Sieben Tipps für’s gute Gelingen

Nur wer nichts macht, macht kann auch nichts falsch machen. Fehler gehören zum Leben und man lernt daraus. Und das ist auch gut so. aber nur in gewissem Maße. Denn niemand von uns möchte zu viele Fehler machen. Viele Fehler, die in der Werkstatt passieren lassen sich vermeiden. Und so manche Fehlervermeidung ist auch ganz einfach. Jeder Holzwerker hat da wohl seine ganz eigene Strategie, um möglichst fehlerfrei zu einem befriedigenden Ergebnis zu kommen. Egal ob es sich dabei um ein komplexes Möbelstück, oder eine einfache Vorrichtung handelt.

1. Gute Planung

Planung ist wichtig und strukturiert die Gedanken. Inzwischen plane ich auch viele einfache Dinge am Computer und erstelle mir eine Stückliste. Beim Planen bemerkt man Dinge, die nicht funktionieren. Teile, welche die falchen Proportionen haben oder Werkstücke, die sich so wie gezeichnet nicht fertigen lassen. Dabei spielt es keine Rolle, ob man die Planung am Computer macht, oder auf Papier. Ein solcher Plan muss auch nicht perfekt ausgearbeitet werden. Oft reicht eine einfache Skizze aus. Bei komplexen Konstruktionen zeichne ich jedoch so detailliert wie möglich. Und auch wenn ich etwas zum ersten Mal baue, gebe ich mir beim Zeichnen viel Mühe.

Eine Stückliste gehört für mich auch dazu. Ich kann aus der Zeichnung heraus eine Stückliste generieren. Ganz automatisch. Ich nutze diese Möglichkeit jedoch recht selten. Der Grund dafür ist der, dass ich beim manuellen Schreiben der Stückliste auch schon so manchen Fehler in der Konstruktion gefunden habe. Man misst in der Zeichnung nach und überträgt die Maße. Dabei geht man die Konstruktion mit ihren Details automatisch noch einmal in Gedanken durch. Dabei fällt so mancher Fehler noch frühzeitig auf. Bevor das Holz falsch zugeschnitten wird. Automatismen sind praktisch, aber ein Computer weiß eben auch nicht alles.

2. Nicht hetzen.

Noch schnell was fertig machen oder ungeliebte Arbeiten einfach nur irgendwie fertig bekommen. Das kennt jeder und das hat jeder auch schon gemacht. Ich persönlich kann mich unter Zeitdruck nur sehr schlecht konzentrieren. Und mangelnde Konzentration ist einer der Gründe für Fehler. Wenn Sie das Holzwerken als Hobby betreiben, gibt es ja eigentlich keinen Grund für Eile und auch keinen Termindruck. Es sei denn, Sie setzen sich die Termine selbst. Ich habe mir auch angewöhnt keine Arbeiten mehr zu beginnen, von denen ich mir nicht sicher bin, dass ich sie in der zur Verfügung stehenden Zeit noch fertig bekomme.

3. Ordnung halten

Ich finde Ordnung in der Werkstatt sehr wichtig. Ordnung erhöht nicht nur die Sicherheit und beugt Unfällen vor, man kann dadurch auch Fehler vermeiden. Wer schon einmal ein fertig geschliffenes Werkstück auf ein Werkzeug gelegt hat, das auf der Werkbank liegt, weiß was ich meine. Eine unaufgeräumte Werkstatt ist fast schon ein Garant für Druckstellen. Wenn alles an seinem Platz ist, fällt das Arbeiten leichter. Mir zumindest geht es so. WEnn ich Unordnung habe nervt mich das. Wenn ich genervt bin, mache ich unnötige Fehler. Das Arbeiten in einer ordentlichen Umgebung macht mir mehr Spaß und wenn ich Spaß bei der Arbeit habe, bin ich konzentriert.

4. Auf Sicherheit achten

Was hat Sicherheit mit Fehlern zu tun werden Sie sich vielleicht fragen. Nun, nach meiner Erfahrung sehr viel. Wer sicher arbeitet, der arbeitet in der Regel auch präziser. Wenn sie beispielsweise ein Werkstück sehr unsicher an der Tischkreissäge bearbeiten, müssen Sie sich sehr darauf konzentrieren, nichts zu machen, was Ihre Sicherheit gefährdet. Ihre Konzentration ist darauf gerichtet alle Finger zu behalten. In dem Moment konzentrieren Sie sich in der Regel weniger auf Ihr Werkstück, den richtigen Vorschub oder darauf, dass Ihr Werkstück nicht verrutscht. Oder am Frästisch: Wenn Sie den Fräser sicher abdecken, können Sie gefahrlos mit den Händen dicht ans Eigentliche geschehen. In der Regel verbessern Sie damit das Fräsergebnis. Meiner persönlichen Erfahrung nach wird ein Arbeitsgang automatisch präziser, wenn man ihn auch möglichst sicher einrichtet.

