Was taugt der „amerikanische Leim“?

Bisher bin ich mit meinen Leimen eigentlich immer gut klargekommen. Dennoch wollte ich wissen, was hinter den Leimen von Titebond steckt, die man ja immer öfter in Artikeln, auf Blogs und in Videos sieht. Sind sie besser als die uns allen bekannten Weißleime oder einfach nur anders, liegen im Trend und werden gut vermarktet? Also habe ich mir einige dieser Leime bestellt und in den vergangenen Wochen ausprobiert. Meine Eindrücke möchte ich an dieser Stelle mit Ihnen teilen.

Es gibt von Titebond eine große Auswahl an unterschiedlichen Leimen für verschiedene Anwendungen. Ich habe mir folgende Leime bestellt:

  • Titebond Original Holzleim
  • Titebond III Ultimate Holzleim
  • Titebond II Premium Holzleim
  • Titebond II Dark
  • Titebond II Extend Holzleim
  • Titebond Translucent Holzleim
  • Titebond Polyurethane Flüssigleim
  • Titebond Liquid Hide Glue (flüssiger Hautleim)
  • Titebond Quick & Thick Vielzweckkleber
  • Titebond Sekundenkleber für Holz
Die Auswahl an unterschiedlichen Leimen ist sehr groß. Vor allem Leime für spezielle Anwendungen dürften in solch kleinen Mengen für viele Holzwerker interessant sein.

Die Auswahl an unterschiedlichen Leimen ist sehr groß. Vor allem Leime für spezielle Anwendungen dürften in solch kleinen Mengen für viele Holzwerker interessant sein.

Auffallend ist, dass diese Leime sowohl in flüssiger Form, als auch ausgehärtet ganz unterschiedliche Farben haben. Auch die Konsistenz ist unterschiedlich. Ein weiterer Unterschied zu den üblichen Weißleimen (PVAC-Leim) ist, dass die meisten Leime von Titebond wesentlich härter und unflexibler aushärten. Das wird als Vorteil beim Verschleifen des Leimes beworben. Ich bin aber der Meinung, dass ein gewisser Grad an Flexibilität bei der Verleimung von Holz nicht schadet. Schließlich ist der Werkstoff Holz ja auch flexibel.

Ich habe die Leime über einige Wochen bei verschiedenen Arbeiten eingesetzt, um mir selbst ein Bild zu machen.

Ich will jetzt nicht auf jeden einzelnen dieser Leime eingehen, das würde den Rahmen hier sprengen und Ihnen auch nicht wirklich nutzen. Ich will das etwas anders angehen. In Form von Fragen und Antworten.

Frage: Sollte man den üblichen Weißleim durch Titebond Original ersetzen?

Antwort: Das ist meiner Meinung nach nicht notwendig. Titebond Original hat die gleichen Eigenschaften wie ein D2 Weißleim. Er ist sehr flüssig und härtet mit gelbbrauner Farbe aus. In Punkto Festigkeit gibt es keine relevanten Unterschiede. Solange die Leimfuge stabiler ist, als das verleimte Holz, ist alles in Ordnung. Eine noch höhere Festigkeit der Leimfuge bringt Ihnen keinen weiteren Vorteil. Darüber hinaus dürfte es auch so sein, dass Sie einen hierzulande üblichen Weißleim wesentlich günstiger kaufen können, als den Titebond Original.

Titebond Original härtet gelb aus und ist nach der vollständigen Trocknung hart und spröde.

Titebond Original härtet gelb aus und ist nach der vollständigen Trocknung hart und spröde.

Frage: Wo macht Titebond Extend Sinn?

Antwort: Titebond Extend hat eine lange offene Zeit (in der Praxis etwa 15 Minuten). Das hat Vorteile bei sehr komplexen Verleimungen, bei denen Sie vielleicht viele Zwingen ansetzen müssen, oder mehrere Bauteile ganz genau ausgerichtet werden solle. Solche Leime gibt es natürlich auch von hiesigen Herstellern, allerdings sind sie schwerer zu bekommen und meist nur in großen Gebinden im Handel.

Titebond Extend härtet in einer Farbe aus, wie man es von einem gewöhnlichen Weißleim gewohnt ist. Allerdings ist der ausgehärtete Leim wesentlich härter.

Titebond Extend härtet in einer Farbe aus, wie man es von einem gewöhnlichen Weißleim gewohnt ist. Allerdings ist der ausgehärtete Leim wesentlich härter.

