Lesergalerie Tischlern

Holzkiste

Mit flachen Schnitzereien verzierte Kiste

4.7 / 5. 6

Schon vor mehreren Jahren hatte ich einen zunächst als Brennholz vorgesehenen Stammabschnitt einer Roteiche, der knapp 40 cm Durchmesser und 1 m Länge aufwies, mit der Bandsäge im Quartalschnitt aufgetrennt. Jetzt wollte ich daraus eine Kiste in Rahmen-Füllung-Bauweise bauen. Ich suchte stärkere Stücke aus, die als Rahmenteile in Frage kamen, und breitere Stücke, die als Füllungen in Frage kamen.

Über das Ausgangsmaterial waren die Abmessungen der Kiste bereits vorgegeben. Die Meterstücke wurden für die Querfriese halbiert, so dass sich eine Kistenlänge von ca. 49 cm ergab, für die Höhe der aufrechten Rahmen wurden die Meterstücke gedrittelt. Für die Füllungen, die nicht verleimt werden sollten, konnte eine Holzbreite von 16 cm gewonnen werden.

Die Rahmenhölzer wurden mit dem Handhobel auf ca. 24 mm Dicke heruntergehobelt und auf Rechteckform abgerichtet. In üblicher Weise wurden 10 mm tiefe und 7 mm breite Nuten für die Füllungen ausgehobelt, und auf der Vorderseite wurden 10 mm breite und 3 mm tiefe Fälze angehobelt, die später mit dem Simshobel und dem Stabhobel zu einer einfachen profilierten Kehlung ausgearbeitet wurden. Die Zapfenverbindungen der Rahmenhölzer wurden mit Säge, Stemm- und Lochbeitel hergestellt, wobei die Kehlungen mit jeweils einer Gehrung versehen wurden; diese wurden mit einem Stemmeisen und einer 45°-Führungshilfe angearbeitet. Die Rahmen wurden über halbverdeckte Zinkungen zwischen den horizontalen Rahmenhölzern und beidseitigen Falzverbindungen an den vertikalen Rahmenhölzern verbunden. Die seitlichen Rahmen erhielten die Schwalben und die Rahmen auf der Vorder- und Rückseite erhielten die Zinken.

Die Schnitzereien wurden auf den drei vertikalen Sichtseiten der Kiste angebracht, die Rückseite blieb bis auf die Abplattung der Füllungen und die Kehlung der Rahmenhölzer undekoriert. Die Schnitzereien dürften insgesamt ca. 40 Stunden beansprucht haben.

Die seitlichen Rahmenhölzer oben erhielten Griffmulden. Der Deckel wurde aus zwei 22-mm starken Brettern verleimt. Auf der hinteren Seite wurden zwei 15-mm-Rundzapfen in einem Abstand von 24 mm von der unteren Hinterkante händisch mit Stemmeisen und Feilen angeformt. In die seitlichen Rahmenhölzer oben wurden entsprechende Bohrungen mit einem 15-mm-Forstnerbohrer eingebracht. Der Deckel wurde im Bereich der Zapfen auf eine Breite von 5 cm in der vollen Dicke belassen, während er sonst bis auf 16 mm herunter gehobelt wurde, damit der Deckel leichter wurde. Er erhielt hinten eine oben liegende Rundung, an den übrigen Seiten einen unten liegenden Falz, der mit weiteren Fälzen an den oberen Querhölzern der Kiste korrespondiert. Zum Öffnen wurde der Deckel mit einem Loch von ca. 22 mm versehen, durch das ein Finger passt. So ist die Funktion der Kiste ohne Metallteile und ohne vorstehende Teile auf einfache Weise gegeben. Der Boden wurde ebenfalls aus zwei Brettern verleimt, ist ca. 12 mm stark und sitzt in umlaufenden 8-mm-Nuten.

Vor dem Verleimen wurden die Füllungen mit dunklem Schellack mehrfach behandelt. Zunächst wurden dann die vier Rahmen einzeln verleimt. Nach dem Aushärten der vier vertikalen Rahmen wurden die Verzinkungen und Falzverbindungen an den Ecken mit Hasenleim geleimt, wobei eine Seitenwand mit den Schwalben zuletzt angesetzt wurde, nachdem zuvor der Boden in die Nut und der Deckelzapfen in das erste Loch geschoben war. Mit dem Einsetzen dieser Seitenwand wurde dann auch der zweite Deckelzapfen in das zweite seitliche Loch eingesetzt. Auch die übrigen Bauteile wurden entsprechend mit Schellack behandelt, wobei innen heller Schellack verwendet wurde, damit die Kiste sauber wirkt, nur außen sollte ein etwas antikes Aussehen hergestellt werden. Außen wurde die Oberfläche noch mit einer Mischung aus Bienenwachs und Balsamterpentinöl überzogen und später mit der Bürste poliert.

Die Kiste hat Abmessungen von ca. L490 x T297 x H370 mm.

Benötigte Zeit: 100 h
Verwendetes Material
  • Roteiche
Verwendetes Werkzeug
  • Diverse Handwerkzeuge
  • Schnitzeisen
  • Bandsäge

Oberflächen behandeln

Oberflächen behandeln

Oberflächen behandeln

Welche Lacke, Lasuren, Öle und Wachse sind wofür am besten geeignet? Oberflächen behandeln führt durch den Dschungel von Produkten, Bezeichnungen und Verfahren.

36,00 

Mehr Erfahren

Zeitschriftenabo HolzWerken

Zeitschriftenabo HolzWerken

Wissen. Planen. Machen. Das ist das Motto der Zeitschrift HolzWerken, dem Magazin für den Holzwerker. Zeitschriftenabo HolzWerken gleich hier bestellen!

Preisspanne: 67,00 € bis 86,00 €

Mehr Erfahren

Kommentare