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Der lange Weg zur passenden Tischkreissäge

Verfasst von: Heiko Rech, Tischlermeister | 17.01.2017

Eines vorweg, das wird jetzt kein Artikel, nach dessen Lektüre Sie genau wissen, welche Tischkreissäge sie sich nun kaufen sollen. Das kann ich im Rahmen des Blogs nicht leisten. Ich glaube auch, dass dies nicht einmal im Rahmen eines mehrseitigen Heftartikels machbar wäre. Denn die Anforderungen und Randbedingungen eines jeden Holzwerkers sind zu unterschiedlich. Dazu kommt noch das kaum zu überschauende Angebot an Maschinen und Zubehör. Wer also gehofft hat, hier die Antwort auf alle Fragen zu finden, der wird sich weiterhin mit "42"  (*) zufriedengeben müssen. Die Antwort suchen Sie daher besser selbst. Ich kann Ihnen nur ein wenig dabei helfen, sich selbst die richtigen Fragen zu stellen.

Frage 1) Mobil oder stationär?

Das ist die wichtigste Frage, da sie darüber entscheidet, ob Sie eher eine leichte Montagesäge benötigen, oder doch besser eine schwere Maschine. Kleine und schwere Format- und Tischkreissägen bekommt man bereits für das gleiche Geld, das man für eine hochwertige Montagesäge mit Zubehör ausgeben muss. Ein Trugschluss, dem viele Holzwerker unterliegen ist, dass sich Maschinen mit einem Gewicht von 200 - 500 Kilogramm nicht mehr bewegen lassen, wenn sie einmal an Ort und Stelle stehen. Innerhalb der Werkstatt können solche Maschinen problemlos bewegt werden. Das Rangieren geschieht dann mit einer Fahreinrichtung oder einem Palettenhubwagen. Nur durch Türen hindurch kann man sie in der Regel nicht mehr fahren. Eine schwere Maschine ist in der Regel präziser und Leistungsfähiger, als eine auf Leichtbau getrimmte Montagesäge, egal wie gut diese auch sein mag. Viele solcher Maschinen können auch so weit zerlegt werden, dass man sie in einen Keller schaffen kann. Müssen Sie jedoch auch mal mit der Säge aus der Werkstatt hinaus, um beispielsweise im Freien große Teile zu schneiden, da die Werkstatt zu klein ist, bleibt eigentlich nur die Montagesäge. Es spricht also einiges für den Einsatz stationärer Maschinen in einer Hobbywerkstatt, es gibt aber auch gute Argumente für transportable Lösungen.

Preislich steht eine voll ausgestattete Montagesäge einer kleinen Formatkreissäge in nichts nach.

Preislich steht eine voll ausgestattete Montagesäge einer kleinen Formatkreissäge in nichts nach.

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Frage 2) Basteln oder Möbelbau?

Das soll jetzt nicht abwertend klingen, mir ist nur kein besserer Begriff als "Basteln" eingefallen. Bei der Wahl der für sie passenden Tischkreissäge müssen Sie unterscheiden, ob Sie eher kleine Bastelprojekte wie Schatullen, Spielzeug oder Deko machen wollen, oder auch größere Möbel wie Kommoden und Schränke. Wenn es größere Projekte sein sollen, macht eine Tischkreissäge erst richtig Spaß, wenn am Parallelanschlag etwa 600 Millimeter geschnitten werden können. Das Gleiche gilt für den Ablänganschlag. Auch hier sollte es möglich sein, eine typische Schrankseite zu bearbeiten. Wenn dann auch noch mit Massivholz gearbeitet werden soll, muss die Motorleistung den Anforderungen entsprechen. Bei Maschinen mit Kraftstrommotor ist das kein Problem. Schwieriger wird es da schon, wenn Sie sich für eine Lichtstrom-Maschine entscheiden haben. Da ist die Leistung begrenzt und die Säge muss sich oft auch den Stromkreis mit dem angeschlossenen Werkstattsauger teilen. Da muss der Wirkungsgrad des Motors schon ordentlich sein. Das ist meist bei den sehr günstigen Maschinen nicht der Fall.