Frage: Transparent und dunkel, braucht man das wirklich?

Antwort: Die beiden Varianten Transparent und Dark härten, wie der Name schon sagt in einer vollständig transparenten Eigenfarbe aus, oder eben dunkel. Während eine vollständig transparente Leimfuge durchaus Sinn macht, kann der dunkel eingefärbte Leim zu eher unerwünschten Effekten führen. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass die dunkle Leimfuge genau dem Farbton des Holzes entspricht, ist eher gering. Passt die Farbe nicht, fällt die Leimfuge sogar mehr auf. Darüber hinaus würde ein eingefärbter Leim bei herkömmlichen Anwendungen im Möbelbau nur dann Sinn machen, wenn man davon ausgeht, dass eine Leimfuge nicht dicht wird. Dann sollte man aber besser für eine dichte Fuge sorgen, statt die Symptome zu beheben. Eine Sinnvolle Anwendung wäre dann eher noch darin zu sehen, den Leim zum Furnieren zu nehmen. Bei dunklen Hölzern würde ein Leimdurchschlag dann weniger auffallen. Aber ehrlich gesagt, kenne ich mich beim Furnieren zu wenig aus, um das beurteilen zu können.

Eine Transparente Leimfuge hat schon was. EIn Weißleim (PVAC) härtet nicht ganz so klar aus und bleibt immer noch ein wenig trüb.

Eine Transparente Leimfuge hat schon was. EIn Weißleim (PVAC) härtet nicht ganz so klar aus und bleibt immer noch ein wenig trüb.

So sieht der dunkel Leim im ausgehärteten Zustand aus.. Wenn man mit nicht ganz perfekten Leimfugen rechnet wäre der transparente Leim, eventuell doch besser.

So sieht der dunkle Leim im ausgehärteten Zustand aus.. Wenn man mit nicht ganz perfekten Leimfugen rechnet wäre der transparente Leim, eventuell doch besser.

Frage: Premium oder Ultimate für Wasserfeste Verleimungen?

Antwort: Mit dem Ultimat bietet Titebond einen Leim, der die gleichen Eigenschaften wie ein D4 Leim hat, also für den außenbereich geeignet ist, wenn zusätzlich ein witterungsbeständiger Oberflächenschutz aufgebracht wird. Der Premium entspricht einem D3 Leim. Meiner Meinung nach machen D3 Leime nur selten sinn, da sie eben nicht für den Einsatz im Außenbereich gedacht sind und nur Feuchteresistent sind, aber nicht Wasserfest. Dem Ultimat entsprechende D4 Leime sind auch von anderen Herstellern zu bekommen, aber oft nur in größeren Gebinden. Alternativ kann man auch einen D3-Leim mit Härter anmischen und zu einem D4-Leim machen. Der ist dann aber nicht lange haltbar. Daher kann der Titebond Ultimate schon sinnvoll sein, wenn man sonst nur schwer an kleine Mengen eines einkomponentigen D4-Leimes herankommt.

Titebond Premium härtet gelblich aus.

Titebond Premium härtet gelblich aus.

Titebond Ultimate ist im ausgehärteten Zustand ebenfalls gelb.

Titebond Ultimate ist im ausgehärteten Zustand ebenfalls gelb.

Frage: Wo setzt man Hautleim ein?

Antwort: Hautleim ist schon recht speziell und ich habe damit nur wenig Erfahrung. Beim Ausprobieren des Titebond Hide-Glue ist mir aber angenehm aufgefallen, dass er im Gegensatz zu den meisten anderen Leimen bereits in flüssigem Zustand sehr klebrig ist. Das bedeutet, dass man die zu verleimenden Bauteile schon sehr gut positionieren kann und dass sie weniger verrutschen. Außerdem hat er eine angenehm lange Verarbeitungszeit. Das ist bei komplexen Verleimungen von Vorteil. Ein Weiterer Vorteil ist, dass er durch Erwärmen wieder gelöst werden kann. In wie fern das ein echter Vorteil ist, muss jeder Holzwerker für sich selbst entscheiden.

Der Hautleim hat eine braune Eigenfärbung, ähnlich wie Honig.

Der Hautleim hat eine braune Eigenfärbung, ähnlich wie Honig.

Frage: Was taugen die Flaschen und Verschlüsse?

