Lesergalerie Tischlern
Rollladenschränkchen
Kleines Beistellschränkchen für Schreibtisch mit englischen Zügen und Rollladen
Passend zu anderen Möbel im gleichen Raum sollte ein Rollladenschränkchen gebaut werden. Es wurde die Stollenbauweise gewählt, wobei die vier senkrechten Stollen den Querschnitt 45 x 45 mm bekamen. Als Füllungen wurden seitlich Ahornbrettchen mit 7 mm Dicke eingenutet. Nach vorne sollte das Schränkchen über einen Rollladen geschlossen werden können. Es waren sechs so genannte englische Züge vorgesehen, die der Aufnahme von Papieren und Schreibutensilien dienen sollten. Englische Züge haben den Vorteil, dass sie eine niedrige Front haben und so die Sicht auf den Inhalt der Schublade freigeben. Der Nachteil, dass natürlich kein Abschluss mit dem Korpus erfolgt, wird dadurch kompensiert, dass ein Rollladen vor den Schubladen läuft und ein staubdichtes Verschließen des Möbelstücks ermöglicht.
Die englischen Züge gleiten auf gefalzten Führungsleisten, die in die Stollen eingelassen sind. Der Rollladen läuft zwischen zwei Rückwänden; eine äußere Rückwand schließt den Korpus nach außen ab, die innere Rückwand bildet den Anschlag für die englischen Züge. Die hinteren Stollen haben daher außen einen Falz zur Aufnahme der äußeren Rückwand und zwei Nuten für die innere Rückwand und für den Rollladen selbst erhalten. Die 6 mm breite Nut zur Führung des Rollladens hat an den Umlenkungen einen Radius von nur 5 cm; zur Fertigung der Nut musste erst ein schmales 4-mm-Grundhobeleisen beschafft werden.
Die englischen Züge sind aus 8 mm dünnen Seiten aus Ahorn, einer Front aus Eiche und einem von hinten einschiebbaren Boden aus 6-mm-Birke in üblicher Bauweise mit halbverdeckter Verzinkung hergestellt. Sie sind mehrfach mit Schellack behandelt worden.
Der Rollladen ist aus Ahorn-Lamellen im Querschnitt 20 x 8 mm gefertigt, wobei die Enden zur Aufnahme in die 6-mm-Laufnut auf ca. 5,5 mm abgefälzt und auch etwas gerundet wurden, damit sie besser um die engen Kurven oben geführt werden können. Auf der Rückseite des Rollladens ist ein starkes Leinengewebe mit Hasenleim aufgeleimt. Damit beim Aufleimen möglichst wenig Leim zwischen die Lamellen gerät, werden diese in einem auf eine Holzplatte aufgeschraubten Rahmen zusammengepresst. Der Rollladengriff ist aufgeschraubt und kann entfernt werden, um den Rollladen von unten einschieben und bei Bedarf auch wieder demontieren zu können. Der Rollladen wurde so konzipiert, dass er ohne Zuhaltemechanismus auskommt. In der offen-Position zieht das Gewicht des Rollladens hinten, in der geschlossen-Position zieht das Gewicht des Rollladens vorne, in einer Zwischenstellung befindet sich der Rollladen zum größten Teil im horizontalen Bereich. Die Oberfläche wurde mit Schellack und Wachs behandelt, die von unten aufgeschraubte Abdeckplatte wurde poliert. Die Abmessungen betragen B420 x T420 x H750 mm.
- Schnittholz Eiche
- Schnittholz Ahorn
- Leinwand
- Diverse Handhobel
- manueller Dickenhobel
- Sägen, Stemmeisen
- Bandsäge
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