Für kleine Arbeiten reicht eine solche Maschine, nicht aber für den Bau großer Möbel.

Für kleine Arbeiten reicht eine solche Maschine, nicht aber für den Bau großer Möbel.

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Frage 3) Nur Zuschnitt oder mehr?

Eine Tischkreissäge kann viel mehr als nur Zuschnitte, wenn sie dafür ausgelegt ist. Ein vernünftiges Anschlagsystem ist da schon mal sehr wichtig. Das ist leider ein Manko bei vielen kleinen und günstigen Maschinen. Während da meist noch ein brauchbarer Parallelanschlag zu finden ist, hapert es beim Ablänganschlag. Ein Metallstreifen mit windigem Winkelkopf taugt nun einmal nicht zum genauen Arbeiten. Ebenfalls ein Übel, das sich viele günstige Maschinen teilen ist der Spaltkeil. Bis zu einem Sägeblattdurchmesser von 315 Millimetern dürfen Schutzhauben verwendet und verbaut werden, die am Spaltkeil befestigt sind. Im Hobbybereich sind daher diese Konstruktionen am weitesten verbreitet. Diese Konstruktion erfordert allerdings einen gewissen Aufwand, wenn damit auch verdeckte Schnitte gemacht werden sollen. Dann nämlich muss der Spaltkeil entweder austauschbar sein, oder noch besser: abgesenkt werden können. Das verteuert die Maschine, weshalb solche Lösungen bei preisoptimierten Tischkreissägen nicht oft zu finden sind. Es gibt Hersteller, die es sich dann sehr einfach machen. Da steht dann in der Bedienungsanleitung, dass die Maschine nicht für verdeckte Schnitte (Nuten und Fälzen etc.) verwendet werden darf. Als Anwender stehen Ihnen dann zwei Optionen zur Wahl: Den Spaltkeil demontieren und unter erhöhter Unfallgefahr arbeiten, oder eben auf verdeckte Schnitte zu verzichten.

Verdecke Schnitte - Auch hier ist der Spaltkeil Pflicht!

Verdecke Schnitte - Auch hier ist der Spaltkeil Pflicht!

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Frage 4) Braucht man eine Absauganlage?

Einen Werkstattsauger nutzen ja inzwischen die meisten Holzwerker. Montagesägen können auch mit einem solchen Sauger abgesaugt werden. Anders sieht es bei schwereren Stationärmaschinen aus. Dort finden sich meist Anschlüsse mit 100 Millimetern Durchmesser und mehr. Da ist dann eine entsprechend dimensionierte Absauganlage nötig, die noch einmal Platz braucht und natürlich auch Geld kostet. Also auch dieser Aspekt muss zwingend berücksichtigt werden.

Frage 5) Wie hoch ist das Budget.

Bei den meisten Holzwerkern gibt es drei Dinge, die das Hobby eingrenzen: Zeit, Platz und Geld. Letzteres spielt beim Maschinenkauf natürlich eine nicht unerhebliche Rolle. Daher wird auch oft dazu geraten gebrauchte Tischlereimaschinen zu kaufen. Da bekommt man dann für wenig Geld richtig gute Maschinen. So die Theorie. In der Praxis ist der Kauf von gebrauchten Maschinen immer ein Risiko. Reduzieren kann man dieses durch den Kauf bei einem Maschinenhändler, statt aus privater Hand. Der Händler räumt ihnen zumindest in geringem Umfang eine Gewährleistung und ein Rückgaberecht ein.

Wenn Sie Gebrauchtmaschinen kaufen, sollten Sie im Vorfeld folgende Fragen beantworten:

  • Gibt es den Hersteller noch, kann ich bei ihm Support bekommen, wenn Probleme auftreten?
  • Gibt es noch Ersatzteile?
  • Gibt es noch Verschleißteile?
  • Entspricht die Ausstattung der Maschine aktuellen Sicherheitsanforderungen?
  • Sind noch passende Sägeblätter im Handel zu bekommen?
  • Wie gestalten sich der Transport und die Montage der Maschine?
  • Sind Sie selbst in der Lage kleine Reparaturen an einer alten Maschine durchzuführen?
  • Sind Sie in der Lage den Zustand einer gebrauchten Maschine zu beurteilen?
  • Kennen Sie jemanden, der sie beim Kauf einer gebrauchten Maschine beraten kann?

