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FAQ- Oberflächenbehandlung

Verfasst von: Heiko Rech, Tischlermeister | 09.08.2016

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Kann man Holzoberflächen mit Speiseöl behandeln?

Oft hört man Ratschläge, dass man Holzoberflächen statt mit teuren Spezialprodukten doch einfach auch mit Speiseölen wie Olivenöl oder Sonnenblumenöl behandeln kann. Das scheint in vielen Fällen auch gut zu funktionieren. Ich würde aber dennoch davon abraten. Es gibt nur recht wenige natürliche Öle, die aushärten. Von Trocknung spricht man in diesem Zusammenhang nicht, da sich bei diesem Vorgang kein Lösemittel verflüchtigt. Vielmehr findet eine Vernetzung statt. Vereinfacht ausgedrückt, wird aus dem flüssigen Öl ein mehr oder weniger fester Stoff. Bei Olivenöl oder Sonnenblumenöl passiert dies nicht. Trägt man ein solches Öl auf Holz auf, wird es von der Holzfaser aufgenommen und verbleibt darin in seiner ursprünglichen Konsistenz. Die Oberfläche wird sich immer ölig anfühlen. Bei Kontakt mit Wasser wird immer wieder Öl ausgespült. Unter ungünstigen Bedingungen kann das Öl im Holz sogar ranzig werden.

Womit sollte man Schneidbretter behandeln?

Schneidbretter kann man mit Speiseöl behandeln, sollte diese dann aber auch in ständigem Gebrauch halten und immer wieder nachölen. Ein aushärtendes Speiseöl wäre Leinöl. Ohne Zusatzstoffe braucht es jedoch sehr lange zum Aushärten. Es stellt aber meiner Meinung nach noch das beste Speiseöl für die Oberflächenbehandlung von Holz dar. Meine persönliche Meinung ist, dass ein Schneidbrett nicht geölt werden muss. Nach Gebrauch kann ein Buchenbrett problemlos feucht abgewischt werden. Stärkere Verschmutzungen kann man mit Zitronensaft gut entfernen. Reiben Sie nach dem Schneiden und Auspressen einer Zitrone einfach mit der Innenseite der Schale über das Brett. Eine Art Grundreinigung kann mit Salz erfolgen. Aufgestreutes Speisesalz, das mit einem feuchten Tuch bedeckt wird, lässt man über Nacht einwirken. Nur wenige Bakterien, die in der Küche vorkommen überleben diese Prozedur.

Für Servierbretter, auf denen nicht, oder nur wenig geschnitten wird, eignet sich eine Oberflächenbehandlung mit einem Möbelöl, das Speichelecht nach EN 71-3 ist. Diese Kennzeichnung sollte sich auf dem Gebinde befinden. Solche Öle sind für Kinderspielzeug und Oberflächen, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen geeignet.

Diese Ausführungen beziehen sich auf die Anwendung von Holz in der privaten Küche. Im gewerblichen Bereich gelten ganz andere Bestimmungen.

Übrigens stecke ich seit vielen Jahren meine unbehandelten, hölzernen Kochlöffel in die Spülmaschine. Bisher haben alle Löffel das unbeschadet überstanden.

Was bringen wasserbasierende Öle?