Antwort: Während meinen ersten Verleimungen habe sehr schnell die Verschlüsse der Leimflaschen zu schätzen gelernt. Sie sind so gemacht, dass sie nicht verstopfen können. Allerdings muss man auch sagen, dass sie sehr weit offen sind und immer sehr viel Leim herauskommt. Die Sekundenkleber haben auch Verschlusskappen, die nicht eintrocknen können. Wer sich, wei ich, schon oft über eingetrockneten Sekundenkleber geärgert hat, wird daran freude haben.

Die Verschlüsse sind schon praktisch, aber auch sehr weit geöffnet.

Die Verschlüsse sind schon praktisch, aber auch sehr weit geöffnet.

Mein Fazit:

Nein, die Leime sind nicht besser als die bei uns etablierten Weißleime. Sie sind recht teuer und nur dann interessant, wenn man einen Leim mit bestimmten Eigenschaften in kleinen Mengen braucht.

Ich werde mit Sicherheit nicht auf Titebond umsteigen. Zumindest werde ich meinen gewohnten Weißleim nicht dadurch ersetzen. Die Leime für spezielle Anwendungen, die ich nur selten und dann in kleinen Mengen benötige sind aber durchaus eine Überlegung wert. Den Extend, den Ultimate und den Hautleim werde ich mit Sicherheit in Zukunft öfter einsetzen. Beim Sekundenkleber ist es weniger der Kleber, als vielmehr der Verschluss, der mich überzeugt hat. Negativ aufgefallen ist mir die sehr flüssige Konsistenz der meisten Leime. Das kenn ich von Weißleimen so nicht. Für viele Holzwerker dürfte die gute Verfügbarkeit der „Spezialleime” in kleinen Mengen ein Grund sein, der für Titebond spricht. Da mache auch ich keine Ausnahme. Denn wer von uns braucht schon 5Kg Leim mit langer offener Zeit?

Wissen. Planen. Machen. Das ist das Motto der Zeitschrift HolzWerken, dem Magazin für den Holzwerker.
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Kommentare

10.10.2017

Ich arbeite seit mehr als 10 Jahren mit diesen Hautleim in meinen Kursen für Möbelrestaurierung . Dieser Leim ist wirklich eine sensationelle Erleichterung der Arbeit - Egal ob bei Intarsien oder Furnierergänzungen ---- und vor allem immer einsatzbereit !!!! Nun hat der Leimkocher ausgedient ---- Mit lieben Gruß --Franz Slama

10.10.2017

Ich arbeite seit mehr als 10 Jahren mit diesen Hautleim in meinen Kursen für Möbelrestaurierung . Dieser Leim ist wirklich eine sensationelle Erleichterung der Arbeit - Egal ob bei Intarsien oder Furnierergänzungen ---- und vor allem immer einsatzbereit !!!! Nun hat der Leimkocher ausgedient ---- Mit lieben Gruß --Franz Slama

10.10.2017

Ich arbeite seit mehr als 10 Jahren mit diesen Hautleim in meinen Kursen für Möbelrestaurierung . Dieser Leim ist wirklich eine sensationelle Erleichterung der Arbeit - Egal ob bei Intarsien oder Furnierergänzungen ---- und vor allem immer einsatzbereit !!!! Nun hat der Leimkocher ausgedient ---- Mit lieben Gruß --Franz Slama

16.10.2017

Ich habe gerade den direkten Vergleich gehabt zwischen Ponal und Titebond II als ich Schlitz und Zapfen Verbindungen geklebt habe. Mit Ponal merkte ich, die Verbindung musste regelrecht zusammengehauen werden, so dickflüssig war der Kleber. Mit Titebond flutschten die Teile zusammen. Ich weiss nicht ob das wirklich vom Vorteil ist von der Verbindungstabilität her, aber aus meiner Perspektiv bringt die Viskosität von Titebond bei solchen Verbindungen auf jeden Fall was...

17.10.2017

Der Tidebond Ultimate III verfügt über eine FDA Zulassung. Kann in den Staaten somit unbedenklich für Schneidebretter verwendet werden. Ich denke unsere Leime sind unter Umständen auch i.O. aber es gibt eben keine Untersuchung darüber oder zumindest weiss ich nichts davon.