Wenn Sie den größten Teil dieser Fragen mit "Nein" beantworten, sollten Sie keine gebrauchte Maschine in Erwägung ziehen.

Frage 6) Können Sie mit einer Tischkreissäge/ Formatkreissäge umgehen?

Eigentlich wäre das ja die erste Frage, aber ich wollte Sie nicht gleich zu Beginn des Artikels abschrecken. Aber es ist ein wichtiger Punkt. Denn damit, dass Sie sich eine Tisch- oder Formatkreissäge in die Werkstatt stellen ist, es nicht getan. Eine solche Maschine birgt Gefahren, das ist Ihnen sicherlich bewusst. Umso wichtiger ist es, dass Sie als Benutzer den sicheren Umgang mit der Maschine erlernen. Bücher und Videos sind eine Möglichkeit. Gerade bei Videos im Internet ist es aber für den Neuling an der Säge sehr schwer zu beurteilen, ob die gezeigten Methoden wirklich sicher sind. Vielleicht findet sich im Bekanntenkreis ein Tischler, der Ihnen eine Einweisung geben kann, oder sie besuchen einen entsprechenden Kurs.

Was mir wichtig wäre

Tisch- und Formatkreissägen haben ja ganz unterschiedliche Ausstattungsmerkmale. Einige davon sind unabhängig von Modell, Größe und Preis absolute Pflicht, da sie wichtig für die Grundfunktion sind und für Sicherheit sorgen. Andere Funktionen sind nicht ganz so elementar, aber doch ganz nett. Hier daher meine persönliche "Wichtig" und "Ganz nett" Liste.

Wichtig:

  • Motorbremse
  • Spaltkeil für verdeckte Schnitte
  • Absaugbare Schutzhaube
  • Verkürzbarer Parallelanschlag
  • Feineinstellung für den Parallelanschlag
  • Schiebetisch oder vergleichbare Vorrichtung für exakte Querschnitte
  • Gut abzusaugen
  • Skalen, die auch stimmen
  • Möglichkeit zum Nachjustieren aller wichtigen Bauteile wie z.B: Endanschläge.

Ganz nett:

  • Winkeleinstellung mehr als 45° und etwas weniger als 0° für Hinterschnitte
  • Drehzahlvorwahl
  • Ausziehbarer Queranschlag
Dei Möglichkeit Hinterschnitte zu machen lernt man schnell zu schätzen.

Dei Möglichkeit Hinterschnitte zu machen lernt man schnell zu schätzen.

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Wer zweimal kauft ...

Ich glaube, dass dies die Fragen sind, die sich jeder Holzwerker vor dem Kauf einer Tischkreissäge stellen sollte. Nach der Beantwortung dieser Fragen sollte sich zumindest herausgestellt haben, welche Art von Maschine die richtige ist. Dann müssen Sie allerdings noch das richtige Modell zum für Sie passenden Preis finden. Das wird Sie allerdings nicht davor bewahren, doch irgendwann später noch einmal eine andere, bessere, größere, stärkere, oder gar kleinere Maschine zu kaufen. Denn Ansprüche, Werkstätten, Vorlieben und das eigene Können entwickeln sich stetig weiter. Wenn Sie eine Maschine anschaffen, ist das nicht unbedingt ein Bund fürs Leben. Es kann sogar von Vorteil sein, erst einmal mit einer einfachen, preiswerten (preiswert ist nicht unbedingt billig!) oder kleinen Maschine zu starten und erst einmal damit Erfahrungen zu sammeln. Aber auch diese erste Maschine sollte bereits zu den eigenen Bedürfnissen passen.

Gerne können Sie diese sechs Fragen per Kommentar durch Ihre eigenen Erfahrungen ergänzen. Vielleicht habe ich auch eine ganz wichtige Frage komplett vergessen. Wenn Sie also denken, dass Frage sieben fehlt, nur her damit. Ich und alle anderen Leser werden dafür dankbar sein.

(*) https://de.wikipedia.org/wiki/42_(Antwort)

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