Seit einiger Zeit drängen wasserbasierende Öle auf den Markt. Aber was hat es damit auf sich? Sind sie gesünder? Nicht unbedingt. So mancher Hersteller wird mit ein wenig Chemie nachhelfen müssen, damit sich Wasser und Öl dauerhaft mischen. Ohne Chemie ist der Produktionsaufwand höher, als bei herkömmlichen Ölen. Das Wasser dient als Lösemittel. Es ist günstiger als beispielsweise Testbenzin und andere Terpene. Es hat aber auch den Vorteil, dass es weniger stark Allergieauslösend wirkt. Oft wird auch damit geworben, Ölgetränkte Lappen sich bei wasserbasierenden Ölen nicht entzünden können. Da die Selbstentzündung aber durch die entstehende Temperatur beim Aushärten des Öles entsteht, ist dies auch ein Hinweis auf einen sehr geringen Öl- und einen hohen Wasseranteil. Es gibt gewerbliche Verarbeiter, die solche Öle aufgrund von strengen Richtlinien für Gefahrstoffe verarbeiten müssen. Für den privaten Bereich halte ich persönlich die Verwendung dieser H2-Öle für Unsinn. Den eigentlichen Vorteil, den ein Öl bietet, macht man sich zunichte: Die einfache Verarbeitung. Die H2- Öle sind prinzipiell ölbasierende Wasserlacke. Mit allen ihren Nachteilen. Während man bei richtiger Vorgehensweise eine gute Oberfläche mit Öl durch nur einmaligen Auftrag erreichen kann, gelingt dies mit wasserbasierenden Ölen nicht. Nach dem ersten Auftrag wird die Oberfläche rau und es muss ein Zwischenschliff mit nachfolgendem, zweiten Auftrag erfolgen. Wie bei einem Lack eben. Echte Vorteile bringen wasserbasierende Öle also kaum.

Was ist besser, Öl oder Lack?

Diese Frage kann man kaum beantworten, da es dafür zu viele Öle und zu viele Lacke gibt. Man kann eine geölte Oberfläche sehr robust bekommen, gleichermaßen gibt es Lacke, die nur geringen chemischen und mechanischen Belastungen standhalten. Eine geölte Oberfläche lässt sich in der Regel gut nachpflegen und in einen schönen Zustand halten. Beschädigungen in einer Lackierung sind schwerer zu entfernen. Die Verarbeitung von Ölen ist wesentlich einfacher, als das Lackieren. Darüber hinaus sehen geölte Oberflächen für mein Empfinden wesentlich natürlicher aus, als lackierte. Wo ein Lack klare Vorteile bringt, ist beim Überzug von Beizen, zu deren Schutz. Es gibt zwar auch Hartwaschsöle, die ähnlich gut schützen, dabei handelt es sich jedoch um schichtbildende Öle, die einem Lack in der Optik und vor allem in der Verarbeitung sehr nahekommen. Wie Sie sehen ist das recht komplex und man kann diese Frag weder eindeutig, noch kurz beantworten. Entscheidend sind die jeweiligen Anforderungen und Gegebenheiten.

Ist die Gefahr der Selbstentzündung real?

Es passiert selten, aber nach Aussage eines Feuerwehrmannes passiert es dennoch immer wieder einmal. Ölgetränkte Lappen entzünden sich. Mir selbst ist es einmal passiert, es war allerdings kein Lappen, sondern ein Schwamm. Es geschah beim Einlassen eines Gartenstuhles mit einem Gemisch aus Leinölfirnis und Balsamterpentin. Der Schwamm lag in der Sonne und begann irgendwann zu schmoren und es war eine kleine Flamme zu sehen. Versuche die Selbstentzündung ganz bewusst noch einmal hervorzurufen sind bei mir jedoch bisher immer gescheitert. Ich rate immer zur Vorsicht, lieber zu viel Vorsicht, als zu wenig. Ölgetränkte Lappen und Schwämme lassen Sie am sichersten an der Luft auf einem Brandsicheren Untergrund gut trocknen und geben Sie dann erst in den Hausmüll. Sollte sich wirklich einmal ein Schwamm im Freien entzünden ist das weniger Schlimm, als wenn dies in der Werkstatt passiert. Die Selbstentzündung betrifft nur Lappen und Schwämme. Öldosen oder gar eine fertig geölte Oberfläche entzünden sich nicht.

Wann ist ein Schleifpapier stumpf?

Bei üblichen Schleifpapieren hilft es, ein neues Papier zu nehmen und mit den Fingerkuppen darüberzustreichen. Das gleiche tut man dann beim gebrauchten Schleifmittel. Alleine mit dem Feingefühl in den Fingern kann man dadurch sehr gut abschätzen, in welchem Zustand das gebrauchte Papier ist. Mit der Zeit bekommt man dann die notwendige Erfahrung und man braucht den direkten Vergleich nicht mehr.

Kommende Woche gibt es dann die nächste FAQ zu einem anderen Thema.

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