5. Machen Sie Muster und Probestücke

Man will sich als Schreiner und Holzwerker natürlich weiterentwickeln. Dazu gehört auch, dass man Neues ausprobiert. Stellt man eine Fräse ein, macht man eine Probefräsung. Das werden Sie sicherlich auch nicht anders machen. Macht man einen Arbeitsgang zum ersten mal, ist es ratsam, das auch erst einmal auszuprobieren. Die Gefahr lauert oft in der Selbstüberschätzung. Ich glaube, davon kann sich niemand so ganz frei machen. Man ist dann der Überzeugung, dass man etwas kann, auch wenn man es noch nie gemacht hat. Und dann geht es schief. Da lohnt es sich oft, wenn man eine halbe Stunde mehr Zeit investiert und Dinge erst einmal an Reststücken ausprobiert. Das gilt auch für Beschläge, die man zum ersten Mal verwendet, neue Oberflächen und Kleber und nicht zu letzt, für neue Maschinen und Werkzeuge. Machen Sie sich mit Dingen vertraut, bevor Sie ans Eingemachte gehen.

6. Die Notbremse

Trotz aller Ordnung, Sicherheit, guter Planung und genügend Zeit, passieren dennoch Fehler. Manchmal hat man einen schlechten Tag und nichts will so richtig funktionieren. Das ging mir letzte Woche auch so. Ich habe mir eine Problemlösung ausgedacht, die am Ende doch nicht so funktionierte wie gedacht. Ein Tag Arbeit und einiges an Material drohte in der Restekiste zu landen. Das ist natürlich ärgerlich und man ist frustriert. Aber es bringt dann nichts, wenn man sich aufregt. Davon ändert sich in der Regel nichts. Ich lasse ein solches Projekt oder Werkstück dann einfach einen Tag ruhen. Mache erst einmal nichts. Erst dann kümmere ich mich wieder darum. Vielleicht ist mir bis zum nächsten Tag sogar eine Lösung eingefallen. Wenn man aber nach einem kapitalen Fehler sofort weitermacht, gerät man meist in eine Schleife aus Aktionismus und weiteren Fehlern oder Verschlimmbesserungen. So zumindest ist meine Erfahrung.

7. Sehen Sie über Fehler hinweg

Dass jeder Fehler macht ist ganz klar. Was aber auch klar sein sollte ist, dass man selbst in der Regel viel kritischer mit den Dingen ist, die man selbst gebaut hat, als das direkte Umfeld. Wenn ich ein Möbelstück für den Eigenbedarf baue und es aus der Werkstatt in die Wohnung bringe, erzähle ich zuhause immer, was mir nicht so gut gelungen erscheint und wo sich Fehler finden. Ich bin da sehr kritisch. Ich stelle dann aber immer wieder fest, dass ich der Einzige bin, dem diese Fehler auffallen. Das kommt daher, dass mir natürlich während der Arbeit an einem Werkstück jeder noch so kleine Delle, jeder kleine Riss im Holz und auch zwei zehntel Millimeter Unterschied im Spaltmaß auffallen. Am Gesamtergebnis sind solche Kleinigkeiten dann nur noch zu sehen, wenn man es auch genau weiß.

Mir lag dieses Thema diese Woche sehr am Herzen. Vermutlich weil mir selbst ein großer Fehler unterlaufen ist, der sich durch das Beherzigen von Punkt fünf hätte vermeiden lassen. Am Ende ging aber alles gut, da ich Punkt sechs angewendet habe und Punkt sieben ohnehin eintreten wird. Und kommende Woche starte ich dann hier auf dem Blog ein kleines Bauprojekt, an dem ich dann wieder alle sieben Punkte anwenden kann und bei dem dann hoffentlich nichts schief gehen wird.

Vielleicht haben Sie ja Zeit und Lust einen kurzen Kommentar zu diesem Thema zu schreiben. Was war ihr dümmster Fehler und wie hätten Sie ihn vermeiden können. Trauen Sie sich ruhig, wir sind ja hier unter uns.

