Lesergalerie Tischlern

Schuhbank

Schuhbank in Leistenkonstruktion

4.7 / 5. 3

In der zu bauenden Schuhbank sollten natürlich Schuhe abgestellt werden können und sie sollte zugleich als Sitzgelegenheit dienen, um Schuhe bequem anziehen zu können. In einer Zwischenebene sollte eine Ablage für Schals, Regenschirme und ähnliche Utensilien geschaffen werden. Die Optik sollte modern wirken und das Möbelstück sollte zu vorhandenen Möbeln aus Birke passen. Die Ecken des Korpus sollten abgerundet sein.

Rundungen an einen Korpus anzuarbeiten ist ja nicht besonders einfach, wie ein Blick in das Buch von Spannagel zeigt. Deshalb ließ ich mir eine Konstruktion mit "falschen" Rundungen einfallen. So sollte der Korpus aus Leisten aufgebaut werden, die senkrecht und waagrecht über gestemmte Zapfen miteinander verbunden sind und durch gleich große Spalte getrennt sind. So entstanden acht "Bügel", bestehend aus je zwei vertikalen und einer horizontalen Holzleiste, die jeweils einen Querschnitt von 25 × 52 mm aufwiesen. Der vorderste und der hinterste Bügel sollte auf jeder Seite zwei massive Querträger aufnehmen, die die übrigen Bügel tragen sollten. Das erschien mir zunächst als unausgereifte Konstruktion - ist es aber nicht, da die Querträger über fachgerechte Gratverbindungen mit den äußeren Bügeln verbunden sind und die Verbindungen der Querträger mit den mittleren sechs Bügeln durch Überblattungen erfolgt.

Zuerst wurden die acht Bügel mit Hasenleim verleimt. Nach dem Aushärten wurden die Rundungen mit Schweifsäge, Raspel, Schweifhobel und Ziehklinge hergestellt. Dann wurden die Querträger auf der einen Seite in die gestoppten Gratnuten eingeschoben und verleimt, gleichzeitig wurden auch die mittleren Bügel in die Aussparungen der Querträger eingeschoben und verleimt. Dann wurden die beiden Querträger auf der anderen Seite in die Gratnuten eingeschoben, wobei die mittleren Bügel aufgefädelt wurden. Anschließend wurden die vier äußeren Zwischenstreben in die Einzinkungen eingeleimt, dann wurden die 12 mittleren Ablageleisten eingepasst und verleimt. Nur die vier äußeren Vertikalleisten reichen bis zum Boden, die anderen sind 0,5 mm kürzer; zusätzlich wurde auf diese vier Leisten von unten jeweils ein kleines Leder-Rechteck aufgeleimt.

Die Bank ist relativ stabil und auch schwer; die Abmessungen sind B980 x H475 x T380 mm. Ich habe errechnet, dass das fertige Möbelstück aus ca. 0,031 m3 Holz besteht, also etwa 25 kg wiegt.

Als Oberflächenbehandlung wurde zunächst Leinöl aufgetragen, dann Bienenwachs (in Balsam-Terpentinöl aufgelöst, mit einem geringen Zusatz an Dammar-Harz), abschließend erfolgte ein dünner Überzug mit Schellack, der angeblich noch besser auf Wachs haftet, wenn etwas Harz enthalten ist. Der Gesamteindruck ist unruhig, da die Birke sehr "wollig" und "wolkig" ist, was durch das Leinöl betont wird, so dass deutliche Farbunterschiede zu Tage treten. Es könnte im positiven Sinne aber auch behauptet werden, dass das Möbelstück hierdurch sehr lebendig wirkt, und dass das strenge Linienmuster der äußeren Form durch die unregelmäßige Farbwirkung abgemildert wird. Es wird erwartet, dass die Kontraste im Laufe der Jahre abnehmen.

Benötigte Zeit: 40 h
Verwendetes Material
  • Schnittholz Birke
Verwendetes Werkzeug
  • Diverse Handwerkzeuge
  • Bandsäge

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