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Hauptsache billig!

Verfasst von: Heiko Rech, Tischlermeister | 24.01.2017

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Wer das Hobby Holzwerken etwas intensiver betreiben möchte stellt sehr schnell fest, dass die Arbeit mit Holz nicht unbedingt zu den günstigen Hobbys gehört. Werkzeuge, Maschinen und Materialien können ganz schön ins Geld gehen. Da kommt so mancher Spartipp aus dem Internet doch gerade recht. Und so mancher Youtube-Kanal beschäftigt sich nur damit, wie man so billig wie möglich Holzwerken kann. Das Holzwerken so günstig wie möglich zu betreiben scheint ein regelrechter Trend zu sein. Einigen dieser Spartipps stehe ich aber eher skeptisch gegenüber.

 

Zum Beispiel: Alte Schreinereimaschinen kaufen

"Kauf dir alte Gussmaschinen, die sind viel besser als die neuen Blechdinger und kosten nicht viel." Haben Sie diese Empfehlung auch schon mal gelesen oder gehört? Ja es stimmt, die alten Gussmaschinen sind günstig und stabil sind sie bestimmt auch. Aber wie sieht es mit der Sicherheit aus? Motorbremsen, Sicherheitseinrichtungen, ausreichend Drehzahl für die modernen Werkzeuge? Wer kennt sich noch aus mit den alten Schätzchen? Gibt es noch Ersatzteile? Und wie transportiert man eine Tonne Guss und bringt sie in die Werkstatt? So manche Gussmaschine, die übers Internet seinen Besitzer wechselt gehört eigentlich auf den Schrott. Aber durch die ständigen Empfehlungen, beispielsweise in Onlineforen gibt es einen Markt für die Maschinen, die keiner außer dem unbedarften Hobbyschreiner mit wenig Erfahrung und Fachwissen haben will. Seien Sie also bei sehr alten Schreinereimaschinen vorsichtig.

Oder auch: Alte oder billige Metallhobel herrichten.

Als ich anfing mit Metallhobeln zu arbeiten, habe ich sehr günstige Hobel aus indischer Produktion mit viel Arbeit hergerichtet und auch recht gut ans Laufen gebracht. Das verschlang sehr viel Zeit und Schleifpapier. Einige Nachteile dieser billigen Hobel, wie zum Beispiel zu kleine Griffe, zu dünne Eisen und Spanbrecher habe ich damals nicht behoben, das wäre nicht lohnend gewesen. Damals gab es leider nur die sehr teuren Metallhobel und die sehr billigen und schlechten. Inzwischen gibt es aber auch sehr gute Metallhobel in der mittleren Preisklasse. Der Aufwand des Herrichtens lohnt sich da nicht mehr.

Der Kauf von alten Metallhobeln wird auch manchmal empfohlen. Da muss man sich aber schon im Ausland umsehen, da hierzulande kaum Metallhobel auf dem Gebrauchtmarkt zu finden sind. Ich bin der Meinung, dass ein Anfänger mit einem Metallhobel, den man erst noch herrichten muss, meist überfordert ist. Zu den Kenntnissen wie der Hobel bearbeitet werden muss, kommt noch, dass die weinigsten Einsteiger bereits hobeln können. Es fällt dann einfach schwer zu beurteilen, ob der getunte Hobel das macht, was er soll. Wer bereits einiges an Erfahrungen mit Handhobeln sammeln konnte wird sich da leichter tun.

Meine Empfehlung wäre da eher, sich nach gebrauchten Holzhobeln umzusehen. Das Angebot ist groß und die Hobel sind einfacher herzurichten. Und wenn das Hobeleisen nichts mehr taugt, gibt es immer noch Ersatz. Es gibt auch keine Mechanik, die defekt sein könnte.