21.10.2017

Moin, ich habe Titebond Ultimate 3 ausprobiert. Alle von Heiko genannten Punkte sehe ich exakt genauso. Ja die Tülle ist echt praktisch. Grüsse/Michael Krause

25.10.2017

Ich habe mich vor gut einem Jahr von Weißleim verabschiedet und verwende seid dem Haut und Knochenleim ( in Perlen Form). Letztes Jahr bin ich durch Zufall auf einen Workshop zum Thema Leimarten von Lothar Jansen -Greef gestoßen der die Vorteile von diesem Leim erklärt hat, wie z.B. das sich Knochenleim Verbindungen mit hilfe von Wärme wieder auflösen lassen. Seit dem nutze ich für meine Holz Projekte nur noch Knochenleim und hab damit nur gute Erfahrungen gemacht, zudem ist er auch noch Preiswert.

28.11.2017

Hallo Heiko, Ich verarbeite am Anfang für meine geplanten Möbel , Leimholz Kiefer und Buche. Für mich ist es absolut interressant zu erfahren welcher Leim für mich in Frage kommt (Anfänger) - und in welcher Zeit ich beispielsweise ca 5 Liter Leim verarbeiten muß oder lagern kann ? vorab schonmal Danke für die Antwort !

28.11.2017

Hallo Peter, der zu verwendende Leim ist nur in wenigen Ausnahmefällen von der verwendeten Holzart abhängig. Es kommt darauf an, welche Eigenschaften gewünscht sind. Also ob der Leim wasserfest sein muss, aufquellen soll, eine lange offene Zeit haben soll etc. In 80 - 90% der Anwendungsfälle wirst du mit einem ganz normalen D2 oder D3-Weißleim auskommen. Wie lange der Leim haltbar ist, steht auf dem Gebinde, oder man kann es beim Hersteller erfragen/ nachlesen. In der Regel kann man Leim schon länger als ein Jahr aufheben, wenn er luftdicht verschlossen ist, sowie dunkel und frostfrei gelagert wird. Gruß Heiko

21.04.2018

Hallo Heiko, Ich hatte anfangs auch immer "Weißleim" genommen. Habe den aber mittlerweile aus mein Werkraum komplett verband, ich nutze nur noch den Amerikanischen Titebond-Leim. Habe den Sekundenkleber, den Original (Rot), den Polyurethan, den blauen Wasserfesten und den Hautleim. Den Hautleim, nehme ich nur für Furnierarbeiten. Weil ich noch kein Knochenleim Granulat und Zubehör (Wärmequelle [Leimofen], usw.) habe. Die Haut-, Knochen-, Hasen-, Fischleime, werden meistens für Restaurationsarbeiten genommen. Weil man diese leime wieder anlösen kann und man kann das Werkstück zerlegen/restaurieren. Sowas geht mit handelsüblichen Weißleim (egal welche Firma) nicht. Ich benutze diese Leime, weil ich die überstände mit feuchten Tuch abwaschen kann und habe nichts mehr am Werkstück. Was beim Weißleim nicht möglich ist. Gruß Günter

27.01.2020

Hallo Heiko, super deine kurze aber knackige Zusammenfassung der verschiedenen Titebond-Leime. Demnächst würde ich gerne einige Utensilien für die Küche bauen, so auch ein Schneidebrett. Welcher Leim ist hierfür am besten zu verwenden, ich gehe davon aus, dass der Leim lebensmittelecht sein sollte - gibt es so etwas überhaupt? Danke und Grüße Alex

28.01.2020

Hallo Alex, der Ultimate 3 von Titebond ist laut US-Spezifikation Wasserfest und für Lebensmittel geeignet. Ob diese Spezifikation auch den hierzulande geltenden Richtlinien entspricht weiß ich aber nicht. Gruß Heiko

16.02.2020

Hallo Alex, Die gleiche Frage habe ich mir auch vor kurzem gestellt. Zwar bin ich noch nicht bei meinem Schneidbrett, würde aber definitiv den Ultimate III benutzen. Ich würde da schon der FDA (Food and Drug Administration) trauen. Die Amerikaner sind ja eigentlich, was solche Vorgaben angeht recht streng und verhängen hohe Strafen. Hinzu kommt, dass ich bei keinem deutschen Leim eine ähnliche Herstellerkennzeichnung gefunden habe. Wahrscheinlich müsste man beim Hersteller anfragen, wenn es dort überhaupt solche Angaben zu bekommen gibt. Besten Gruß und viel Spaß beim Projekt Thomas

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