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Gleichlauf/ Gegenlauf - ganz schön verwirrend?

Verfasst von: Heiko Rech, Tischlermeister | 02.03.2015

"... Immer in der richtigen Richtung Fräsen ...", ... niemals im Gleichlauf Fräsen ..." Das sind Sätze, die man immer wieder liest und hört, wenn es um die richtige Richtung beim Fräsen geht. Aber was bedeutet das alles? Warum ist Gegenlauf gut und Gleichlauf böse? Um das zu verstehen, muss man erst einmal die beiden Begriffe definieren. Da sich Gleichlauf und Gegenlauf meist auf das Fräsen beziehen, erkläre auch ich es am Beispiel eines Oberfräsers.

Gegenlauf:

Fräsen im Gegenlauf

Fräsen im Gegenlauf

Der Fräser dreht sich gegen die Vorschubrichtung der Oberfräse (blauer Pfeil). Als Bediener muss man die Maschine gegen das Holz schieben, während der Fräser zerspant. (Beim Frästisch und der Tischfräse wird natürlich das Holz gegen den Fräser geschoben). Die Maschine, beziehungsweise das Werkstück, können in beiden Fällen kontrolliert geführt werden.

Gleichlauf:

Fräsen im Gleichlauf

Fräsen im Gleichlauf

 

Beim Gleichlauf entspricht die Vorschubrichtung der Oberfräse  der Drehrichtung des Fräsers. Der Fräser beschleunigt hierbei die Maschine (oder bei Frästisch und Tischfräse das Holz). Die Maschine oder das Werkstück sind dann viel schwieriger zu kontrollieren. Bei einer Tischfräse oder einen Frästisch kann das Werkstück weggeschleudert werden, bei einer handgeführten Oberfräse kommt es leicht zum Rückschlag an der Maschine.

Wie ausgeprägt sich dieses Verhalten zeigt, ist davon abhängig, wie stark die bei der Zerspanung wirkenden Kräfte sind. Also im Klartext, wie groß der Fräser ist und wie viel Material abgenommen wird. Es kann sein, dass Sie bei einer kleinen Abrundung mit einem Radiusfräser von, sagen wir mal zwei Millimetern, kaum einen Unterschied bemerken, ob Sie nun im Gleich- oder im Gegenlauf fräsen. Bei einer Falzfräsung von 20 x 15 Millimetern in einer Zustellung wird es aber schon sehr gefährlich, diese im Gleichlauf zu fräsen.

Man liest und hört immer wieder den Tipp, im Gleichlauf zu fräsen, um Ausrisse zu vermeiden. Zugegeben, es wird hier und da schon mal praktiziert. Allerdings sollte man dann genau wissen, was man tut. In der Praxis macht es so mancher Profi so, dass er im Gegenlauf vorarbeitet, also das meiste zu entfernende Material wegfräst. Dann wird noch einmal minimal nachgestellt und die letzten paar zehntel Millimeter werden im Gleichlauf weggefräst. Das Ergebnis ist in der Regel eine saubere, ausrissfreie Fräsung. Wie gesagt, in der professionellen Praxis wird das manchmal gemacht. Ich rate Ihnen dennoch davon ab. Wenn Sie Probleme mit Ausrissen beim Fräsen haben, arbeiten Sie in mehreren Zustellungen und achten Sie darauf, dass der Fräser scharf ist. Das führt ebenfalls zu sehr sauberen Ergebnissen, birgt aber ein geringeres Gefahrenpotenzial.

Die Berufsgenossenschaft verbietet das Fräsen im Gleichlauf. In Verbindung mit dem sogenannten manuellen Vorschub. Auch wenn ein Vorschubgerät benutzt wird, ist das manueller Vorschub. Lassen Sie also besser die Finger vom Gleichlauffräsen, egal ob Handoberfräse, Frästisch oder Tischfräse.

Gewöhnen Sie sich das Fräsen im Gegenlauf am besten grundsätzlich an. Mit drei Faustregeln behalten Sie auch ganz einfach den Überblick über die richtige Fräsrichtung:

1. Am Frästisch und der Tischfräse ist die Vorschubrichtung von rechts nach links.

2. Außenkanten werden mit der Handoberfräse gegen den Uhrzeigersinn bearbeitet.

3. Innenkanten (Aussparungen) werden mit der Handoberfräse im Uhrzeigersinn bearbeitet.

Richtige Fräsrichtung

Richtige Fräsrichtung bei der Handoberfräse

Die erste Regel ist bei Tischfräsen mit wechselbarer Drehrichtung nicht ganz eindeutig. Ändert sich die Drehrichtung des Fräsers, so ändert sich auch die Vorschubrichtung. Dennoch ist man mit diesen drei Regeln schon mal sehr gut bedient. Und glauben Sie mir, sehr schnell fällt der Groschen im Bezug auf Drehrichtung und Vorschubrichtung.

In diesem Zusammenhang möchte ich noch auf einen Artikel hinweisen, der sich ebenfalls mit dem Thema beschäftigt:

Breite Nuten und Fälze auf dem Frästisch
http://www.holzwerken.net/Blog/Heiko-Rech/Breite-Nuten-und-Faelze-auf-dem-Fraestisch

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