Voll im Trend: Palettenholz verarbeiten

Es mag ja sein, dass Palettenmöbel momentan voll im Trend sind und überall stößt man auf Möbel aus Palettenholz. Ich kann mich nicht so richtig für diesen Trend begeistern. Ich bin auch der Meinung, dass man mit billigem Holz am falschen Ende spart. Wer natürlich die Optik des Palettenholzes möchte, der wird kein neues Holz wollen. Wer jedoch aus Kostengründen Paletten zu Möbeln und anderen Dingen aus Holz verarbeiten möchte, der kann durchaus auch Alternativen finden. Es muss nämlich nicht immer Nussbaum, Kirsche, Ahorn oder ein anderes teures Massivholz sein. Es gibt durchaus günstige Holzarten, die schön aussehen. Da wäre beispielsweise Yellow Poplar, Douglasie oder Esche. Im Gegensatz zu den Nadelhölzern, aus denen die meisten Paletten bestehen, lassen sich diese Hölzer auch gut verarbeiten. Gerade für Einsteiger finde ich das sehr wichtig. Ich bin auch der Meinung, dass es der falsche Ansatz ist, dass man zum Üben das billigste Holz nimmt, das man finden kann. Das ist dann oft Nadelholz von schlechter Qualität oder keilgezinktes Leimholz für wenige Euro aus dem Baumarkt. Wenn man mit solch schlechtem Holz übt, weiß man nie, ob ein schlechtes Resultat nun am Holz, oder am Holzwerker liegt. Nehmen Sie also auch zum Üben lieber ein gutes Holz.

Gesund und billig: Speiseöle für die Holzoberfläche

Warum teure Öle aufs Holz geben, wenn doch Olivenöl nur wenige Euro pro Liter kostet? Leider liest man es immer wieder, die Empfehlung doch einfach Olivenöl zur Oberflächenbehandlung zu nehmen. Oder Rapsöl. Ist doch viel billiger und Öl ist schließlich Öl. Aber das stimmt nicht. Das Problem bei vielen Speiseölen ist, dass sie nicht aushärten. Zu den aushärtenden Ölen gehören Leinöl, Walnussöl und bedingt aus Sonnenblumenöl. Und selbst die aushärtenden Öle härten ohne Zusatzstoffe nur sehr langsam aus. Die Folge sind Oberflächen, die lange ölig bleiben, Schmutz nicht abweisen, sondern binden und im schlimmsten Fall sogar ranzig werden. Eine einmal so behandelte Oberfläche wieder ordentlich neu aufzubauen ist dann eine Strafarbeit, da das Spesieöl ja dennoch in die Holzfasern eingedrungen ist und nur schwer wieder entfernt werden kann. Im Zweifel ruinieren Sie sich mit einer solchen Behandlung ein Möbelstück, in das Sie bereits viel Zeit und Geld investiert werden. Ein liebevoll gebautes Möbel aus Holz verdient eine entsprechende Oberflächenbehandlung. Und wenn es was Günstiges sein soll, nehmen Sie Leinölfirnis, Tungöl oder für wenig beanspruchte Flächen Walnussöl-Firnis. Beim Leinölfirnis sollten Sie aber den Geruch mögen.

Ökologisch, sparsam, politisch korrekt

Sparen und Wiederverwerten ist sinnvoll und liegt auch derzeit voll im Trend. Das ist auch gut so. Allerdings sind eben nicht alle Spartipps auch wirklich sinnvoll. Nicht alles was unter Recycling oder Upcycling fällt ist ökologisch unbedenklich. Wer weiß schon, was die Europalette, die nun im Wohnzimmer steht im Laufe der Jahre alles aufgesaugt hat. Ist es nachhaltig, wenn ich Holz vom Sperrmüll noch einmal verwende, es aber mit dem Billigwerkzeug vom Discounter bearbeite, das nur wenige Stunden Lebenszeit haben wird? So billig wie möglich Möbel zu bauen ohne wirkliche Notwendigkeit, nur weil es gerade voll im Trend liegt, ist mir irgendwie suspekt. Mit Palettenmöbeln und Upcycling kann ich irgendwie nicht viel anfangen. Nachhaltig und sparsam bedeutet da für mich eher Möbel zu bauen, an denen ich sehr lange Freude habe. Dass die Fans von Palettenmöbeln diese noch in zehn Jahren in der Wohnung haben wollen glaube ich kaum.

Wie stehen Sie zum Trend des Billig-Holzwerkens? Ist das überhaupt ein Trend oder kommt nur mir das so vor? Ihre Meinung interessiert mich und sicherlich auch andere Leser.

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