefertigt wurde. Damals wurde ich von den YouTube-Videos von Dominik Ricker inspiriert, wo auch viel mit Handwerkzeugen gebaut wurde „Altes Handwerk“. Unfassbar anstrengend war die Umsetzung des Projekts und hat mich Respekt vor den alten Handwerkern gelehrt, wo die Werkzeuge nur mit Muskelkraft angetrieben wurden. Die Jungs müssen fit gewesen sein.

Hocker aus Eiche mit Schwalbenschwanzzinken

Drechseln für Einsteiger

„Wie bist du eigentlich zum Drechseln gekommen“ werde ich oft gefragt. Zugegeben, drechseln ist schon sehr speziell. Viele wissen gar nicht, dass so ein geiles Handwerk überhaupt existiert. Und wenn es jemand weis, dann wird meist vom Opa erzählt, der vor grauer Vorzeit Kerzenständer und Treppengeländer gedrechselt hat. Auch hier habe ich mir Inspirationen aus YouTube geholt und wurde auf das Drechslerhandwerk aufmerksam. Schnell wurde eine „Drechselbank“ mit Bohrmaschinenantrieb und „Drechseleisen“ aus der DDR besorgt für die ersten Gehversuche. Naja, drechseln konnte man das nicht nennen, eher rumkratzen.

Die erste Maschine, die den Namen Drechselbank verdient hat, war die Holzstar DB 450. Eine wirklich solide Maschine. Eine frei wählbare Drehzahl hat sie noch nicht, was ein wirkliches Sicherheitsmerkmal ist, gerade wenn man Schalen drechseln möchte. Apropos Schalen, keine Ahnung vom Schärfen der Drechseleisen, falsches Drechseleisen, falsch gehalten, böse eingehakt und BÄÄM, Schale rausgeflogen! Kurz gesammelt, Feierabend für heute.

Drechselbank Holzstar DB 450

Viele Videos und weitere Stunden an der Drechselbank später hatte ich den Dreh raus. Das faszinierende am Drechseln ist, dass man ein beliebiges Stück Holz einspannen kann und sehr schnell zu Ergebnissen kommt. Man sollte jedoch als absoluter Anfänger ohne Anleitung keine Schalen drechseln, das hat mir damals keiner gesagt. Wenn man mit den Werkzeugen nicht vertraut ist und Querholz drechselt, kann das böse ausgehen. Das ist ein Grund, warum das Thema „Drechseln für Einsteiger“ oft in meinen YouTube-Videos behandelt wird. Was am Anfang immer geht, sind Pilze, davon habe ich einige gemacht.

Ein Pilz aus Buchenholz. Lerneffekt: Holz kann reißen.

Holz ist anspruchsvoller als Metalle

Was ich schnell gelernt habe ist, dass sich die Materialeigenschaften von Holz deutlich von Metallen unterscheiden. Holz ist inhomogen, kann quellen und schwinden und wenn man einige Regeln nicht beachtet, dann kann es auch reißen. Risse kann man verfüllen, wenn das Material vollständig getrocknet ist, was einige Monate oder sogar Jahre dauern kann. Von Epoxidharz lasse ich aber die Finger, das ist nicht meins. Kleine Risse kann man mit Sekundenkleber füllen. Sind diese größer, dann kann es ein Gestaltungsmerkmal sein. Gefällt es einem trotzdem nicht, kann das Werkstück thermisch verwertet werden.

Gedrechselt wird alles, was Spaß macht und abwechslungsreich ist. Mit der Zeit wachsen die Fähigkeiten und man sucht sich immer größere Herausforderungen. Worauf ich besonders stolz bin, ist die Sphäre.

Die Sphäre aus Robinie

Herausforderungen suchen und daran wachsen

Wie geht das? Als Rohling diente eine Astgabelung aus Robinie. Das Material wurde ähnlich wie beim Drechseln von Vasen ausgedreht. Die Drehachse war – vom Bild aus gesehen – vertikal. Die Gabelung rotierte somit um die Drehachse und ließ einen Freiraum von ca. 6 cm Durchmesser. Durch diesen Freiraum wurde das innere ausgedrechselt.

Ob ich an der kleinen Öffnung mal eingehakt bin? Natürlich! Die Rinde flog weg. Diese habe ich später wiedergefunden und an die exakt gleiche Stelle wieder festgeklebt, hat keiner gesehen. Eine Kugel aus Kirschholz habe ich zuvor mal gedrechselt und diese sollte sich perfekt ins Zentrum einfügen. Das Werkstück war noch eingespannt, also schnell eine Bohrung eingesetzt. Als Stab dient ein 5 mm Kupferdraht, welches aus dem Reststück von unserem Netzanschlusskabel entnommen wurde. Man nimmt, was man hat.

Man sucht sich ein Ziel, stellt sich auf dem Weg unterschiedlichen Herausforderungen und löst diese nach und nach. Manchmal läuft es glatt und manchmal muss man improvisieren. Genauso wie im Leben ist es auch Teil der Drechselkunst.

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