Wissen. Planen. Machen. Das ist das Motto der Zeitschrift HolzWerken, dem Magazin für den Holzwerker.
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Kommentare

29.08.2018

Das kann ich absolut unterschreiben!!! Mein absoluter Projekt-Killer ist, vielmehr war, etwas noch schnell fertig zu machen, meistens ist man mit dem Kopf schon woanders und sei es nur beim Feierabendbier. In diesem Zusammenhang habe ich letztes Jahr ein Werkstück über den Frästisch geschoben, nur noch schnell diesen einen Durchgang! Resultat, weil gedanklich nicht mehr ganz da, Mittel-und Zeigegfinger geschreddert. Jetzt weiß ich auch, woher der Begriff Fingerfräser kommt. Vermeiden hätte ich den Fehler können, indem ich entweder die Nut am Folgetag fertig gefräst oder einfach nochmal ein Schippchen Konzentration aufgelegt hätte. Aber alle 7 Punkte sind genial. die hätten, inhaltlich, auch von mir sein können. Auch das, meist überzogene, Selbstkritische, ist mir durchaus geläufig. Da bremst mich glücklicherweise, meine Frau immer ein. Ansonsten: Super Blog, informativ und verständlich. Bitte weiter so. Zoltan Arany

29.08.2018

Ich glaube, insgeheim ist sich (fast) jeder dieser Punkte bewusst. Das Problem liegt vielmehr darin, diese auch zu verinnerlichen und umzusetzen und da ist die Zeit der beste Lehrer. Tatendrang, Ungeduld oder auch Selbstüberschätzung sind eigentlich gerade im jüngeren Alter völlig normal und müssen sich erst abnutzen. Die meisten Deiner Punkte haben sich bei mir in den letzten Jahrzehnten ganz von selber irgendwie eingeschlichen. Nur Punkt 7 wollte irgendwie nie so recht greifen. Da half es auch nicht, ein, zwei überrestaurierte antike Möbelstücke mit Absicht im Haushalt zu behalten und sich jedes Mal über ihr langweiliges weil quasi neuwertiges Aussehen zu ärgern. Wirklich zu verinnerlichen lerne ich Punkt 7 erst mit der Sanierung unseres Bauernhauses (Baublog unter https://www.hausen8.de). Hier muss ich immer wieder meinen Perfektionismus zurückschrauben. Es ist alles krumm und schief, weil vor über 100 Jahren von einfachen Menschen von Hand gebaut. Ich musste lernen, dass es gar keinen Sinn macht, präzise identische neue Setzstufen für eine Treppe anzufertigen, deren Stufenhöhen um über einen Zentimeter variieren. Wenn die Gehrungsschnitte der Türrahmenprofile um bis zu 4 Millimeter klaffen, kann man sie bestenfalls auf ein bis zwei Millimeter korrigieren, sonst wird der Spalt zum Dielenboden zu groß. Da ich gerade bei so einem großen Projekt gar nicht alles zu genau nehmen darf, ist das Haus mein bester Lehrer in Bezug auf übertriebene Pingeligkeit. Präzision gibt es nur bei neu gefertigten Teilen und genau das wollen wir ja nicht. Es soll so viel alte Substanz wie möglich erhalten und aufgearbeitet werden. Ein amüsanter Nebeneffekt: Waren für mich sichtbare Verbindungen bisher tabu, lerne ich hier, Nägel zu lieben. Ob Türrahmenprofile oder Dielen, es wurde alles genagelt, also mache ich es auch so. Und es macht immer mehr Spaß. ;)

30.08.2018

Oh, ich kenne alle diese Kategorien. Eine schlägt in jedem Projekt zu. Ich bin ein wenig stolz, dass ich eine Grundregel wirklich beherzige: Wenn ich abends denke "nur noch schnell...", lass ich es entweder liegen oder verwende nur noch Handwerkzeuge. Die schneiden nicht gleich so tief ins Fleisch. Mein Hauptproblem aber ist, dass ich sehr, sehr langsam arbeite und dann nach einiger Zeit (meist Wochen) die Geduld verliere und einfach nur noch fertig werden will. Dann leidet die Qualität. Andererseits sind doch die Fehler der Antrieb für das nächste Projekt. "Beim nächsten Mal wird alles besser"...

13.09.2018

Ja manchmal basieren Fehler aus reiner Überheblichkeit ,bei mir zumindest weil man es ja so gut weiß .

02.10.2018

Ich bin so glücklich Im Ruhestand zu leben, und bin völlig überzeugt von dem Wert von ihre 7 Punkte im bezug zu mein Holzwerkerhobby und eben weiter: mein Alltag. Es fiel mich ein, ob jedermannn, nehme ein Politiker, denke an Theresa May, oder Frau Merkel, je in der Lage ist um sie alle sr ieben Ernst zu nehmen? Es ist hier selbstverständlich kein Forum für weitere diskussion, aber ich möchte es trotzdem benachdrucken: Holzwerken macht auch speziellen Spaß! Herzlichem Dank für diesem wertvollen Blog, Wilbert van Meerwijk

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